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Bei den Medien hält die Marktwirtschaft Einzug

"Metropol" gibt es nicht mehr. Der Markt hat entschieden. Der Konkurrenzkampf fordert Opfer, nicht nur bei den Gratisblättern. Medienhäuser sind heute Unternehmen wie andere auch und sie gehorchen den gleichen wirtschaftlichen Gesetzen.

Dieser Inhalt wurde am 13. Februar 2002 - 15:50 publiziert

Überraschend war höchstens der Zeitpunkt. Dass sich auf dem Platz Zürich nicht drei Gratiszeitungen halten könnten, war von Beginn weg klar. Dass nun "Metropol" auf der Strecke geblieben ist, zeichnete sich nach der gescheiterten Expansion in die übrige Deutschschweiz ab.

Werbewirtschaft kennt kein Pardon

Gründe gibt es viele. Entscheidend waren letztlich die Finanzen. Eine Gratiszeitung ist ein kostspieliges Unterfangen, und die Werbewirtschaft kennt kein Pardon.

Wenn die Leserzahlen nicht stimmen, gibt's keine Inserate, wenn's keine Inserate gibt, gibt's kein Geld und ohne Geld kein Marketing und erst recht kein attraktives redaktionelles Produkt. Dann fehlen wieder die Leser und die Abwärtsspirale dreht sich weiter.

Steinchen im Mosaik

Beunruhigend am Verschwinden von "Metropol" ist aber vor allem, dass es sich nur um das letzte Steinchen eines Mosaiks handelt. Ein Mosaik, das ein immer schwärzeres Bild der Medienlandschaft zeichnet.

Im vergangenen Jahr verschwanden Tele24 und TV3 vom Bildschirm. Die Online-Redaktionen wurden gestutzt, wenn nicht gar gestrichen und auch in den Zeitungsredaktionen wurde der Rotstift mehr oder weniger grosszügig angesetzt.

Grosse Medienhäuser haben Probleme, wie zuletzt die Basler Mediengruppe (BMG), welche die Jean Frey AG möglichst rasch loswerden wollte. Und die Börsenkurse der tamedia zeigen seit der Lancierung fast nur nach unten.

Selbst bei der SRG SSR idée suisse muss gespart werden. Eine Auseinandersetzung, die dem Chefredaktor von SF DRS, Filippo Leutenegger, den Kopf gekostet hat. Nach seinem Rausschmiss wurde die Streichung von Sendungen und Stellen bekannt gegeben.

Gesetze des Marktes

Medienunternehmen funktionieren heute wie andere Unternehmen auch. Sie gehorchen den Gesetzen des Marktes. Deshalb ist wohl auch in Zukunft mit einem Konzentrationsprozess zu rechnen. Den Kleinen werden nur die Nischen bleiben.

Darauf müssen sich die Medienmacher einstellen. Ob bei solchen Aussichten die Meinungs- und Pressevielfalt in der Schweiz so ausgeprägt bestehen bleibt, steht auf einem anderen Blatt - vermutlich auf keinem Gratisblatt.

Bernard Maissen (sda)

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