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Avanti: Nur Regierung will den Tunnel

Häufig gehörte Meldung: Stau auf der A2 zwischen Quinto und Airolo

(Keystone)

Mehr Sicherheit oder mehr Verkehr auf den Strassen? Der zweite Gotthard-Strassentunnel, Teil des Avanti-Gegenvorschlags, erhitzt die Gemüter auf der Alpensüdseite.

Einerseits wird eine neue Schwerverkehrs-Lawine befürchtet; auf der anderen Seite erhoffen sich die Befürworter mehr Sicherheit.

Der von Regierung und Industrie unterstützte milliardenteure Gegenvorschlag zur "Avanti"-Initiative, der am 8. Februar zur Abstimmung kommt, verspricht die Lösung der Verkehrsprobleme im Tessin. Doch viele Tessiner wollen das nicht recht glauben.

Eher Nein zur zweiten Röhre

Die Aussicht auf einen zweiten Strassentunnel durch das Gotthard-Massiv provoziert im Tal eine regelrechte Abwehrhaltung mit teils heftigen Reaktionen. Im Tessin, einer der wichtigen Nord-Süd-Achsen in Europa, hat der Verkehr in den letzten Jahren stetig zugenommen. Oft staut er sich kilometerlang.

Die Nein-Front im Süden der Alpen scheint entlang der Verkehrsachse Basel-Chiasso zu verlaufen. Viele betroffene Gemeinden an der Autobahn A2 sind dagegen, ausser Airolo, das Dorf gleich neben dem Gotthard-Südportal.

Diese Gemeinde hat die Tragödie von 2001 hautnah miterlebt. Damals waren 11 Menschen in der Feuerhölle umgekommen, nachdem ein Lastwagen einen Unfall im Tunnel provoziert hatte. Airolo ist daher aus Sicherheitsgründen für eine zweite Röhre.

Nicht die Sicherheit sei ausschlaggebend, meint Romano Rossi, Gemeindepräsident von Giornico. Sein Dorf würde eher von der Tatsache profitieren, dass es mit einer zweiten Röhre zu weniger Staus kommen werde.

Trotzdem: "Ich sage Nein, weil ich mich mit den anderen Dörfern solidarisiere. Die Staus werden sich nur in andere Regionen verschieben, hauptsächlich in die Gegend vor der Italienischen Grenze, wo es noch einige Engpässe hat."

Dieser Meinung ist auch der freisinnige Claudio Moro, Gemeindepräsident der Grenzstadt Chiasso: "Durch die Stau-Verlagerung des privaten und des Schwerverkehrs in den Süden wird die Sicherheit nicht erhöht."

"Einladung an den Schwerverkehr"

Rossi ist der Meinung, dass das Verkehrsproblem auf europäischer Ebene diskutiert werden sollte. Doch: "Der politische Wille fehlt."

So sei eine zweite Röhre eine Einladung an den Schwerverkehr, und sie torpediere das Ziel der Neuen Eisenbahn-Alpen-Transversale (NEAT). Diese soll ab 2020 den gesamten Transit-Schwerverkehr auf der Schiene durch die Schweiz transportieren.

"Falls die zweite Autobahn-Röhre gebaut wird, werden wir zur Hauptachse im Nord-Süd-Verkehr durch Europa", unterstreicht Rossi, "und dann können wir die Umlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene vergessen."

"Das wäre der schlimmste Albtraum für einen Umweltschützer", betont Francesco Maggi, Verantwortlicher des WWF für die italienische Schweiz. Er befürchtet, dass die 30 Milliarden Franken in Zement und Beton verschwinden werden.

Zur Unterstützung des Ja

Die Meinung dieser Gegner steht im Kontrast zur offiziellen Haltung des Kantons Tessin: Im Jahr 2000 befand der Staatsrat, dass der Bau einer zweiten Röhre durch den Gotthard die einzige Lösung des chronischen Verkehrsproblems sei.

Diese Stossrichtung als prioritär eingestuft haben hauptsächlich Planungsdirektor Marco Borradori (rechtsbürgerliche LEGA) und Finanzdirektorin Marina Masoni (FDP), die in einem Bau der zweiten Röhre diverse Vorteile für Industrie, Wirtschaft und Tourismus sehen.

An ihrer Seite kämpfen auch das Ja-Komitee "Mobilität nach Mass", dem viele wichtige Politiker angehören, und die Tessiner Industrie-Vereinigung.

Sie sehen in einer Verdoppelung des Strassentunnels – die neben anderen Bauten innert 20 Jahren fertiggestellt sein soll – "ein wichtiges Werk für die regionale, aber auch für die nationale und internationale Wirtschaft. Es wird zu einem besseren Verkehrsfluss führen und den wirtschaftlichen Austausch verbessern."

Zahlenspiele

Das Nein-Komitee ist überzeugt, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 8. Februar ein klares Nein in die Urne legen werden: 30 Milliarden Franken für Strassenbauten seien in der Tat ein übertriebener Preis in diesen wirtschaftlich schlechten Zeiten. Diese würden bei anderen wichtigen Aufgaben des Staates – wie beispielsweise die Sozialwerke – fehlen.

Jedoch: 30 Milliarden Franken in Strassenbauten investiert würden viele Arbeitsplätze schaffen, unterstreichen die Wirtschaft und einige Gemeindepräsidenten.

"Unser Problem? Die unmöglichen Lösungen, wie die Comicfigur Charlie Brown es nennen würde. Ich warte gespannt auf diesen Urnengang", schliesst der "Sindaco" von Giornico, Romano Rossi.

swissinfo, Maddalena Guareschi, Lugano
(Übertragen aus dem Italienischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Der Gegenentwurf zur "Avanti-Initiative" will die Schweizer Regierung beauftragen, dem Parlament innert eines Jahres ein umfassendes verkehrspolitisches Programm vorzulegen:

Das 1960 geplante Nationalstrassennetz soll fertig ausgebaut, zentrale Engpässe sollen gezielt behoben werden.

Der Bau eines zweiten Strassentunnels durch den Gotthard soll ermöglicht werden.

Der Agglomerations-Verkehr soll in allen Mobilitätsformen verbessert werden.

Zusätzlich soll das bestehende Nacht- und Sonntagsfahrverbot für Lastwagen in der Verfassung verankert werden.

Die Kosten für diese verschiedenen Massnahmen sollen durch einen neuen Infrastrukturfonds finanziert werden.

Die Gegner kritisieren am Paket die Lockerung des Alpenschutzes, einen einseitigen Ausbau der Strassen und die Kosten.

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