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Auch Schweizer Firmen von Kämpfen tangiert

Zerstörte Brücke (in Südlibanon), unterbrochener Nachschub für zivile Güter.

(Keystone)

Die israelischen Angriffe auf Libanon wirken sich auch negativ auf die Geschäfte der Schweizer Unternehmen vor Ort aus.

Mit der Schliessung des Flughafens und der Blockade des Hafens von Beirut sind Transportwege gekappt, während bei den Bombardierungen Strassen, Brücken und andere Infrastruktur zerstört wurden.

Vor zwei Wochen entführte die islamistische libanesische Hisbollah in einem Hinterhalt zwei israelische Soldaten. Seither greift Israel den nördlichen Nachbarn mit schweren Bombardementen vom Boden und aus der Luft an.

Hunderte von Zivilisten sind bisher insgesamt auf libanesischem und israelischem Gebiet umgekommen. In Libanon selber sind rund 700'000 Menschen vor den Zerstörungen auf der Flucht.

Im Land sind auch Schweizer Firmen aktiv, so Credit Suisse, Roche, Holcim, Nestlé, Schindler, Mövenpick und Sika. Die Schweizer Exporte nach Libanon betrugen letztes Jahr rund 300 Mio. Franken, umgekehrt beliefen sich die Einfuhren aus der ehemaligen "Schweiz des Orients" auf 241 Mio. Franken.

Praktisch nichts geht mehr

Glücklicherweise haben die Schweizer Firmen bisher unter ihren direkten Belegschaften keine Opfer zu beklagen. Aber alle Unternehmen mussten ihre Aktivitäten stark einschränken oder gar einstellen.

So schloss der Pharma-Konzern Roche in Beirut ein Laboratorium, weil es dort für die Angestellten zu gefährlich wurde. "Stattdessen halfen diese bei der Verteilung von überlebenswichtigen Medikamenten", sagte Roche-Sprecher Daniel Piller gegenüber swissinfo. Sie hätten ferner auch Hilfspersonal instruiert.

Nur noch offen unterwegs

Bei Nestle, die vor Ort das Mineralwasser Sohat herstellt, ist die landesweite Geschäftstätigkeit um die Hälfte eingebrochen. Importe seien wegen der Seeblockade kaum mehr möglich, sagte Konzernsprecher Francois Perroud.

Geschlossene Lastwagen liefen Gefahr, von der israelischen Luftwaffe bombardiert zu werden. Deshalb müssten Kunden die Waren bei Nestle mit offenen Lastwagen abholen, sagte Perroud. Rund 180 der 500 Nestle-Angestellten im Libanon seien evakuiert worden.

Auch der Zementkonzern Holcim stellte die Lastwagentransporte ein und schloss seine Depots sowie die Transportbeton-Zentrale in Beirut. Das Zementwerk in Tripoli im Norden des Landes laufe indes noch, wie Holcim-Sprecher Roland Walker sagte.

"Wir produzieren einfach weiter. Aber irgendeinmal ist das Silo voll", bemerkte er. In der Fabrik arbeiten rund 150 Leute. Ausländer habe man abgezogen.

Prinzip Hoffnung

Gar nichts mehr geht beim Bauchemie- und Klebstoffhersteller Sika. "Unser Werk in Beirut mit zehn Mitarbeitern ist seit letzter Woche geschlossen. Es ist zu gefährlich, auf die Strasse zu gehen", sagte Sika-Sprecher Alfred Spieser.

Auch die Credit Suisse (CS) hat ihre Niederlassung in Beirut vorübergehend geschlossen. Die Angestellten seien mit ihren Angehörigen aus dem Land ausgereist, wie CS-Sprecherin Monika Sasse angab. Bei einer Beruhigung der Lage wolle die Bank ihre Geschäftstätigkeit im Libanon aber so schnell als möglich wieder aufnehmen.

Exportrisiko

Einige der betroffenen Unternehmen können ihre Verluste via Exportrisiko-Garantie (ERG) auffangen. Der Schweizer Staat schuf 1934 dieses Instrument mit dem Ziel, die Schweizer Exportwirtschaft zu fördern. Und das gerade im Handel mit Ländern, in denen keine stabilen politischen oder ökonomischen Bedingungen herrschen.

In Libanon deckt die ERG Risiken von total 44,8 Mio. Franken ab. Wegen der Kämpfe rechnet man deshalb mit mehreren Forderungen.

"Wir sind aber nicht sehr beunruhigt", sagte ERG-Chef Christoph Sievers. Die Abdeckung in Libanon falle im Vergleich mit den weltweit eingegangenen Verpflichtungen von 8,5 Mrd. Franken nicht so stark ins Gewicht.

swissinfo, Matthew Allen und Agenturen

In Kürze

Bis vor zwei Wochen war Libanon daran gewesen, seine Wirtschaft nach dem 14-jährigen Bürgerkrieg von 1989 wieder in Schwung zu bringen.

Der grösste Teil der Schweizer Exporte nach Libanon sind Industrie-Chemikalien, Präzisionstechnik sowie Uhren und Schmuck.

Seit 2001 ist ein Investitions-Schutzabkommen zwischen den beiden Ländern in Kraft.

Libanon hat 2004 zudem mit der EFTA - zu der auch die Schweiz gehört - ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Ein solches hat Libanon auch mit der Europäischen Union abgeschlossen.

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