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Bitfinex Skandal Dunkle Wolken über dem Zuger Crypto-Valley

Dank tiefer Steuern ist der Kanton Zug zu einem Cluster für Kryptowährungs-Unternehmen geworden. 

(© Keystone / Urs Flueeler)

Der Kanton Zug will sich als Weltzentrum der Krypto-Währungen etablieren. Diese Ambition könnte ausgebremst werden, denn weltweit wird mit virtuellen Währungen Gaunerei betrieben. In den USA laufen mehrere Gerichtsverfahren um einen 850 Millionen Dollar-Betrug. Es geht um die Handelsplattform Bitfinex, und die Spur führt nach Zug.

Am 24. April 2019 leitet die New Yorker Staatsanwältin Letitia James ein Verfahren gegen die Kryptowährungs-Tauschbörse Bitfinex ein. Ihr Verdacht: Bitfinex verheimlicht seinen Kunden ein 850 Millionen Dollar-Loch. 

Bitfinex ist eine der wenigen Handelsplattformen, die Investitionen in die Kryptowährung Tether ermöglichen. Idee hinter dieser Kryptowährung: Sie soll an den Dollar angebunden sein, weil sie über eine Reserve an realen Dollars verfügt, die dem Betrag der ausgegebenen Tether entspricht.

Und hier liegt offenbar der Hund begraben: 850 Millionen Dollar sollen – so die Anklage – aus dieser von Bitfinex verwalteten Reserve verschwunden sein. Im Mittelpunkt des Verdachts steht das Crypto Capital mit Sitz in Panama, das mit der Verwaltung der Dollarzahlungen betraut worden war. Letzteres hat diese Tätigkeit offenbar 2018 eingestellt.

Die New Yorker Justiz hat Bitfinex nun aufgefordertexterner Link, alle Unterlagen über die Geldtransfers von Crypto Capital offenzulegen.

Allerdings ist die Struktur von Crypto Capital erstaunlich intransparent. Auf ihrer Webseite externer Linkerwähnt die Firma lediglich eine Adresse in Zug und behauptet, zur Schweizer Firma Global Trade Solutions AG zu gehören. Laut Handelsregister externer Linkhat diese Gesellschaft, ehemals Semacon AG Software Engineering, im Jahr 2016 ihren Namen geändert. Domiziliert war sie zunächst an der Adresse der Zuger Anwaltskanzlei Goldblum & Partners, dann bei der Treuhandfirma STAX AG, an der Zuger Bahnhofstrasse.

Im Zentrum des Verdachts steht ein US-Bürger

Auf der Spur der mutmasslich verlorenen Gelder trifft man auf einen gewissen Reginald Fowler. Der amerikanische Geschäftsmann, bekannt für seine Engagements in der Welt des Fussballs, wurde im April 2019 in den Vereinigten Staaten wegen Betrugs in Untersuchungshaft genommen.

Die Anklage gegen Fowler enthält auffällige Ähnlichkeiten mit dem Fall Bitfinex. Insbesondere wird Fowler vorgeworfen, eine "illegale Bank im Dienst einer Kryptowährungs-Tauschbörse gegründet" zu haben. 2018 soll er von dieser 850 Millionen Dollar unterschlagen haben.

Das Schweizer Crypto Valley Zug, ein Magnet für Digitalwährungen

Im Kanton Zug haben sich in den letzten Jahren rund 30 Firmen aus dem Bereich Blockchain und Kryptowährungen angesiedelt.

Das Gericht hat Gelder sperren lassen, die auf fünf Konten der Bank HSBC in den USA liegen. Sie lauten auf die Namen Reginald Fowler und Global Trading Solutions LLC. Dieser Name weist eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Zuger Global Trade Solutions AG auf. Ein weiterer seltsamer Zufall: Laut Schweizer Handelsregister leitet Reginald Fowler auch das Zuger Unternehmen Spiral Global Trade Solutions AG.

Laut den US-Behörden könnte Reginald Fowler noch mehrere Millionen Dollar besitzen, die aus dem mutmasslichen Betrug stammen. Diese Mittel sind derzeit offenbar auf rund 60 Konten im Ausland versteckt. Die Anklage erwähnt auch die Existenz anderer Tatbeteiligter, deren Identitäten noch nicht bekannt sind: Sie stammen aus Kanada, aus Israel und aus der Schweiz.

Späte Reaktion der Schweizer Behörden

In der Schweiz dauerte es über einen Monat, bis die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) auf die Informationen der New Yorker Staatsanwaltschaft reagierte. Sie setzte die Global Trade Solutions AG am 27. Mai 2019 auf die schwarze Listeexterner Link.

Ein solches Blacklisting erfolgt, wenn "die Untersuchungen der FINMA ergeben, dass der Dienstleister die Anleger einer unmittelbaren und erheblichen Gefahr aussetzt". Die Spiral Global Trade Solutions AG ist nicht der gleichen Massnahme unterworfen worden: Letztere kann weiterhin legal operieren und wird weiterhin von Reginald Fowler verwaltet.

Die FINMA wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft erklärt, dass sie in diesem Zusammenhang "vorerst kein Strafverfahren eingeleitet hat".

Neben der Global Trade Solutions AG wurden zwischen dem 27. und 29. Mai drei weitere Unternehmen aus dem Bereich Kryptowährung auf die schwarze Liste gesetzt: Coin Chambersexterner Link, Crypto de Suisseexterner Link und LAPO BC AGexterner Link. Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass diese Unternehmen mit dem Fall Bitfinex in Verbindung stehen.

Ein ärgerlicher Fall für das Zuger Crypto-Valley

Dieser Betrugsfall kommt zu einem Zeitpunkt, da die Schweiz sich weltweit als Referenz für virtuelle Währungen zu positionieren versucht, insbesondere über das Zuger Crypto-Valley. Das kommt etwa in einem Bericht der Tageszeitung "Les Echos" vom Februar 2019 zum Ausdruck. Er trägt den Titel "Wie die Schweiz zur Krypto-Nation werden will". Berichtet wird darin über die Ambition des Bundes, sich auf die Krypto-Industrie zu spezialisieren, um "Wachstumstreiber für die Zukunft zu finden – jenseits der Vermögensverwaltung für Ultrareiche".

Der Kanton Zug bietet Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, mit rund 12% einen äusserst attraktiven Steuersatz. Vor kurzem gab auch Facebook bekannt, dass es seine Kryptowährung Libra über eine Schweizer Stiftung zu lancieren gedenkt.

Gotham City

* Gotham Cityexterner Link wurde von den investigativen Journalisten Marie Maurisse und François Pilet gegründet und ist ein Newsletter zum Thema Wirtschaftskriminalität.

Es berichtet ihren Abonnenten jede Woche über Betrugsfälle, Korruption und Geldwäscherei im Zusammenhang mit dem Finanzplatz Schweiz, und zwar auf der Grundlage von Gerichtsdokumenten mit öffentlichem Zugang.

Jeden Monat wählt Gotham City einen seiner Artikel aus, ergänzt diesen und bietet den Lesern von swissinfo.ch freien Zugang.

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