Bestandesaufnahme des Kampfes gegen Aids

Ex-Präsident Cardoso aus Brasilien (rechts) und der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe. Keystone

Tausende Forscher und Mediziner aus aller Welt diskutieren in Paris Fortschritte in Wissenschaft und Behandlung der Immunschwäche-Krankheit Aids.

Dieser Inhalt wurde am 13. Juli 2003 - 20:51 publiziert

Fachleute aus Basel, Genf und Lausanne, die an der Spitze der Aids-Forschung mit dabei sind, veröffentlichen an der Konferenz neueste Ergebnisse.

Lebenserwartung hier zu Lande stark gestiegen

In den 20 Jahren seit der Entdeckung des Virus hat sich die Forschung und die Behandlung für die Betroffenen stark weiterentwickelt.

Eine HIV-Infektion ist nicht mehr ein Todesurteil, sondern eine chronische Krankheit geworden, wie Pantaleo sagt.

"Die Lebenserwartung nach einer Infektion beträgt heute 20-25 Jahre. Das ist bedeutend anders als vor vielleicht 8 oder 10 Jahren. Damals betrug die Lebenserwartung nach einer HIV-Infektion 6-10 Jahre."

Zudem habe man grosse Fortschritte gemacht beim Begreifen, wie das Immunsystem gegen das Virus kämpft. "Nun beginnen wir, Strategien zu entwickeln, damit das Immunsystem von infizierten Menschen gegen das Virus ankämpft."

Doch ein wirksamer Impfstoff ist weiterhin nicht in Sicht. Und die Nichtregierungs-Organisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) weist immer wieder darauf hin, dass die Probleme rund um den Zugang zu Medizin in Entwicklungsländern bei weitem nicht gelöst seien.

"Nur eine verschwindende kleine Anzahl der Menschen in Afrika erhalten zurzeit eine Behandlung gegen Aids", sagt Daniel Berman, der in Genf an der entsprechenden MSF-Kampagne mitarbeitet.

Laut UNAids, einer Organisation der Vereinten Nationen, sind weltweit 42 Millionen Menschen mit Aids infiziert. 25 Millionen Menschen sind an der Immunschwäche-Krankheit bisher gestorben.

Bis zum Jahr 2010, so UNAids, werden weitere 45 Millionen Menschen eine HIV-Infektion haben, wenn sich die Pandemie im bisherigen Tempo ausbreitet, und schätzungsweise 70 Millionen Menschen werden ihr bis 2020 zum Opfer gefallen sein.

Am Mittwoch kommt in Paris eine Geberkonferenz für den Weltgesundheits-Fonds zum Kampf gegen Aids zusammen.

Mandelas Forderungen an Europa

Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela forderte die europäischen Länder am Montag auf, mehr Gelder für den Kampf gegen Aids bereitzustellen.

Europa sollte angesichts dieser "grössten Gesundheitskrise in der Geschichte der Menschheit" dem Beispiel von US-Präsident George W. Bush folgen, der 15 Mrd. Dollar über fünf Jahre für den weltweiten Kampf gegen Aids geben will.

"Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft legen es nahe, dass Europa da gleichzieht oder die USA noch übertrifft", sagte Mandela.

20 Jahre seit Entdeckung des HI-Virus

Unterdessen ist es 20 Jahre her, dass Wissenschafter die Ursache für Aids entdeckt haben: das HI-Virus, das menschliche Immunschwäche-Virus.

"Das Hauptziel der Tagung ist der Versuch, den Austausch zwischen Grundlagenforschern und klinischen Forschern zu verbessern", sagt Giuseppe Pantaleo, Direktor der Division für Immunologie am Universitätsspital Lausanne.

Die Organisatoren hoffen, dass die neuesten Fortschritte der HIV-Forschung infizierten Menschen in aller Welt nützen werden – allen voran den 30 Millionen Menschen, die in Afrika mit HIV/Aids leben.

"Wissenschaftliche und klinische Fortschritte verlieren an Wert, wenn sie diejenigen Menschen, die an den Folgen von HIV leiden, nicht erreichen", betont Michel Kazatchkine, Konferenz-Vorsitzender und Direktor der französischen Agentur für Aids-Forschung.

swissinfo, Vincent Landon
(Übersetzung Eva Herrmann)

Fakten

Die grösste wissenschaftliche und medizinische Konferenz zu HIV/Aids findet vom 13.-16. Juli in Paris statt.
Organisatorin ist die Nationale Agentur für Aids-Forschung Frankreichs (ANRS).
Ziel der Konferenz ist es, über Fortschritte in der Aids-Forschung zu berichten und der internationalen Gemeinschaft eine Plattform zu bieten, um die Ergebnisse umzusetzen.

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