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Benzintouristen kehren zurück

Schlechte Geschäfte für italienische Tankstellen: In der Schweiz ist das Benzin billiger. swissinfo.ch

Der Anstieg der Benzinpreise ist dieses Jahr in Italien kräftiger ausgefallen als in der Schweiz.

Dieser Inhalt wurde am 21. Oktober 2004 - 10:08 publiziert

Das freut die Tessiner Tankstellen. Die Italiener sind als gute Kunden zurückgekehrt.

Jahrelang war das Klagelied laut. Denn seit die Lombardei im Jahr 2000 die Spritpreise durch Subventionen in Grenznähe verbilligte, ist die Zahl der italienischen Kunden und damit der Umsatz an den Tankstellen im Mendrisiotto massiv zurückgegangen.

Eine so genannte Tankkarte gibt den in Grenznähe lebenden Einwohnern in 240 Gemeinden der Provinzen Como, Varese und Sondrio die Möglichkeit, an den heimischen Tankstellen von Abschlägen zwischen 10 und 18 Cent (16/28 Rappen) zu profitieren.

Der Preisunterschied zur billigeren Schweiz wurde so aufgehoben, und die Region Lombardei konnte dem Benzintourismus einen Riegel schieben. So wurden wichtige Steuereinnahmen und Arbeitsplätze gesichert, auch wenn ein Teil der Einkünfte wieder in Subventionen reinvestiert werden musste.

Trendwende

Doch seit Anfang dieses Jahres hat sich das Blatt gewendet. Fahrzeuge mit italienischen Kennzeichen sind immer häufiger an Schweizer Tankstellen in Grenznähe zu sehen.

"Wir können einen Zuwachs von 20% an italienischer Kundschaft verzeichnen", freut sich Giorgio Tettamanti, Sprecher der Tankstellen-Betreiber im Mendrisiotto, dessen Zapfsäulen-Park in günstiger Lage gleich am Grenzübergang Chiasso-Pizzamiglio postiert ist.

"Immer mehr Leute fahren zum Tanken in die Schweiz", bestätigt auch Giuseppe Doria von der Konsumentenvereinigung in Como (Adoc). Der Verband hat ausgerechnet, dass in Italien zwischen Februar und Oktober dieses Jahres der Benzinpreis um 11,5% angestiegen ist, von 1,07 auf 1,193 Euro.

Im gleichen Zeitraum stieg der Benzinpreis im Tessin aber nur um 7,41%, von 1,35 auf 1,45 Franken. Und dies, obwohl das Benzin aus Italien geliefert wird.

Verschiedene Preisvorteile

Inzwischen hat der Benzinpreis in der Schweiz zwar nochmals um 3 Rappen pro Liter aufgeschlagen, doch der Preisvorteil bleibt für italienische Kunden bestehen, selbst wenn sie im Besitz der lombardischen Tankkarte sind. "Pro Liter können rund 8 Cents gespart werden", rechnet Doria vor. Grund genug für viele Italiener, den Tank in der Schweiz randvoll zu füllen.

Die Italiener interessiert aber nicht allein das Benzin. Seit der Euro die Preise in Italien explodieren liess, sind auch Lebensmittelprodukte, Kleider sowie Elektronikgeräte in der Schweiz für viele Italiener günstig geworden. Bei grenznahen Geschäften und Shopping-Centern im Tessin ist der Boom klar erkennbar. Das Sortiment ist teilweise auf die Kundschaft aus dem südlichen Nachbarland umgestellt worden.

Zigarettenpreise sorgen für kleinen Dämpfer

Die jüngste Tendenz dürfte allerdings schon bald wieder einen kleinen Dämpfer erfahren. "Mit der Erhöhung des Zigarettenpreises im Dezember werden wir sicherlich einige Kunden verlieren", prophezeit Giorgio Tettamanti. Zigaretten gehören zusammen mit Bouillonwürfeln und Schokolode zu den Traditionsprodukten, die Italiener im Tankstellen-Shop mitnehmen.

Längst vergessen sind indes die Zeiten, als so viele Benzintouristen aus Italien kamen, dass es auf den Strassen des Südtessins regelmässig zum Verkehrsinfarkt kam. Anfang der 90er-Jahre wurde daher - vor allem aus Umweltschutzgründen - die Öffnung der Tankstellen am Abend und am Sonntag verboten.

Mit Einsetzen der Wirtschaftskrise Mitte der 90er-Jahre hob man die Massnahme auf. Jeder Benzinpendler ist seither willkommen.

swissinfo, Gerhard Lob, Chiasso

In Kürze

Da die Benzinpreise in Italien stärker ansteigen als in der Schweiz, füllen wieder mehr Italiener aus dem Grenzgebiet ihren Benzintank im Mendrisiotto.

Seit dem Jahr 2000 subventioniert der italienische Staat das Benzin der Automobilisten aus der Grenzregion, um Benzintourismus zu verhindern.

Seit der Sprit trotz staatlicher Zuschüsse in der Eidgenossenschaft günstiger ist, gibt es wieder einen veritablen Benzintourismus.

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