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Artenschutz-Konferenz: Durchbruch in letzter Minute



Ein japanischer Umweltaktivist während einer friedlichen Kundgebung in Nagoya.

Ein japanischer Umweltaktivist während einer friedlichen Kundgebung in Nagoya.

(Reuters)

Nach fast zwei Wochen hartnäckiger Verhandlungen hat sich die UNO-Artenschutzkonferenz im japanischen Nagoya am Freitag auf ein internationales Abkommen geeinigt. Mit ehrgeizigen Zielen sollen gefährdete Pflanzen, Wälder und Tiere vor dem Aussterben geschützt werden.

Die rund 190 Teilnehmerländer einigten sich auf 20 Ziele, die bis zum Jahr 2020 erreicht werden sollen, um das Artensterben aufzuhalten. Demnach sollen unter anderem die Schutzgebiete zu Wasser und zu Land ausgeweitet werden.

Die Delegierten einigten sich darauf, in den nächsten zehn Jahren etwa 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Weitere Massnahmen betreffen die Überfischung der Meere, den Schutz von Korallenriffen, die Überdüngung landwirtschaftlicher Nutzflächen und die Verschmutzung von Wäldern.

Die Vereinbarung legt zudem eine Teilung von Gewinnen aus biologischen Ressourcen fest. Die Entwicklungsländer forderten eine Art "Gensteuer", wenn Firmen aus ihren biologischen Ressourcen gewonnene Wirkstoffe, etwa in Form von Arzneien oder Kosmetika, vermarkten.

Die Entwicklungsländer hatten angekündigt, ihre Unterschrift nicht unter das Gesamtabkommen zu setzen, wenn das so genannte ABS-Protokoll (Acces and Benefits Sharing) nicht Bestandteil davon sei.

Leuenberger: "Gewaltiger Erfolg"

Der Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger nannte die Einigung in Japan einen "gewaltigen Erfolg". Das Abkommen zeige, dass konsensuale Lösungen in der UNO möglich seien, sagte er.

Die Einigung mache Mut im Hinblick auf die anstehende Klimakonferenz in Cancún, sagte Leuenberger, der an dem Treffen in Nagoya teilnahm. Entsprechend "ausgelassen und fröhlich" sei die Stimmung nach Abschluss der Konferenz gewesen.

Nachdem die Situation in Nagoya zuvor "sehr aussichtslos" ausgesehen habe, "bin ich guter Hoffnung, dass die UNO auch in der Klimapolitik Erfolg haben wird", sagte der Schweizer Umweltminister, dessen Amtszeit am Sonntag endet. Er sei glücklich, dass sein allerletzter Einsatz von Erfolg gekrönt sei.

Auch die Schweiz habe bei den Verhandlungen ihren Beitrag leisten können. Bei einer Schlussdifferenz zwischen der EU und den Inselstaaten habe die Schweizer Delegation erfolgreich vermitteln können, sagte Leuenberger.

Umweltschützer vorsichtig

Umweltschützer lobten die Einigung, mahnten aber auch, dass die Massnahmen nun konkret umgesetzt werden müssten. "Das Nagoya-Protokoll ist ein historisches Ergebnis", sagte der Chef der Umweltorganisation WWF, Jim Leape.

Pro Natura, SVS/BirdLife Schweiz und die Erklärung von Bern äusserten sich "vorsichtig positiv". Sie bemängelten jedoch, dass die Ziele abgeschwächt worden seien und im "Abkommen gegen Biopiraterie" weiterhin Lücken bestünden.

Grösster Schwachpunkt des ABS-Protokolls seien die nur vage definierten Kontrollpunkte in den Nutzerländern, schreiben die drei Organisationen in einer Medienmitteilung. "Es besteht die Gefahr, dass es aufgrund ungenügender Kontrollen auch in Zukunft etliche Regelverletzungen der Biodiversitätskonvention geben wird."

Die "harten Auseinandersetzungen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern" hätten allerdings zu Abschwächungen geführt. So sollen nur mindestens 17 Prozent der Landes- und 10 Prozent der Meeresfläche geschützt werden. "Nötig wären jedoch 25 respektive 20 Prozent", heisst es in der Mitteilung.

"Meilenstein"

Friedrich Wulf von der Umwelt-Organisation Pro Natura bezeichnete gegenüber swissinfo.ch die Einigung als "Meilenstein". Gleichzeitig wies er auf die aktive Rolle der Schweiz bei der Lösungsfindung hin. Dies sowohl, was die gerechte Verteilung von Gewinnen aus der Nutzung genetischer Ressourcen betreffe, als auch bei den Zielsetzungen für 2020.

Keine Einigkeit wurde laut Wulf bei der Finanzierung erzielt, dem dritten grossen Thema in Nagoya. Erst müsse der Bedarf an finanziellen Mitteln im Kampf gegen das Artensterben bekannt sein, habe der Standpunkt der Schweiz gelautet.

"Das war etwas unglücklich, denn einerseits mögen es die Länder des Südens nicht unbedingt, wenn man ihnen sagt: 'Ihr müsst uns sagen, wie viel ihr braucht und wofür ihr das Geld einsetzen wollt'. Andererseits ist die Position der Industrieländer verständlich. Trotzdem war es keine so gute Verhandlungsposition", sagte Friedrich Wulf. Es sei überdies komplizierter, den Bedarf zur Erhaltung der Biodiversität zu errechnen als denjenigen für Massnahmen gegen den Klimawandel.

In seiner Schlussbilanz der Konferenz sieht der Pro-Natura-Vertreter zwar Fortschritte, der Weg sei aber noch lang. "Es zeigt uns, wie leicht es ist, riesige Summen aufzuwerfen, wenn es um die Rettung von Banken geht. Bei der Biodiversität hingegen, wo es um viel weniger Geld geht, ist die Finanzierung viel schwieriger", schliesst Wulf.

Kampf für Artenvielfalt

Die Konferenz für Biodiversität in Nagoya dauerte vom 18. bis 29. Oktober. Daran nahmen Vertreter von rund 190 Ländern teil.
Die USA gehören der Konventin über Biodiversität (CBD) nicht an und waren in Japan nur als Beobachter zugegen.

Die Konvention ist seit 1993 in Kraft und verfolgt die drei Hauptziele Erhaltung der Biodiversität, nachhaltige Nutzung von Bereichen der Biodiversität sowie die gerechte Verteilung von Profiten aus der Nutzung genetischer Ressourcen.

2002 hatten die Mitgliedsländer eine deutliche Verlangsamung des Artensterbens bis 2010 vereinbart. Die meisten Länder, darunter auch die Schweiz, haben dieses Ziel nicht erreicht.
Die UNO erklärte 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität.

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Artenrückgang

Laut einer Studie des Wissenschaftsmagazins Science ist rund ein Fünftel aller Tier- und Pflanzengattungen weltweit vom Aussterben bedroht.

Die Autoren benennen die Zahl der Wirbeltiere auf der so genannten Roten Liste mit 26'000. Gemäss Definition der Internationale Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) steht die Farbe Rot für die Gefahr des Aussterbens.

Eine andere Untersuchung befasste sich mit den mehrjährigen Auswirkungen der Biodiversität auf die Nahrungsmittelkette. Ein Ergebnis: Die Vielfalt der Pflanzenarten ist sehr wichtig für darüber liegende lebende Organismen.

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swissinfo.ch und Agenturen


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