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Berner wollen den Merkur erobern

Die beiden Sonden werden Merkur frühestens im Jahr 2011 erreichen.

Europäische und japanische Wissenschafter wollen gemeinsam zwei Sonden zum Planeten Merkur schicken.

Mit an Bord soll auch Berner Technologie sein, mit der im All kleinste Partikel aufgespürt werden können.

Formell ist zwar noch nichts entschieden. Denn die Europäische Weltraumagentur (ESA) und die Weltraumagentur Japans (JAXA) bestimmen erst im November, welches ihre Partner für die gemeinsame Mission zum Merkur sein werden.

Fest steht aber bereits der Name der Sonden: BepiColombo, benannt nach einem italienischen Merkur-Forscher.

Detektor-Experten

An der Universität Bern ist man indes optimistisch. "Ohne falsche Bescheidenheit kann ich sagen, dass unser Physikalisches Institut weltweit führend ist, was das Aufspüren von kleinsten Partikeln betrifft", sagt Peter Wurz.

Mit seinen Kollegen von der Abteilung für Weltraumforschung entwickelte der Berner Professor bereits das Spektrometer Rosina. Dieser Partikel-Detektor befindet sich an Bord einer europäischen Sonde auf dem Weg zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko.

Wenn diese Sonde wie vorgesehen im Mai 2014 am Ziel eintrifft, sollte das Instrument den Wissenschaftern die Hinweise liefern, wie der Schweif dieses Kometen zusammengesetzt ist.

Magnetfelder



Merkur ist der erste Planet unseres Sonnensystems. Wie die Erde verfügt auch er über gewaltige Magnetfelder. Solche fehlen jedoch bei Venus und Mars.

Aufgabe der beiden Sonden wird es sein, die merkurischen Magnetfelder zu erfassen und zu analysieren. "Dazu müssen unsere Spektrometer Art, Richtung, Masse und Energie der aufgefangenen Teilchen bestimmen können", erklärt Peter Wurz.

Wenn die Uni Bern wie erhofft den Zuschlag erhält, geht es für das Physikalische Institut nicht nur um Entwicklung und Bau der beiden Instrumente. Damit verbunden ist auch die weiterführende Kooperation mit Partnern aus Italien, Schweden und Japan.

Neues "Superhirn"

Bis im November der Entscheid fällt, werden im Team von Wurz aber keine Daumen gedreht. "Man verlangt von uns immer mehr und gibt uns dafür immer weniger Geld", beschreibt Wurz die Ausgangslage.

Die Geräte müssten immer kleiner, leichter, energiesparender und gleichzeitig leistungsfähiger sein. In der Praxis heisst das für die Forscher, Millionen von Entwicklungs-Schritten durchzurechnen.

Um dazu die nötige Kapazität zu erhalten, spannten Universität und die Berner Berufsschule (GIBB) zusammen.

Jüngst wurde ein erstes Resultat dieser Kooperation vorgestellt: 200 vernetzte Computer, die während der Schulferien auf Hochdruck für die Merkur-Mission laufen können.

Synergien geschaffen

Die GIBB profitiert von dieser Zusammenarbeit, indem sie ihr Know-how in der Informatik aufdatieren kann. Das Physikalische Institut dagegen verfügt so über ein enormes rechnerisches Potential, und das erst noch praktisch umsonst.

Den Wissenschaftern ist es recht, dass die Abreise noch nicht morgen stattfindet, denn die beiden Sonden werden nicht vor 2009 ins All geschossen werden.

Welt voller Rätsel

Merkur ist den Forschern bis heute ein grosses Rätsel geblieben. Kaum grösser als der Mond, dreht er sich sehr schnell – in 88 Tagen - um die Sonne. Die Drehung um die eigene Achse dagegen erfolgt sehr langsam.

Die Folgen davon: Ein einziger Merkur-"Tag" dauert zwei Jahre. Die der Sonne zugewandte Seite "kocht" bei 470 Grad, während auf der Nacht- oder Schattenseite unwirtliche 180 Grad unter Null herrschen.

Sollte die Menschheit einmal die Erde verlassen und auf einen anderen Planeten ausweichen müssen, käme der Merkur deshalb wohl kaum als neue Erde in Frage.

swissinfo, Marc-André Miserez
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

In Kürze

Merkur ist derjenige Planet, welcher der Sonne am Nächsten steht. Nach Pluto ist er der Zweitkleinste.

Merkur gleicht dem Mond, nicht nur von der Grösse her, sondern auch von der äusseren Beschaffenheit (Atmosphäre fehlt, viele Krater).

Aufgrund der Temperatur-Unterschiede von –180 bis +470 Grad ist Merkur ein eher unwirtlicher Planet.

Infobox Ende


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