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Bernard Kouchner: "Wir hofften immer, es hätte mehr Schweizer."

Internationale Experten sprachen an einer Konferenz in Zürich über neue Aspekte von friedensbildenden Massnahmen

(swissinfo.ch)

Eine internationale Konferenz, die Donnerstag und Freitag (8./9.02) in Zürich stattfindet, will neue Aspekte von friedensbildenden Massnahmen beleuchten. Hochkarätige Redner versuchen den Teilnehmenden aus Politik, Militär, Studium oder Beruf ihre Erfahrungen aus den neuesten Friedens-Missionen zu vermitteln. Das Thema wird gerade auch in der Schweiz interessiert aufgenommen.

"Peace support operations - lessons learned and future perspectives" heisst die Konferenz, die vom "Center for International Studies" (CIS) der ETH Zürich organisiert wurde. Professor Kurt R. Spillmann vom CIS bestätigt, dass sich auch viele Schweizerinnen und Schweizer für dieses Thema interessieren: "Es ist ein Bedürfnis nach Information über Friedenseinsätze da. Gerade weil sich die Schweiz stärker in der internationalen Sicherheitspolitik einbinden sollte."

Blauhelm-Einsatz überholt

Dass eine moderne friedensbildende Operation kein traditioneller Blauhelm-Einsatz mehr ist, erklärte John Mackinlay vom britischen "Center of Defence Studies". Blauhelm-Operationen seien Überbleibsel des Kalten Krieges. Mit einer oft nur symbolischen UNO-Truppe könne auf Herausforderungen, wie sie in Kosovo oder Ost Timor auf die internationale Gemeinschaft zukamen, nicht eingegangen werden. Seine These: "Maximale Stärke zeigen, um minimale Gewalt anwenden zu müssen."

Dem pflichtet auch Klaus Reinhardt, ehemaliger Oberbefehlshaber der KFOR im Kosovo bei: "Soldaten müssen bereit sein, Krieg zu führen. Oft müssen die Parteien zu einem bestimmten Verhalten gezwungen werden." Die Arbeit des Militärs müsse aber Hand in Hand mit der UNO gehen. So hätten sich der General und der Chef der UNO-Verwaltung im Kosovo, Bernard Kouchner, jeden Tag getroffen und Probleme besprochen.

"Wir wurden die Zwillinge genannt", sagt der Franzose Kouchner dazu. Die besondere Herausforderung für ihn, den Zivilisten, sei es gewesen, eine komplette zivile Verwaltung aufzubauen, während die KFOR noch daran arbeitete den Frieden herzustellen. Nur die engste Zusammenarbeit zwischen UNMIK und KFOR habe zum "historischen Erfolg" geführt, den die Mission im Kosovo darstelle.

Schweizer bei Friedensmissionen

Über die Schweizer innerhalb der KFOR, der Swisscoy, hatten die Redner nur Gutes zu sagen: "Sie waren eine ganz grosse Hilfe und ich kann den Jungs nur ein Kompliment machen: Das haben sie hervorragend gemacht", sagte General Reinhardt über seine ehemaligen Untergebenen gegenüber swissinfo. Die Stärke der Schweizer sei es insbesondere, die Herzen und Köpfe der Bevölkerung zu gewinnen.

Auch Bernard Kouchner ist voller Lob: "Wir hofften immer, es hätte mehr Schweizer. Sie haben sich mindestens so gut gehalten, wie alle andern. Sie haben eine sehr gute Ausbildung."

"Nur schon Soldaten aus Fleisch und Blut in eine Region zu schicken, ist ein wichtiger Schritt, den politischen Willen zu bekräftigen. Das ist besser als Geld oder Versprechungen", meint Verteidigungs-Experte Mackinlay zum personell eher kleinen Engagement der Schweiz.

Waffen notwendig

Gegenwärtig dürfen Schweizer Soldaten im Ausland keine Waffen tragen, entsprechend waren sie in Albanien in ein österreichisches Kontingent integriert. Der Brite sieht für kommende Einsätze darin Probleme: "Die Leute, mit denen die Truppen in den Krisenregionen zu tun haben, werden garantiert versuchen, von der Situation zu profitieren. Faktisch gehen die Truppen ins Feindesland, sie sind dort sehr verletzlich."

Die fehlende Bewaffnung der Schweizer Truppen sei eine Eigenheit, welche es erschwere, auf die Erfahrungen von anderen Nationen zurückzugreifen, meint Bruno Rösli vom Schweizer Generalstab. Der Offizier erachtet die Ausbildung für zukünftige Friedensmissionen als eine der grossen Herausforderungen in den kommenden Jahren für die Schweizer Armee.

Philippe Kropf, Zürich


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