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Auch Schweizer präg(t)en den "American Way of Life"

(swissinfo.ch)

Seit Ende Juli ist im Immigrations-Museum auf Ellis Island im Hafenbecken von New York eine Ausstellung zur Schweizer Einwanderung in die USA zu sehen.

Die Schau mit dem Titel "Kleine Zahl – Grosse Wirkung" stellt die Geschichte der Schweizer Auswanderung in die USA am Beispiel ausgewählter Persönlichkeiten dar.

Mehrere Hunderttausend Menschen sind seit dem frühen 18. Jahrhundert aus der Schweiz nach Amerika ausgewandert. Ein Grossteil verliess die Schweiz aus wirtschaftlichen Gründen – und viele fanden auch in Amerika nur schwer ein Auskommen.

Einige aber hatten Erfolg. Sie oder ihre Nachfahren entwickelten sich zu Persönlichkeiten, die das wirtschaftliche, das kulturelle aber auch das politische Leben in den USA präg(t)en.

25 Persönlichkeiten

Die Ausstellung zeigt anhand von 25 Persönlichkeiten, dass Immigranten einen bereichernden Einfluss auf ihre neue Heimat haben können.

Im Zentrum der Ausstellung steht also nicht das Schicksal des Gros der Schweizer Auswanderer. Wer sich die Zeit nimmt, kann jedoch Interview-Auszüge von Emigranten anhören, die über ihre Reise und das nicht immer einfache Leben berichten, das darauf folgte.

Kurator der Ausstellung ist Markus Hodel vom Verein Migrationsmuseum Schweiz. Alles begann mit einem Besuch Hodels im Immigrations-Museum auf Ellis Island. Aus seinen Kontakten mit Museums-Verantwortlichen ergab sich schliesslich die Ausstellung, die noch bis Ende Oktober zu sehen ist.

Mehr Einfluss als bekannt

Der Titel "Small Number – Big Impact" tönt eher untypisch unbescheiden für Schweizer Verhältnisse. "Ja. Wir hätten den Mut dazu nicht gehabt, nahmen aber den amerikanischen Vorschlag gerne an", räumt Hodel ein.

Der Einfluss der Schweizer Migration in die USA sei aber grösser als allgemein bekannt – und letzteres möchte er ändern.

"Wir möchten dem Durchschnittsamerikaner neue Bilder der Schweiz vermitteln. Wenn das bei einem Teil der Besucher gelingt, haben wir etwas von unserer Botschaft durchgebracht."

Karge Räume

Die Ausstellung befindet sich im dritten Stockwerk des Museums, in den früheren kargen Schlafsälen mit gekachelten Wänden. Einwanderer, welche die Prozedur der Registrierung noch nicht hinter sich hatten, mussten hier die Nächte verbringen, bevor sie amerikanischen Boden betreten durften.

Von der Empore herab gleitet der Blick in die riesige – heute leere – Registrierungs-Halle. Vor dem geistigen Auge sieht man die Reihen der "Erschöpften, Armen und Zusammengepferchten" stehen, um die Worte an der Freiheits-Statue im Hafenbecken von New York zu gebrauchen.

An diesem Samstag im August finden recht viele Leute den Weg durch die Ausstellung. "Man hört ja sonst nicht viel über die Schweiz hier", sagt ein Besucher, der in der Eingangshalle den Hinweis auf die Sonder-Ausstellung gesehen hatte.

Verbindungen zur Schweiz hat er keine, seine Vorfahren stammen aus England. "Dass Steve Ballmer (Microsoft) Schweizer Wurzeln hat, wusste ich nicht. Auch nicht, dass hinter der George-Washington-Brücke ein Schweizer steckt." Er sprach von Othmar H. Ammann.

Attraktive Gitarren und Autos

Der Raum, in dessen Zentrum der Schweizer Einfluss auf die Welt der Musik steht, lädt viele zum Verweilen ein. Porträtiert wird hier Adolph Rickenbacher (respektive Rickenbacker).

Er war der Mit-Erfinder der elektrischen Gitarre, die in den darauf folgenden Jahrzehnten die Musikwelt revolutionieren sollte. 1931 gründete Rickenbacher zusammen mit George Beauchamp die erste Produktionsfirma für elektrische Gitarren. Weltweit bekannt wurden die "Rickenbacker"-Gitarren spätestens mit den Beatles.

Ein weiterer Schweizer Musiker mit Einfluss ist der 1949 in Bern geborene Walter Liniger. Er ist heute Blues-Dozent und hat als einer der ersten Weisser in Mississippi mit einem Schwarzen zusammen gespielt.

Für recht viel Echo sorgt die Vitrine zu Louis Chevrolet, dem Autokonstrukteur. Noch heute ist der "Chevy" in Amerika ein Begriff, die Schweizer Wurzeln des Mannes hinter dem Auto (bisher) hingegen nicht.

Gallatin, Forster, Guggenheim

Im Raum mit Albert Gallatin, dem Finanzminister, der mit Napoleon den Kauf des damaligen Louisiana durch Amerika aushandelte, bleiben hingegen nur wenige stehen.

Der Saal, der sich dem Schweizer Einfluss auf die Kultur widmet, stösst auf mehr Interesse. Vielleicht, weil hier ein Mann von heute im Zentrum steht, der Hollywood-Regisseur Marc Forster? Oder weil man auf die Schauspielerin René Zellweger stösst?

Deutlich weniger bekannt, dies lässt sich aus den Reaktionen schliessen, sind die Schweizer Wurzeln der Kunstmäzenen-Familie Guggenheim.

Salomo Guggenheim und Rachel Weil Meyer, verwitwete Juden, durften Mitte des 19. Jahrhundert in der Schweiz nicht heiraten. Darauf emigrierten sie mit ihren Kindern aus Lengnau nach Amerika. Auch eine Schweizer Geschichte.

swissinfo, Rita Emch, New York

Fakten

Konzipiert wurde die Ausstellung "Small Number - Big Impact", die zur diesjährigen Initiative "swiss roots" von Präsenz Schweiz in den USA gehört, vom Verein Migrationsmuseum Schweiz.

Der Verein will in der Schweiz eine Institution zum Thema "Migrationsland Schweiz" einrichten.

Die Ausstellung auf Ellis Island ist bis zum 31. Oktober 2006 zu sehen. Ab Ende März bis September 2007 wird sie - etwas erweitert - im Landesmuseum in Zürich gezeigt.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband in deutscher und in englischer Sprache: Small Number - Big Impact. Schweizer Auswanderung in die USA. Verlag NZZ, 2006. 68 Franken.

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In Kürze

Ellis Island ist eine Insel vor der Südspitze Manhattans (New York). Ab 1892 bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war Ellis Island ein Eingangstor für Migranten, die in der Neuen Welt Zuflucht oder ein besseres Leben suchten.

In dieser Zeit wurden hier rund 12 Millionen Menschen, vor allem aus Europa, registriert und medizinisch untersucht, bevor sie amerikanischen Boden betreten durften.

Unter ihnen waren rund 100'000 Männer, Frauen und Kinder, die oft aus wirtschaftlicher Not heraus die Schweiz verlassen mussten.

Seit 1990 ist Ellis Island ein Museum zur Geschichte der Immigration nach Amerika.

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