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Beziehungen Schweiz – China: Eine einzige Idylle

Doris Leuthard nutzte ihren Besuch in Peking, um die bilateralen Beziehungen zu pflegen.

(Keystone)

Verkehrsministerin Doris Leuthard nahm am Erstflug der neuen Swiss-Direktverbindung Zürich-Peking die Gelegenheit wahr, fünf Ministerien in China zu besuchen und die bilateralen Beziehungen zu vertiefen. Weshalb verstehen sich die beiden Länder so gut?

Seit Anfang Februar ist die Schweiz näher an China gerückt. Und die sino-helvetischen Beziehungen sind in guter Form. Im ersten Direktflug der Swiss International Air Lines (Swiss) nach Peking sass auch Bundesrätin Doris Leuthard.

Die Vorsteherin des Verkehrsdepartements blieb zwei Tage dort und kehrte mit einer Tasche voller Zusammenarbeitsprojekte wieder zurück. Der bilaterale Handel zwischen den beiden Ländern blüht, die Projekte rund um den geplanten Freihandel schreiten fort und die Anzahl chinesischer Touristen in der Schweiz wächst.

Was tut der helvetische David, um dem chinesischen Goliath derart zu schmeicheln?

Historische Bindungen: Swissair

Vielleicht hängt es auch am Preis, den die Schweiz dafür bezahlt. Swiss hat rund 300 Mio. Franken investiert, um den Direktflug nach Peking wieder aufnehmen zu können. Die Hauptstadt ist nach Shanghai und Hongkong die dritte chinesische Direktdestination, erklärt Swiss-CEO Harry Hohmeister.

Die Swissair war eine der ersten europäischen Airlines gewesen, die 1975 den Westen mit Peking verbunden hatte. Swiss musste gegen ihren Willen die Destination 2003 aufgeben, weil sie nicht mehr rentierte. Sie heute wieder neu aufzulegen, komme einem "wichtigen Meilenstein" für die Airline gleich, sagt Swiss-Verwaltungsrats-Präsident Bruno Gehrig.

Doch dieses Mal soll damit auch Geld verdient werden, fügt Hohmeister bei, der den zeitlich unbequem terminierten Slot ab Peking bedauert: Die Swiss-Maschine startet dort frühmorgens um 6 Uhr 45. Er ist überzeugt, dass Swiss bald eine Verbesserung angeboten werde. Konkurriert wird der Swiss-Flug von der chinesischen Hainan Airlines, die schnell reagiert hatte und seit Juni 2011 einen Direktflug Peking-Zürich fliegt.

Dies beunruhigt jedoch Oliver Evans, Cargo-Chef bei Swiss, nicht: "Es gibt genügend Platz für Wettbewerb, China ist ohnehin daran, der Markt Nummer eins zu werden."

Attraktive Schweiz

Andererseits seien viele Chinesen von den Schweizer Standard-Attraktivitäten stark angezogen. Urs Eberhard, Vize-Direktor des Landeswerbers Schweiz Tourismus, zählte an der Einweihung der neuen Luftverbindung vor den chinesischen Medien die fünf hauptsächlichen Gründe für einen Schweiz-Besuch auf: Berge, Shopping, Schokolade, Wasserqualität und beste Verkehrsverbindungen.

Eberhard hofft, dass die neu eingeweihte Swiss-Linie 7 bis 10% mehr Besucher aus China in die Schweiz bringen wird. Das Jahr 2011 habe der Schweiz ein Wachstum von insgesamt rund 40% bei den Übernachtungen aus China gebracht.

Doch Chinas Medien haben weder über den Besuch von Doris Leuthard noch über das Comeback der Swiss-Direktlinie berichtet.

Von welchen Vorzügen der Schweiz fühlen sich die Chinesen denn angezogen? Im Bereich der Wasserwirtschaft, sagt Leuthard, versuchen Deutschland und einige weitere europäische Länder hart, in den chinesischen Markt vorzudringen, um mit den zuständigen Ministerien ins Geschäft zu kommen. Doch sei das nicht möglich, freut sich die Schweizer Verkehrsministerin, "denn die chinesischen Behörden wollen mit der Schweiz zusammen arbeiten!".

Sie zählt eine ganze Anzahl an Beispielen Schweizer Technologie auf, die in China bereits steht: Unter anderem den Drei-Schluchten-Staudamm oder Hochwasser-Alarmsysteme. Laut Leuthard nimmt der "Wirtschaftseffekt" zu. Das zeige sich auch an den bilateralen Handelsströmen der beiden Länder, wo die Bilanz zur Zeit stark zu Gunsten der Schweiz ausfällt.

Nur Diskretion oder bereits Entgegenkommen?

Diskretion ist bestimmt der hauptsächliche Grund der guten Entente zwischen der Schweiz und China. "Wir sind nicht gefährlich", sagt Leuthard. Und was sensible Fragen wie Menschenrechte oder Zwangsumsiedlungen betrifft, "protestieren wir zwar nicht weniger als andere, aber diskreter".

Die Schweiz geize nicht mit Kritiken, stelle China aber nicht an den Pranger. "Erinnern Sie sich an den Auftritt des französischen Präsidenten Sarkozy vor den Olympischen Spielen?", erinnert sie. "Für die bilateralen Beziehungen war das nicht die richtige Art."

Die Frage stellt sich, ob das Schweizer Verhalten nun einfach nur diskret oder eben bereits entgegenkommend sei. Gegenwärtig sind die beiden Länder damit beschäftigt, Bedingungen und Auflagen für einen Freihandelsvertrag auszuhandeln. In der Schweiz gibt es Befürchtungen, dass dabei Menschenrechte und Umwelt auf dem Altar der triumphierenden Wirtschaft geopfert werden.

In ihrer Ansprache vor dem Gala-Diner, das die Swiss zum Anlass der Linieneröffnung gesponsort hatte, charmierte Leuthard die Zuhörerschaft, indem sie die Gemeinsamkeiten der beiden Länder hervorstrich. "China und die Schweiz sind beides Häfen der Stabilität für Wirtschaft und Politik."

Aus Reaktion darauf bemerkten einige Gäste, dass in der Schweiz "die Stabilität viel mit der Respektierung der Menschenrechte zu tun" habe.

Leuthards Erfolg in China

Als ehemalige Volkswirtschafts-Ministerin war Doris Leuthard beim Beginn der sino-schweizerischen Verhandlungen um ein Freihandels-Abkommen zugegen.

Als Verkehrsministerin führt sie diese Mission nun fort.

Während ihrer Kurzvisite in Peking hat sie einige ihrer chinesischen Amtskollegen besucht und verschiedene Absichtserklärungen unterzeichnet, welche die bilateralen Beziehungen in vielen Bereichen verstärken.

Besonders erwähnt werden dabei die Bereiche Umwelt und Wasserwirtschaft.

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Die Flüge Swiss LX 196 und 197

Nach einem Jahrzehnt Abwesenheit kehren die Flugzeuge mit dem weissen Kreuz aufs Flugfeld des Pekinger Flughafens zurück.

Der Airbus A 340 der Swiss verkehrt 5 mal wöchentlich ZRH-BJS und zurück. Ab Juni 2012 wird die Linie täglich geführt.

Um rentabel zu sein, muss sich die Swiss der Konkurrenz der Hainan Airlines stellen, die ZRH-BJS dreimal wöchentlich bedient.

Zur Zeit muss Swiss noch mit einem unbequemen Slot frühmorgens vorlieb nehmen.

Die Airline zielt auf chinesische Touristen. Deren Anzahl überstieg 2011 erstmals jene der Japaner, welche die Schweiz bereisen.

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(Übertragung aus dem Französischen: Alexander Künzle), swissinfo.ch

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