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Beschneiung am Lauberhorn: mal flinke, mal träge Verwaltung

Die Beschneiungstruppen am Lauberhorn und ihre Waffen im Kampf gegen die Witterung: Schneekanonen!

(Keystone)

Drei Jahre nachdem der Speichersee für die Beschneiung der Lauberhorn-Strecke zu gross erstellt wurde, ist das nachträgliche Bewilligungs-Verfahren noch hängig. Der Abschluss wird für Herbst erwartet. Pro Natura Berner Oberland kritisiert das Vorgehen.

Auch in diesem Jahr würde die prestigeträchtige Herrenabfahrt der Skiasse am Lauberhorn kaum stattfinden, gäbe es keine Beschneiungs-Anlage. Die Wolken liessen bis 1'500 Meter über Meer mehr Regen denn Schnee fallen. Das für die Region wirtschaftlich überlebenswichtige Rennen ist auf Kunstschnee und die dazu notwendigen Anlagen angewiesen.

So rasen denn am kommenden Freitag und Samstag (12. und 13. Januar) die Skicracks vor allem auf einer Kunstschnee-Unterlage von der Lauberhorn-Schulter über Hundsschopf und Haneggschuss in den Zielraum in Wengen.

Ein Viertel zu gross

Das Wasser dafür stammt aus dem Speichersee auf 2'000 Metern Höhe ob Lauterbrunnen. Dessen Totalvolumen wurde - "unabsichtlich", wie die Bauherrin, die Genossenschaft Beschneiungsanlage Laubernhorn-Wengen, betonte - um rund einen Viertel grösser als bewilligt erstellt. Dies wurde nach einer Anzeige der Umweltorganisation Pro Natura Berner Oberland im Herbst 1998 festgestellt.

Aus Sicherheitsgründen verfügte deshalb der Kanton, dass der See nur zu 80 Prozent gefüllt werden darf und ein Grundablass erstellt wird. Zudem erging der Auftrag, die Sicherheit zu überprüfen.

Ende des Bewilligungsverfahrens

Gleichzeitig wurde das nachträgliche Baubewilligungs-Verfahren und eine Abänderung der Überbauungsordnung (UeO) an die Hand genommen. Die Vorprüfung werde im Frühling abgeschlossen, sagt Raumplaner Ueli Wittwer.

Danach folge die Auflage. Anschliessend muss die Gemeinde-Versammlung von Lauterbrunnen über die UeO befinden und der Kanton die Änderung genehmigen.

Wittwer rechnet mit dem Abschluss des "langwierigen Verfahrens" im Herbst 2001. Grund für die Dauer seien vorab die Ersatzmassnahmen und die Sicherheits-Expertise.

"Bschiss"


Die Ersatzmassnahmen sind zur Zeit Pièce de résistance. Der Kunstschnee-Speichersee wurde auf geschützter Vegetation errichtet. Für Pro Natura-Präsident Hans Fritschi ist klar: Für einen grösseren See braucht es auch mehr Ersatzmassnahmen als diejenigen, die für das ursprünglich geplante Volumen geleistet wurden.

Die von der Beschneiungs-Genossenschaft eingereichte Auflistung von Ersatz-Massnahmen werde momentan geprüft, sagt Wittwer. An einer bereits erfolgten Renaturierung von Bächen im Lauterbrunnental stösst sich Fritschi. Er protestierte deswegen kürzlich schriftlich bei der kantonal-bernischen Regierungsrätin Dori Schaer-Born.

Diese Renaturierungen seien aus dem dafür vorgesehen Kantonsfonds bezahlt und unabhänging vom Speichersee-Projekt ausgeführt worden, sagt er. Das Vorgehen der Bauherrin sei "dubios und unredlich", es grenze an "Bschiss" (Betrug). Pro Natura werde sich mit allen rechtlichen Mitteln für einen korrekten Vollzug einsetzen.

Auch die Kantonsbehörden bekommen ihr Fett ab. Fritschi kritisiert "schleppendes Verfahren". Bei der Aufweichung der Verordnung über die Beschneiung hingegen seien die Behörden jeweils flink gewesen.

Keine Gefahr

Der andere Bremsklotz im Bewilligungsverfahren, die Sicherheitsexpertise, liegt seit vergangenem Juli vor. Auf Grundlage dieser nach eigener Einschätzung "sehr umfassenden Abklärungen" habe das kantonale Wasser- und Energiewirtschaftsamt im vergangenen August beantragt, die Anlage zu bewilligen, sagt Abteilungs-Vorsteher Raymond Kocher.

Allerdings müssten bauliche Anpassungen vorgenommen und "relativ strenge Betriebsvorschriften" erfüllt werden. Im zehn Meter hohen Erddamm seien ein Notüberlauf und Messeinrichtungen zu erstellen. Sollte nach dreijähriger Messung kein Durchsickern festgestellt werden, dürfe der See statt wie heute zu 80 zu 90 Prozent gefüllt werden.

Die wichtigsten Massnahmen für die provisorische Bewilligung gelten bereits jetzt, wie Kocher sagt. Würden die Bestimmungen eingehalten, stelle der Speichersee keine Gefährdung dar.

swissinfo und Agenturen

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