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Beispiellose Solidarität im 2005

Die immensen Schäden des Tsunami führten zu Rekordspenden der Bevölkerung.

(Keystone Archive)

Noch nie wurde in der Schweiz so viel gespendet wie im vergangenen Jahr: Waren es 2004 noch 820 Mio. Franken, stieg die Summe auf 1,34 Mrd. Franken.

Zurückzuführen ist der Spendenrekord auf die Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004 und die Unwetter in der Schweiz im Sommer 2005.

Die Katastrophen führten dazu, dass in der Schweiz ein Fünftel mehr Menschen Geld spendeten als üblich. Der Anteil der Spendenden erreichte einen Wert von 81% der Bevölkerung, wie der am Mittwoch veröffentlichte Spendenmonitor des Forschungsinstituts gfs-zürich zeigt.

Der Spendenmonitor des Forschungsinstituts basiert auf einer repräsentativen Befragung im vergangenen November. Dabei wurden im Auftrag von 27 gemeinnützigen Organisationen 1500 Personen in der Deutsch- und Westschweiz befragt. Die Untersuchung zum Spendeverhalten wird seit 1997 jedes Jahr durchgeführt.

Die durchschnittliche Spendensumme in der Deutschschweiz wuchs von 599 auf 763 Franken pro Kopf und in der Westschweiz von 199 auf 261 Franken.

Mehr als DEZA

"Vor allem die grossen Beträge kamen aus der wirtschaftlich stärkeren Deutschschweiz", erläutert Martin Abele vom Marktforschungsinstitut gfs die grossen regionalen Unterschiede.

Dies ist primär auf die beiden Katastrophen Tsunami und Unwetter Schweiz zurückzuführen, aber nicht nur: "Die Spender und Spenderinnen hatten generell das Gefühl, es gebe mehr Leid in der Welt und sie zeigten sich solidarischer", sagte Martin Abele.

Die über 1,3 Mrd. Franken Spendegelder sind mehr als das jährliche Budget der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Bundes. Die Deza verfügt über ein Budget von rund 1,2 Mrd. Franken pro Jahr

63% mehr Spenden

Gemäss dem Spendenmonitor 2005 stieg das Spendenvolumen um 63% auf zirka 1,34 Mrd. Franken. Die Spenderanteile schnellten in fast allen Bevölkerungsgruppen in die Höhe. Nur Menschen mit tiefer Bildung sollen nicht vermehrt gespendet haben.

Eine grosse Rolle spielte die Medienberichterstattung. Gegenüber dem Vorjahr waren 28% mehr Leute über die Medien auf das Thema Spenden aufmerksam geworden, vor allem auf die Glückskette.

Glückskette koordinierte

Bei all diesen Zahlen spielte die Glückskette eine dominante Rolle - sie legte sowohl in Franken, in Marktanteilen, im Bekanntheitsgrad wie in Glaubwürdigkeit zum Teil massiv zu.

Die Glückskette ist selber kein Hilfswerk, sondern das humanitäre Sammelsystem der Schweizer Medien, angeführt durch die SRG SSR idée suisse. Die operationelle Arbeit führen erfahrene Schweizer Hilfswerke nach genauen Abmachungen aus. Die Glückskette arbeitet heute so mit über 30 Hilfswerken zusammen.

"Ich gehe davon aus, dass die Rekordzahlen 2005 jedoch wieder auf frühere Werte zurückgehen werden", prognostiziert der Marktforscher Abele die mittelfristige Entwicklung der Spenden.

Vom Durchschnitt zum Rekord

Das verheerende Seebeben in Südostasien brachte die Spendentätigkeit der Schweizer Bevölkerung ins Rollen.

Die Katastrophe wirkte sich dann vor allem im Geschäftsjahr 2005 auf die Spenden- und Zahlungsbilanz aus. Die Stiftung verbuchte nach dem Tsunami den Spendenrekord von rund 226 Mio. Franken.

Dieser von der Glückskette gesammelte Betrag stellte die bisher bei weitem erfolgreichste Sammelaktion der Stiftung dar. Das entsprach 32 Franken pro Kopf der Bevölkerung, und ist gemäss Glückskette "ein Weltrekord."

Dann entwickelte sich 2005 zum Katastrophenjahr. Es folgten die Wirbelstürme in Mittel- und Nordamerika. Das Erbeben in Kaschmir oder die Unwetter in der Schweiz.

Die Überschwemmungen im vergangenen Sommer in der Schweiz haben einen Gesamtschaden von 2,6 Mrd. Franken verursacht. Rund 1,34 Mrd. davon machen die versicherten Schäden aus.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Glückskette ist das Sammelsystem der Schweizer Medien für private humanitäre Hilfe.

Sie arbeitet heute mit über 30 Hilfswerken zusammen. Diese führen – nach genauen Abmachungen - die operationelle Hilfs-Arbeit aus.

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ist die Agentur für internationale Kooperation des Bundes und ist dem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) unterstellt.

Die DEZA ist auf allen fünf Kontinenten vertreten und führt in zahlreichen Ländern oder Regionen des Südens und Osteuropas Entwicklungs-Projekte durch.

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Fakten

Die Schweizer Bevölkerung spendete 2005 für humanitäre Hilfe rund 1,34 Mrd. Franken
Die offizielle Schweiz gab 2005 2,2 Mrd. Fr. für Hilfe und Entwicklung aus.
Dies entspricht 0,44% des Bruttoinland-Produkts (BIP).
Die DEZA verfügt über ein jährliches Budget von 1,3 Mrd. Fr. und beschäftigt 500 Personen.

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