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FRANKFURT (awp international) - Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte an diesem Donnerstag (9. Juni) ein starkes Signal für eine Zinserhöhung im Juli geben. Es wäre die zweite Erhöhung des Leitzinses nach der Finanzkrise, nachdem die Notenbank im April die Zinswende eingeleitet und im Mai pausiert hatte. Ein Zinsschritt bereits im Juni gilt unter Bankvolkswirten jedoch als nahezu ausgeschlossen, da die Notenbank Zinsschritte für gewöhnlich verbal vorbereitet. Dementsprechend rechnen alle von dpa-AFX befragten Experten mit einem unveränderten Zinsniveau von 1,25 Prozent im Juni.
Aller Voraussicht nach wird EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Zinssitzung am Donnerstag von "hoher Wachsamkeit" sprechen und damit eine weitere Zinserhöhung im Juli andeuten. Anlass hierfür dürften auch die neuen Projektionen des Mitarbeiterstabs geben, die dem EZB-Rat vorliegen werden. Experten erwarten zumeist eine Anhebung der Wachstums- und Inflationsprognose. Beides würde für eine weitere Straffung der Geldpolitik sprechen.
Dass die zuletzt wieder aufgeflammte Schuldenkrise die EZB von ihrem Straffungskurs abhält, gilt unterdessen als unwahrscheinlich. So hatten ranghohe Notenbankvertreter bis zuletzt betont, dass etwaige Krisenmassnahmen unabhängig von der Zinspolitik der Notenbank zu sehen seien. Mithin spricht der immer noch erhöhte Inflationsdruck im Währungsraum für weitere Zinsanhebungen im laufenden Jahr. Im Allgemeinen erwarten EZB-Beobachter eine Zinserhöhung pro Quartal um je 0,25 Punkte. Damit würde der Leitzins bis zum Jahresende auf 1,75 Prozent steigen.
Eine fortgesetzte Abkehr der EZB von ihren Krisenmassnahmen erwarten Experten unterdessen noch nicht. So dürfte die Notenbank ihre sogenannte "Vollzuteilung" in den Refinanzierungsgeschäften mit wöchentlicher und monatlicher Laufzeit beibehalten. Diese Massnahme, die die Notenbank in der Finanzkrise ergriffen hatte, erlaubt den Geschäftsbanken faktisch eine unbegrenzte Refinanzierung zum Leitzins. Ursprünglich wollte die EZB diese Massnahmen viel früher auslaufen lassen. Wegen der Schuldenkrise wurde der sogenannte "Exit" aber aufgeschoben./bgf/jsl/wiz

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