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Attentat von Zug war sorgfältig geplante Aktion

Blumen und Kerzen vor dem Zuger Ratsgebäude, am 1. Jahrestag der Schreckenstat.

(Keystone)

Der Mann hinter dem Anschlag auf das Zuger Parlamentsgebäude 2001, der schlimmsten je in der Schweiz verübten Bluttat, war zurechnungsfähig gewesen.

Laut dem Schlussbericht hatte Friedrich Leibacher allein gehandelt und sich nach der Tat selbst gerichtet.

Leibacher, der das Blutbad vom 27. September 2001 im Zuger Kantonsrat aus Hass auf die politischen Behörden angerichtet hatte, habe sich nach der Tat selbst gerichtet. Damit wurde die These widerlegt, dass er aus einer Polizeiwaffe erschossen worden sei.

Das Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug stützt seinen am Donnerstag veröffentlichten Schlussbericht auf umfangreiche Ermittlungen. Demnach ist erhärtet, dass der Attentäter die Schreckenstat, der 14 Politikerinnen und Politiker zum Opfer gefallen waren, als Einzeltäter von langer Hand und minutiös geplant hatte. Unter den Toten waren 3 Regierungs- und 11 Parlamentsmitglieder.

Beim Überfall im Gebäude des Zuger Kantonsparlamentes waren 15 weitere Personen zum Teil schwer verletzt worden. In der Folge richtete der Kanton eine Schlichtungsstelle für Konfliktsituation zwischen Bürgern und Behörden ein. Bis heute hat der Kanton Zug rund 4,5 Mio. Franken an Opferhilfe an Betroffene und Hinterbliebene ausbezahlt.

Testament hinterlassen

Laut Untersuchungsrichter Roland Schwyter regelte Leibacher vorher seine finanziellen Verhältnisse, verkaufte ein Haus in Seelisberg und schrieb einen Abschiedsbrief an seine Mutter. In der Dominikanischen Republik richtete er ein Testament ein, und einem Bestattungsunternehmen gab er Anweisungen für seine Kremation.

Leibacher handelte allein. Die Behörden gehen davon aus, dass niemand anders vorher von der Tat wusste. Leibacher selbst hatte dies handschriftlich festgehalten. Hinweise, dass er mit seinem Überleben rechnete, lieferten nur eine Waffe und Motorradkleider im Auto sowie ein von ihm gemieteter und am Bahnhof parkierter Roller.

Aufnahmen von Ratsdebatte

Der Verlauf des Attentats konnte mit Hilfe der digitalen Sprachaufzeichnung im Saal belegt werden. Bewaffnet mit zwei Gewehren - einer so genannten Pump-Action und einem Sturmgewehr 90 - sowie einer Pistole, alle legal erworben, betrat Leibacher am 27. September 2001 kurz nach 10.30 das Regierungsgebäude.

90 Schüsse abgegeben

Um 10.32 Uhr fiel der erste Schuss. Vor und im Saal feuerte Leibacher aus den Gewehren rund 90 Schüsse ab, teilweise im Saal umhergehend. Dazwischen zündete er einen selbst hergestellten Brandsatz. Um 10.34 Uhr ertönte der letzte Schuss aus der Pistole. Der blindwütige und tödliche Angriff hatte 2 Minuten und 34 Sekunden gedauert.

Alle Opfer wurden von Kugeln aus den Waffen Leibachers getroffen. Nach dem Amoklauf beging er Selbstmord. "Die Polizei gab keinen Schuss ab, und auch weitere Personen waren an der Tötung Leibachers nicht beteiligt", sagte Untersuchungsrichter Schwyter. "Er hat sich ohne Zweifel selber erschossen."

Täter war zurechnungsfähig

Der Täter wusste, was er tat, er ging strategisch und überlegt vor. Zu diesem Schluss kam ein psychiatrisches Gutachten. Trotz diagnostizierter Persönlichkeitsstörung war Leibacher zum Tatzeitpunkt höchstens in geringem Masse unzurechnungsfähig, hiess im Schlussbericht.

Die Darstellung von Leibachers Leben im Bericht zeigt, dass er öfters mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Seit 1995 hatte er eine 50-prozentige IV-Rente bezogen und war keiner geregelten Arbeit nachgegangen. Auf die Frage nach seinem Auskommen sagte Untersuchungsrichter Schwyter: "Er hat sich mit Mischeln durchs Leben geboxt."

Vermögen von 350'000 Franken

Kurz vor der Tat verschob Leibacher offenbar 350'000 Franken auf eine Bank in Luxemburg. Die Zuger Behörden haben ihre Forderungen zur Entschädigung der Opfer und Hinterbliebenen geltend gemacht. Ansprüche haben allerdings auch die Anwälte von Leibachers Tochter angemeldet. Aus dem Privatkonkurs von Leibacher seien keine Aktiven vorhanden.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Am 27.9.2001 erschoss der Amokschütze Friedrich Leibacher im Zuger Kantonsparlament 14 Personen.

15 weitere wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Nach der Tat tötete er sich selbst.

Leibacher hatte den Anschlag im Voraus minutiös geplant.

Er war trotz einer Persönlichkeitsstörung zurechnungsfähig gewesen.

Sein Motiv war Hass auf die politischen Behörden.

In der Folge wurde in der ganzen Schweiz die Zutrittskontrolle zu vielen öffentlichen Verwaltungen verschärft.

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