Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Benazir Bhutto bei Anschlag getötet

Opfer eines Selbstmordanschlags: Benazir Bhutto

(Keystone)

Die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto ist bei einem Attentat getötet worden. Ein Selbstmordattentäter hatte ihr laut Polizei zunächst in den Hals geschossen und sich dann in die Luft gesprengt.

Der Anschlag auf eine Wahlkampf-Veranstaltung von Bhuttos Partei in der Garnisonsstadt Rawalpindi riss mindestens 16 Menschen in den Tod, etwa 20 weitere wurden verletzt.

Gemäss Berichten mehrerer pakistanischer Fernsehsender erlag Bhutto in einem Spital in der Garnisonsstadt Rawalpindi ihren schweren Verletzungen.

Nach Angaben ihrer Partei schoss ein Attentäter der Politikerin in Nacken und Brust, als sie in ihren Wagen steigen wollte. Anschliessend habe sich der Täter in die Luft gesprengt.

Der Tod der 54-Jährigen wurde inzwischen auch von einem ranghohen Militärvertreter bestätigt.

Bhutto hatte knapp zwei Wochen vor der Parlamentswahl vor tausenden Anhängern gesprochen.

Der genaue Hergang war zunächst unklar. Augenzeugen berichteten, vor der Explosion seien Schüsse gefallen. Kurz nach der Explosion hatte es zunächst geheissen, Bhutto habe den Anschlag unverletzt überstanden.

Zweiter Anschlag in zwei Monaten

Vor dem Krankenhaus versammelten sich Anhänger Bhuttos. Einige traten vor Wut die Glastür am Haupteingang ein, andere brachen in Tränen aus. Viele bedachten den Präsidenten Pervez Musharraf mit Schmährufen.

Der Anschlag erfolgte zehn Wochen nach Bhuttos Rückkehr aus dem selbst gewählten Exil und knapp zwei Wochen vor den Parlamentswahlen.

Gleich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil war am 18. Oktober in Karachi ein Anschlag auf sie verübt worden bei dem weit über 130 Menschen getötet wurden.

Erste Regierungschefin der islamischen Welt

Bhuttos politische Laufbahn glich einer Achterbahnfahrt: Sie war die erste Regierungschefin der islamischen Welt, musste aber unter heftigen Korruptionsvorwürfen wieder abtreten und das Land verlassen.

Nach Pakistan zurückgekommen war Bhutto vor wenigen Wochen, um bei der Parlamentswahl Anfang Januar anzutreten und die Herrschaft von Präsident Pervez Musharraf anzugreifen.

Dieser hatte Bhutto nach der Verhängung des Ausnahmezustands auch vorübergehend unter Hausarrest gesetzt.

Ihre eigentliche Kampfansage galt aber den islamischen Extremisten, die sich im Grenzgebiet zu Afghanistan festgesetzt haben. "Ich bin ein Symbol dessen, was die sogenannten Dschihadisten, die Taliban und die Al Kaida am meisten fürchten", schrieb sie in ihrer Autobiographie.

"Ich bin eine politische Führerin, die darum kämpft, Moderne, Kommunikation, Bildung und Technik nach Pakistan zu bringen."

USA und Russland verurteilen

Die USA haben das Attentat verurteilt. "Der Anschlag zeigt, dass es noch immer Kräfte in Pakistan gibt, die die Aussöhnung und eine demokratische Entwicklung untergraben wollen", erklärte das Außenministerium in Washington.

Auch die Regierung in Moskau erklärte, dass sie den Anschlag scharf verurteile. Zugleich hoffe die russische Regierung, dass es der Führung Pakistans gelinge, "die Sicherheit im Land zu garantieren", sagte ein Sprecher des Aussenministeriums.

Zur Ruhe aufgerufen

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat den Mordanschlag auf Oppositionsführerin Benazir Bhutto verurteilt und die Bevölkerung zur Ruhe aufgerufen.

Angesichts dieser Tragödie sei eine verstärkte Entschlossenheit zum Kampf gegen den Terror nötig, sagte Musharraf am Donnerstag laut der amtlichen Nachrichtenagentur Associated Press of Pakistan. Der Staatschef setzte ein Krisentreffen der Regierung an.

swissinfo und Agenturen

Benazir Bhutto

Geboren am 21. Juni 1953, trat sie bald in die Fussstapfen ihres Vaters Zulfikar Ali Bhutto. Der Präsident und Ministerpräsident schickte seine älteste Tochter zum Studium von Politik und Verwaltung nach Oxford und Harvard.

Sein Sturz durch einen Militärputsch im Jahr 1977 und seine folgende Hinrichtung waren prägende Erfahrungen für Benazir Bhutto.

Unter der Herrschaft von General Zia ul Haq wurde sie mehrere Male verhaftet, ehe sie 1984 nach England ins Exil gehen konnte. Zwei Jahre später kehrte sie zurück und führte Massendemonstrationen für die Wiederherstellung der Zivilregierung an.

Die Wende kam 1988: Nach Zias Tod bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz wurde Benazir Bhutto die erste Ministerpräsidentin eines islamischen Staates.

Schon bald aber geriet sie in Konflikt mit der militärischen Elite. Nach 20 Monaten wurde ihre erste Regierung unter Korruptions-Vorwürfen entlassen.

1993 wurde Bhutto wiedergewählt. 1996 musste sie ihrem Rivalen Nawaz Sharif den Vortritt lassen, und unter der neuen Regierung wurden die Ermittlungen wegen Korruption weiter vorangetrieben.

Bhutto entschied sich zur Ausreise, kurz bevor sie ein Gericht im April 1999 schuldig sprach und ihr jede politische Betätigung untersagte. Das Urteil wurde später zwar aufgehoben, doch blieb Bhutto weiter im Exil.

Ihre Entscheidung, doch wieder nach Pakistan zurückzukehren, um in die politischen Geschicke ihres Landes einzugreifen, bezahlte sie nun mit dem Leben.

Infobox Ende

Geldwäschereiverfahren

Gegen Benazir Bhutto waren in der Schweiz seit 10 Jahren Ermittlungen wegen Verdachts auf Korruptionsgeldwäscherei im Gang.

Zunächst beschuldigte sie Pakistan, zusammen mit ihrem Ehemann und weiteren Personen Schmiergelder auf Schweizer Banken platziert zu haben.

Später ermittelten auch die Bundesanwaltschaft und die Genfer Justiz in der Angelegenheit.

Mit ihrem Tod wird das Verfahren eingestellt, sagte Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×