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Bergier-Kommission in Schwierigkeiten

Generalsekretär Linus von Castelmur (rechts neben J.-F. Bergier) soll innerhalb der Kommission wegen organisatorischen und personalrechtlichen Fragen umstritten sein.

(Keystone)

Die Bergier-Kommission, die bis Ende Jahr ihren Bericht über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg abliefern muss, stellte den bisherigen Stabschef am Dienstag (20.03.) ab sofort frei. Die Einhaltung des Zeitplanes ist unsicher.

Zum Eklat kam es an der jüngsten Plenarsitzung der unabhängigen Experten-Kommission "Schweiz - Zweiter Weltkrieg" unter der Leitung von Jean-Francois Bergier. Das international zusammengesetzte Historiker-Gremium sah sich mit der Kündigung ihres Generalsekretärs Linus von Castelmur auf den kommenden 31. August konfrontiert.

Einem siebenzeiligen Communique vom Dienstagabend ist zu entnehmen, dass sich die Kommission in dieser Situation mit sofortiger Wirkung vom Diplomaten Castelmur trennte. Weitere Auskünfte gab es weder von der Kommission, die am Mittwoch weiterhin tagte, noch vom abgesetzten Generalsekretär.

Rückkehr ins EDA

Lukas Beglinger, Chef des Dienstes Schweiz - Zweiter Weltkrieg im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), sagte, das Aussenministerium sei über den Entscheid der Kommission informiert worden. Mehr gebe es aus Sicht des EDA nicht zu sagen.

Der Karrierediplomat Castelmur, der vom EDA für seine Tätigkeit als Generalsekretär bei der Bergier-Kommission beurlaubt worden war, wird nun ins EDA zurückkehren. Nach dem abrupten Abgang müsse intern entschieden werden, wo Castelmur eingesetzt werde, sagte Beglinger.

Der 44-jährige Castelmur hatte bereits im Februar 1999 bei der Bergier-Kommission gekündigt, um in den diplomatischen Dienst zurückzukehren. Auf Wunsch von Bergier kam er damals aber auf seinen Entscheid zurück und erklärte, er werde seine Funktion bis zum Abschluss der Kommissionsarbeiten Ende dieses Jahres ausüben.

Kommission in Zeitnot

Die Kündigung Castelmurs auf Ende August dieses Jahres hängt dem Vernehmen nach mit der Zeitnot der Kommission zusammen. Sie muss dem Bundesrat bis Ende Jahr ihren zusammenfassenden Schlussbericht abliefern, weil dann ihr im Dezember 1996 vom Parlament beschlossenes fünfjähriges Mandat ausläuft. Der Bundesrat wird nach den Worten von Beglinger auf die Einhaltung dieses Zeitplans drängen. Eine Verlängerung des Mandats sei ausgeschlossen.

Dennoch ist es aber wahrscheinlich, dass die gedruckte Fassung des Schlussberichts erst im kommenden Februar vorliegen und erst dann von der Kommission der Öffentlichkeit vorgestellt wird, wie Beglinger bestätigte. Dieser Zeitplan, der eine fristgerechte Ablieferung der viersprachigen Manuskripte des Schlussberichts an den Bundesrat bis Ende Jahr und die anschliessende Drucklegung bis im Januar/Februar 2002 vorsieht, war dem Vernehmen nach der Grund für die vorzeitige Kündigung Castelmurs, weil dieser nicht bis ins nächste Jahr mit der Rückkehr in den diplomatischen Dienst zuwarten wollte.

Die Kommission ihrerseits fühlte sich durch die Kündigung brüskiert und stellte den abtrünnigen Generalsekretär per sofort frei. Sie steht nun vor dem Problem, in der heiklen Schlussphase, die die gestaffelte Veröffentlichung von 16 Teilstudien ab Juni vorsieht, einen neuen Stabschef suchen zu müssen. Dass das EDA in die Lücke springt, und erneut eine Fachkraft freistellt, schliesst Beglinger aus. Er erwartet aber, dass die Kommission rasch eine Nachfolgeregelung trifft.

Die Kommission selber hatte in der knappen Mitteilung geschrieben, Castelmur werde für die Übergangsphase weiterhin zur Verfügung stehen. In Kreisen von Historikern wurde am Mittwoch daran erinnert, dass die Lösung Castelmur mit der Garantie zur Rückkehr ins EDA von Anfang an problematisch gewesen sei. Befürchtungen über eine mangelnde Unabhängigkeit des Generalsekretärs hätten sich allerdings nicht bestätigt. Hingegen war Castelmur intern wegen organisatorischer und personalrechtlicher Fragen umstritten.

swissinfo und Agenturen


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