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Basler Theater-Direktor mit Stasi-Vergangenheit

Von der Vergangenheit eingeholt: Nachdenklicher Michael Schindhelm vor seinem Theater in Basel.

(Keystone)

Der aus der ehemaligen DDR stammende Basler Theaterdirektor Michael Schindhelm hat eine Stasi-Vergangenheit. Er sei als Student in der Sowjetunion von der Stasi erpresst und zur Mitarbeit gezwungen worden, gab Schindhelm bekannt.

Michael Schindhelm, seit 1996 Theaterdirektor in Basel, hat sich gut zehn Jahre nach der Wende als ehemaliger Stasi- Mitarbeiter bekannt. In einer langen Stellungnahme, die am Donnerstag (11.01.) in der "Zeit" und der "Basler Zeitung" abgedruckt ist, stellt Schindhelm sich als Opfer dar. Er sei am Ende seines Studiums im russischen Woronesch 1984 von der Stasi erpresst und zur Mitarbeit gezwungen worden.

Kritiker monieren sein langes Schweigen. "Ich habe keinen Grund, mir etwas vorzuwerfen", sagte Schindhelm (40) in einem Gespräch. Er habe seine Freunde nicht denunziert, sondern sie vielmehr unter persönlicher Gefahr über die Erpressung informiert.

Dem Theatermann, der 1999 vorübergehend als Nachfolger von Götz Friedrich als Generalintendant der deutschen Oper Berlin im Gespräch war, bläst in Basel der Wind ins Gesicht. Neben der Stasi-Diskussion sieht sich das Theater auch mit einem Zuschauerschwund konfrontiert.

Nach dem sehr erfolgreichen Jahr 1999, als Basel zum "Theater des Jahres" gewählt wurde, beträgt die Auslastung nur noch 50 Prozent. Bei einer Podiumsveranstaltung unter dem provokativen Titel "Da geh ich nicht mehr hin" monierte der einflussreiche Publizist Markus Kutter kürzlich den "mauvais gout", den schlechten Geschmack.

Verwaltungsratspräsident von Wartburg steht hinter Schindhelm

Nach der Veröffentlichung der Stasi-Vergangenheit von Michael Schindhelm stellt sich Verwaltungsratspräsident Walter P. von Wartburg am Donnerstag hinter den Basler Theaterdirektor. "Nach meinem Wissen und meiner Überzeugung ist Michael Schindhelm ein Opfer und kein Täter", sagte der Verwaltungsratspräsident der Theatergenossenschaft von Wartburg auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Schindhelm hatte von Wartburg bereits 1996 zum Zeitpunkt seiner Einstellung als neuer Theaterdirektor über seine früheren Stasikontakte informiert. Einsicht in Schindhelms Stasiakte bei der Gauck-Behörde, der Verwalterin des Stasi-Archivs, sei zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht möglich gewesen.

Schindhelm, der sich in Russland zum Quantenchemiker ausbilden liess, hatte seinen lukrativen Posten bei der Akademie der Wissenschaften in Berlin 1986 aufgegeben, um die Stasi abzuschütteln.

Kritik am Verhalten Schindhelms

Die Kritiker werfen Schindhelm vor, sich erst geäussert zu haben, als klar wurde, dass Journalisten sich für die die umfangreiche Akte bei der Gauck-Behörde zu interessieren begannen. Schindhelm rechtfertigt sich mit dem Hinweis, er habe selbst erst vor wenigen Tagen die letzten Teile der Akte zu Gesicht bekommen.

"Ohne Akten nachzuweisen, dass ich nichts getan habe, wäre schwierig gewesen", sagt er. "Dann wären die Spekulationen über meine Tätigkeit ins Kraut geschossen." Die lange Erklärung Schindhelms über seine Stasi-Vergangenheit zerpflückte am Donnerstag die "Basler Zeitung". "Mit keinem Wort redet Schindhelm davon, dass es ihm viele Jahre lang sehr wohl geglückt ist, von dem, worüber er jetzt - weil er muss - sehr gründlich redet, sehr gründlich zu schweigen", kommentierte der Kritiker Urs Allermann. "Wir dürfen mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass der Basler Theaterdirektor nicht Basler Theaterdirektor geworden wäre, wenn er sich als Ex-IM Manfred Weih vorgestellt hätte", legt Hans-Joachim Müller nach.

Schindhelm selbst sieht der Diskussion über seine Stasi- Vergangenheit nach eigenen Angaben "mit Gelassenheit" entgegen. "Wie sich das Ganze auf die Ausstrahlung meiner Person auswirkt, wird sich zeigen." Sein Vertrag in Basel läuft bis 2004. An diesem Montag wird sich der Verwaltungsrat des Theaters mit dem Fall befassen - auf seine Initiative hin, wie Schindhelm betont. "Ich gehe davon aus, dass die Verwaltungsratsmitglieder mir die Stange halten", hofft Schindhelm.

swissinfo und Agenturen

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