Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Bessere Berufsbildung für Südafrika

DEZA-Direktor Walter Fust (links) und Wirtschaftsvertreter Anton Schrafl, Vizepräsident des Holderbank-Verwaltungsrates.

(Keystone)

Bund und Privatwirtschaft haben eine Stiftung zur Förderung von Schulen und Berufsbildung in Südafrika lanciert. Mit mindestens 2 Mio. Franken pro Jahr soll mitgeholfen werden, die Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Hintergrund für die Initiative ist die hohe Arbeitslosigkeit (30-40%) in Südafrika, wie die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) am Freitag (02.02.2001) an einer Medienkonferenz in Bern bekanntgab. In Südafrika seien unbeschäftigte Jugendliche mit wenig Zukunftshoffnung der Hauptgrund für die sehr hohe Kriminalität und eine latente Gefahr für Gesellschaft und Wirtschaft, sagte DEZA-Direktor Walter Fust. Ein Teil der Arbeitslosigkeit könne durch bessere Schulbildung, insbesondere Berufsbildung, und Anstrengungen in der Arbeitsplatzvermittlung beseitigt werden.

Ein neuer Weg

Die Initiative zeuge von einem gemeinsamen Engagement zwischen Schweizer Staat und Privatwirtschaft für ein stabiles und wohlhabenderes Afrika, erklärte Walter Fust. Sie sei ein neuer Weg, Entwicklungsprobleme gezielt anzupacken und zu deren Lösung beizutragen, sagte dr DEZA-Direktor.

Anton Schrafl, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Holderbank Financière Glarus AG, stellte als Vertreter der Privatwirtschaft fest, dass die praxisorientierte Bildung ein zentraler Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas sei. Gegenüber swissinfo erklärte Schrafl, er habe überdies für Ausbildung immer schon ein ganz persönliches Interesse gehabt.

Die für das Projekt gegründete Stiftung wird von Ruth Mompati präsidiert, die bis vor kurzem Botschafterin der Republik Südafrika in der Schweiz war. Umgesetzt werden sollen die Projekte durch fachlich qualifizierte südafrikanische Nichtregierungs-Organisationen oder Privatfirmen.

Pro Jahr 2 Mio. Fanken

Jährlich sollen mindestens 2 Mio. Franken in die Stiftung fliessen. Bis jetzt seien von der Privatwirtschaft rund 5 Mio. Franken für fünf Jahre gesprochen worden, sagte DEZA-Direktor Walter Fust. Den Grossteil steuern neun grosse Schweizer Unternehmen bei, nämlich Ciba Spezialitätenchemie AG, Credit Suisse Group, Novartis International AG, Schindler Group, UBS AG, Swiss Re, Sika Finanz AG sowie die beiden südafrikanischen Tochterunternehmen Alpha Ltd. (Holderbank) und Xstrata South Africa Pty. Ltd. (Xstrata AG, Zug).

Die DEZA ihrerseits trägt im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit Südafrika 5 Mio. Franken bei.

Schlechtes Gewissen wegen Apartheid-Geschäften?

Dass bei der Initiative das schlechte Gewissen der Schweizer Wirtschaft wegen ihrer früheren Apartheid-Geschäfte mitgespielt haben könnte, weist Anton Schrafl von der Holderbank Financière gegenüber swissinfo zurück. Und DEZA-Direktor Walter Fust doppelte nach und erklärte, wenn die Initiative eine Art Wiedergutmachung für die Apartheid-Geschäfte bezwecken wollte, hätten viele Schweizer Unternehmen gar nicht mitgemacht.

Forderungen von Nichtregierungs-Organisationen nach einem stärkeren finanziellen Engagement der Schweizer Wirtschaft in Südafrika hätten bei der Idee der Initiative keine Rolle gespielt, erklärte Schrafl gegenüber swissinfo. Was die Forderung nach Erlass der Apartheid-Schulden betreffe, so sei dies nicht Sache der Privatwirtschaft.

Weniger Schweizer Investitionen als zur Apartheid-Zeit

Schweizer Unternehmen mit ihren Tochtergesellschaften sind die viertwichtigsten Investoren in Südafrika. Dennoch investiert die Schweizer Wirtschaft heute, im demokratischen Südafrika, weniger als zur Zeit des Apartheid-Regimes.

Anton Schrafl von der Holderbank begründet dies damit, dass ein Industrie-Unternehmen auf die Entwicklung des Marktes schauen müsse. Wenn der Markt langsam wachse, wie in Südafrika, könne Holderbank nicht investieren. Wenn man ins Leere hinaus investiere, würden Verluste entstehen, sagte Schrafl gegenüber swissinfo.

Öffnung der Archive

A propos Apartheid-Geschäfte der Schweizer Wirtschaft: Nichtregierungs-Organisationen in der Schweiz und in Südafrika verlangen eine Öffnung der Unternehmens-Archive zur Aufarbeitung der Beziehungen zwischen der Schweiz und dem südafrikanischen Apartheid-Regime. Dies im Rahmen eines entsprechenden Nationalfonds-Projekts der Schweizer Regierung.

Bisher wollten betroffene Unternehmen diesen Schritt aber nicht tun. Von swissinfo zu diesem Umstand befragt, antwortete Anton Schrafl von der Holderbank Financière: "Wenn jemand bei uns vorbeikommen will, bitte, kein Problem." Allerdings sei die ganze Sache eine schweizerische Angelegenheit und keine südafrikanische. Die Südafrikaner hätten kein Interesse an weiteren Investigationen.

Jean-Michel Berthoud


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×