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Auf Wiedersehen, Afrika

Das WSF in Nairobi ermöglichte den Afrikanern eine Plattform für den Dialog.

(swissinfo.ch)

Das 7. Weltsozialforum in Nairobi ist am Donnerstag zu Ende gegangen. Über 50'000 Personen haben während fünf Tagen an Seminaren, Debatten und Anlässen teilgenommen.

Das Forum diente der afrikanischen Zivilgesellschaft als wichtige Plattform, um sich zu erklären. Es mangelt indessen nicht an Kritiken an der Organisation.

"Dieser Anlass in Afrika war sicher das internationalste aller Foren", versichert Hans Schäppi, Präsident von Solifonds, dem Solidaritätsfonds der Schweizer Gewerkschaften.

Zehn Kilometer vom Zentrum Nairobis entfernt, im Kasarani-Stadion, haben sich zahlreiche afrikanische Delegierte mit Leuten aus Europa, Nord- und Lateinamerika sowie Asien getroffen.

Die Afrikaner waren an den vergangenen Foren, den weltweit wichtigsten Treffen von Nichtregierungs-Organisationen (NGO), bisher wenig vertreten gewesen.

Raum für den afrikanischen Dialog

Aus dieser Sicht dürften die Erwartungen im Vorfeld des Weltsozialforums (WSF) bestätigt worden sein. "Der Anlass in Nairobi hat den Afrikanern einen Raum für den Dialog gebracht", sagt Jean Rossiaud.

Der Soziologe und grüne Abgeordnete aus Genf meint: "Die Resultate werden wir später sehen. Eigentlich passieren die wirklich wichtigen Dinge in der Zeit zwischen den Foren."

In Hunderten von Konferenzen und Seminaren konnten die Vertreter der afrikanischen Zivilgesellschaft ihre Probleme und Projekte zur Sprache bringen und sie mit den Erfahrungen Gleichgesinnter in anderen Teilen der Welt vergleichen.

Gleichzeitig erlaubte der Anlass den Delegierten aus anderen Erdteilen, einen privilegierten Blick auf die Basis der afrikanischen Gesellschaften zu werfen.

"Allein der Umstand, dass das Forum in Afrika zu Stande kam, ist bereits ein Erfolg", versichert Sergio Ferrari, bis 2001 Organisator der Schweizer Delegation für E-Changer des WSF. "Welche andere Organisation hätte den Mut, mit einem Anlass solcher Dimensionen in den ärmsten Kontinent zu kommen?"

Inhaltliche und organisatorische Grenzen

Relativ wenig vertreten war die kenianische Zivilgesellschaft. Das dürfte wohl einer der Gründe gewesen sein, weshalb viele Sitzplätze innerhalb der WSF-Räume leer blieben.

Die von den Organisatoren im Vorfeld des Anlasses genannte Summe von 150'000 Teilnehmenden zeigt sich deshalb als etwas zu hoch gegriffen.

Da und dort tauchten auch Kritiken an der grossen Anzahl der Seminare und an der Qualität der Debatten auf. Beate Wilhelm, Vizedirektorin der Direktion für Zusammenarbeit und Entwicklung (DEZA), sagte in Nairobi, sie hätte sich vom Forum innovativere und kontroversere Ideen aus den Reihen der Teilnehmenden versprochen.

Trotz allem Verständnis rund um das Thema der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit wäre es jetzt an der Zeit, so Wilhelm, an mögliche Lösungen zu denken.

Der Anlass zeigte ausserdem gewisse Schwierigkeiten im Umgang mit dem Zugang zu den Medien. Der Kommunikationsverantwortliche Roberto Savio hat im Magazin des Forums, "Terraviva", zugegeben, dass das WSF den Medien und dem grossen Kreis der Sympathisanten ungenügend Informationen liefert.

Neue Dynamik in der Mobilisierung

"Man darf nicht vergessen, dass das WSF noch relativ jung ist", bemerkt Jean Rossiaud. "So ein Prozess braucht Zeit." Es genüge, im Vergleich dazu an die Arbeiterbewegung zu denken. Doch heute lebe man in einer Welt des Sofortigen, viele erwarten sofort Resultate.

"Meiner Ansicht nach besteht die grosse Neuigkeit dieses Forums in Kenia in der starken Präsenz der Gewerkschaften", sagt Ferrari. "Die Arbeitnehmenden-Verbände haben sich in diesen Raum vorgewagt, sich mit den NGO und Linksparteien verbündet und die Kampagne für die menschenwürdige Arbeit lanciert."

Sowohl für Ferrari als auch für Rossiaud zeigt sich das Positive des Forums in der Lancierung dieser Kampagne, und zwar international koordiniert. Neben dieser gewerkschaftlichen Kampagne wäre auch jene der Bauernorganisation "Via Campesina" für eine Agrarreform zu erwähnen.

swissinfo, Andrea Tognina, Nairobi
(Übertragen aus dem Italienischen: Alexander Künzle)

Zukunft des WSF

Das Weltsozialforum fand erstmals 2001 in Porto Alegre in Brasilien statt. In Nairobi fand nun das siebte statt.

Nun ist jedoch eine Pause vorgesehen. Für 2008 ist kein zentralisierter Anlass vorgesehen.

Die antiglobalistischen Bewegungen seien jedoch aufgefordert, weiterhin Anlässe wie jene in und um das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos zu organisieren.

2009 wird das WSF wieder tagen, noch ist offen, wo.

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Schweizer Leiter für TJN

Die Entstehung des "Netzwerks für gerechte Steuern" (TJN) ist direkt mit dem WSF verbunden.

Entstanden am Europäischen WSF 2002, erhielt das Netz 2003 in Porto Alegre die Zustimmung zahlreicher nordamerikanischer NGO.

In Nairobi hat TJN nun einen afrikanischen Ableger einrichten können. Und der Schweizer Bruno Gurtner ist zu seinem Leiter ernannt worden.

Unter den in Nairobi vom TJN angesprochenen Themen sticht dasjenige der Korruption heraus.

"Die Länder des Nordens sind mitschuldig an der Korruption in Afrika und im Süden", sagt Gurtner.

"Bankgeheimnis und Fiskalparadiese erleichtern die Flucht des Kapitals aus Entwicklungsländern."

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