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Balanceakt für neuen Chef der Business-Schule IMD

Der kommende IMD-Chef freut sich auf die Zukunft.

(swissinfo.ch)

Um ihren Erfolg zu sichern, muss die renommierte Lausanner Kaderschmiede IMD ihre Innovationsfähigkeit erhalten und erstklassiges Personal anziehen. Dies erklärt ihr künftiger Präsident.

Das Internationale Institut für Management-Entwicklung könne seine globale Präsenz stärken, müsse aber darauf achten, sich nicht zu übernehmen, sagt John Wells im Gespräch mit swissinfo.

Wells tritt sein Amt im nächsten Frühling an. Der in Grossbritannien geborene Wells ist zur Zeit Professor für Unternehmensführung an der Harvard Business School. Er löst Peter Lorange ab, der nach fast 15 Jahren an der Spitze des Instituts in den Ruhestand tritt.

swissinfo: Sie verlassen die Harvard Business School für eine Stelle bei einer Institution, die als eine Hauptrivalin von Harvard gilt. Was hat Sie bewogen, nach Lausanne zu wechseln?

John Wells: Hauptsächlich, weil ich damit die Gelegenheit erhalte, all das zu tun, was ich liebe. Ich geniesse das akademische Leben, das Forschen und Lehren, gemeinsam mit Kollegen neue Ideen zu erarbeiten.

Ich führe aber auch gerne selber Unternehmen, beteilige mich an deren Aufbau und Entwicklung. Die Stelle als IMD-Präsident ermöglicht mir, beides zu tun.

swissinfo: Die Financial Times setzte das MBA-Programm des IMD in diesem Jahr auf Platz eins ihres weltweiten Rankings. Was braucht es Ihrer Meinung nach, um diesen Spitzenplatz zu halten?

J.W.: Was mich beim MBA-Programm des IMD beeindruckt, ist, wie innovativ es daherkommt im Vergleich zu anderen MBA-Programmen.

Ich denke, das IMD dürfte so lange an der Spitze mitspielen können, wie es innovativ bleibt und weiter hochrelevante Programme anbietet, mit denen die Absolventen für die Firmen, die sie anstellen, noch wertvoller werden.

swissinfo: Sie haben gesagt, die Nachfrage übersteige das Angebot des IMD und die Institution müsse in Zukunft ein paar klare Entscheide fällen. Wo liegen ihrer Ansicht nach die Prioritäten?

J.W.: Eine grosse Herausforderung ist die Tatsache, dass sich in den nächsten Jahren einige der älteren Lehrkräfte vom IMD zurückziehen werden. Das ist ein Problem, das viele Top-Schulen im Business-Bereich haben, das IMD ist da keine Ausnahme.

Dann geht es um die verschiedenen Themen, mit denen sich das IMD befasst: Globalisierung, Führungsverhaltung, Geschäftsabwicklung und anderes mehr.

Das sind alles Themen, die für Unternehmen sehr wichtig sind, und die Nachfrage nach IMD-Angeboten ist sehr gross. Ich mag den Mix, den das Institut heute anbietet.

Um sicher zu stellen, dass wir nicht zuviel anbieten und auch die hohe Qualität halten können, müssen wir vorsichtig abwägen, womit wir uns befassen und was wir allenfalls sein lassen, so dass sich unsere Fakultät nicht zu sehr verzettelt.

swissinfo: Das IMD hat in China, in Shanghai, ein Forschungszentrum eröffnet. Eine ähnliche Einrichtung soll in Mumbai in Indien entstehen. Sind dies Zeichen einer Strategie, die Marke IMD global zu vermarkten?

J.W.: Die Marke IMD ist globaler geworden. In der Vergangenheit drückte sich das dadurch aus, Leute aus aller Welt nach Lausanne zu bringen, den Ort als globalen Treffpunkt zu nutzen.

Grosse globale Kunden bringen aber immer mehr ihren Wunsch zum Ausdruck, dass unsere Dienste auch anderswo direkt angeboten werden. Ich denke daher, dass es uns nützt, wenn wir mit unseren Ressourcen in verschiedenen Weltgegenden präsent sind.

swissinfo: Die Schweizer Wirtschaftsministerin Doris Leuthard forderte jüngst mehr Frauen in den Chefetagen von Unternehmen. Beim IMD gibt es zur Zeit unter den 60 Lehrkräften nur gerade vier Frauen. Planen Sie, das zu ändern?

J.W.: Ich sähe es gerne, wenn das Profil unserer Fakultät noch mehr dem Profil der globalen Gemeinschaft entsprechen würde, an die wir uns wenden. Es geht also über die Frauenfrage hinaus: Um eine Fakultät, zu der Mitglieder aus verschiedenen Ländern der ganzen Welt gehören. Zum Beispiel haben wir, soviel ich weiss, zur Zeit nur wenig Lehrkräfte aus Afrika. Wir stehen also vor einer breiter gefassten Frage.

swissinfo: Die hohen Saläre von Topmanagern sind in der letzten Zeit von Gewerkschaften in der Schweiz immer schärfer ins Visier genommen und kritisiert worden. Wie stehen Sie, selber ein ehemaliger Topmanager, dem Ruf nach einer Begrenzung von Salären gegenüber?

J.W.: Ich begrüsse es, wenn Aktionäre sich vermehrt dafür interessieren, wie die Spitzenkräfte entlöhnt werden. Denn schlussendlich sind sie es, die entscheiden, wie viel einem Topmanager bezahlt wird.

Es gab sicher einige Saläre, die den Rahmen sprengten. Aktionäre hatten zu wenig Druck ausgeübt, um sicher zu stellen, dass Topmanager auch ihr Geld wert waren.

swissinfo: Sie sehen die Schweiz als ein multikulturelles Land, als einen Ort, der eine offene Atmosphäre für Debatten begünstigt. Waren Sie überrascht von der teils heftig geführten Kampagnen für die Wahlen vom Oktober?

J.W.: Ich habe verschiedene Poster gesehen, die mich enttäuschten, weil sie nicht den normalen Gepflogenheiten der Schweiz entsprechen.

Auf der andern Seite stellt sich die Frage, soll man solche Dinge unterdrücken? Ich denke nicht, denn es gehört zum Recht auf Redefreiheit. Ich bin aber auch der Meinung, diese Entwicklung sei bedauernswert.

Was ich an der Schweiz schätze ist, dass man hier Konferenzen abhalten und dazu Leute aus aller Welt willkommen heissen kann. Das ermöglicht ausgewogene Diskussionen zu weit gefächerten Themen mit Menschen aus der ganzen Welt. Das ist eine wunderbare Qualität der Schweiz.

swissinfo-interview: Adam Beaumont
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)

Fakten

John Wells war 1986 Mitbegründer der Management-Konsultations-Firma Monitor Company. Bis 1993 leitete er die Europa-Abteilung der Firma.

Danach war er in leitender Funktion bei Pepsi Cola und Thompson Travel tätig, bevor er 2002 Professor an der Harvard Business School wurde.

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IMD WIRTSCHAFTS-FACHSCHULE

Das Lausanner Institut für Management-Entwicklung (IMD) ist eine der führenden Wirtschafts-Fachschulen der Welt.

Die Schule ging 1990 aus der Fusion von zwei zuvor unabhängigen Institutionen hervor: IMI, 1946 von Alcan in Genf gegründet, sowie IMEDE, 1957 in Lausanne von Nestlé gegründet.

Pro Jahr nehmen rund 8000 leitende Fachkräfte aus mehr als 98 Ländern an einem von über 20 offenen Management-Entwicklungs-Kursen teil (inkl. MBA- und EMBA). Ein Grossteil der Absolventen kommt aus globalen Konzernen.

Pro Jahr machen zirka 90 Studierende aus zahlreichen Nationen ihren MBA-Abschluss. Das Programm dauert 11 Monate.

Die Financial Times setzte die Exekutiv-Management-Ausbildungs-Programme des IMD in ihrem Ranking 2007 auf Platz 1 ausserhalb der USA und auf Platz 3 weltweit.

Das MBA-Programm des IMD war 2007 im "Ranking of Rankings" der Financial Times, einer kombinierten Liste aus den MBA-Rankings von Business Week, The Economist, Financial Times, Forbes und The Wall Street Journal, auf Platz 1 in Europa und weltweit.

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