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Blatter enorm unter Druck

FIFA-Präsident Blatter (links) und Generalsekretär Zen-Ruffinen: Das einstige Gespann im Streit.

(Keystone)

Der "Tag der Wahrheit" bei der FIFA hat im Konflikt zwischen FIFA-Präsident Sepp Blatter und Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen keine Klarheit gebracht.

Nach einem beispiellosen Marathon-Verhör steht Joseph Blatter weiter unter Druck. Er wurde am Freitag beim Krisengipfel der FIFA-Exekutive in Zürich von Generalsekretär Zen-Ruffinen so konkret des Amtsmissbrauch bis hin zur Korruption beschuldigt, dass fünf der sieben Vize-Präsidenten den Rücktritt ihres Vorsitzenden forderten.

Der 66 Jahre alte Blatter aber weigerte sich bei der über zehneinhalb Stunden dauernden Sondersitzung, seinen Platz zu räumen. Stattdessen will er sich wie geplant am 29. Mai beim Kongress in Seoul gegen seinen Herausforderer Issa Hayatou zur Wiederwahl stellen.

Eklat - und Rausschmiss

Der triste Rahmen passte ins Bild: Unaufhörlich prasselte der Regen auf die FIFA-Zentrale, unter deren Dach tobte ein mächtiges Gewitter. Gleich zu Beginn der Sitzung hatte Blatter für einen Eklat gesorgt, als er - so die Darstellung von Sitzungsteilnehmern - einen Anwalt mitbrachte: mit dem Ziel, Zen-Ruffinen an der Aussage zu hindern.

Der Versuch, seinen einstigen Zögling am Auspacken zu hindern, schlug aber fehl. Das Exekutiv-Komitee verbannte den juristischen Beistand ebenso aus dem Saal wie alle FIFA-Angestellten, einschliesslich Blatters Beraterstab. Nur die Dolmetscher und ein Protokollführer durften bleiben.

Keine Einigung

Zehneinhalb Stunden dauerte die Marathonsitzung schliesslich, doch eine Einigung hat sie nicht gebracht. "Wir sprechen wieder miteinander", sagte Blatter, doch die körperliche Haltung von Zen-Ruffinen wollte dem nicht entsprechen.

Während Blatter davon sprach, das Exekutiv-Komitee habe ihm das Vertrauen ausgesprochen, redete Zen-Ruffinen von Korruption und klaren Fakten, die gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Blatter sprechen würden.

Der Generalsekretär hatte während der Krisensitzung mit einem 30 Seiten langen Bericht und Videoaufzeichnungen versucht, seine früher gemachten Anschuldigungen und Vorwürfe gegen den FIFA-Präsidenten zu untermauern. Stundenlang wurde danach hart und intensiv darüber debattiert.

Auf die Rücktritts-Forderungen von fünf Vizepräsidenten ging Blatter nicht ein. "Ich bin vom Kongress gewählt worden. Wenn jemand sagt, ich bin nicht mehr geeignet, muss das vom Kongress ausgehen", sagte Blatter und fügte an: "Die Demontage des FIFA-Präsidenten ist keine leichte Sache." Er räumte aber ein, dass er nicht alle Vorwürfe seines Generalsekretärs entkräften konnte.

"Zwei Personen gekauft"

Blatter will nächste Woche, nach einem kurzen Abstecher nach China und Nordkorea, schriftlich auf den Bericht von Zen-Ruffinen und auf noch offene Fragen antworten. Danach müsse das Exekutiv-Komitee der Öffentlichkeit mitteilen, was Sache sei, sagte Zen-Ruffinen.

Falls diese Reaktion nicht erfolge, müsse er für sich die richtigen Schlüsse ziehen und über seine Zukunft nachdenken, fügte der Generalsekretär an. Auf Details seiner Anschuldigungen und Vorwürfe wollte der Walliser nicht eingehen, sondern sagte nur: "Es sind schwerwiegende Vorwürfe, die einer dringenden Untersuchung bedürfen".

Immerhin aber erwähnte er einen klaren Fall von Korruption: "Es sind zwei Personen gekauft worden, um Dienstleistungen zu erbringen. Allerdings nicht innerhalb der FIFA."

Vorzeitige Abreisen

Dass das Ergebnis der Marathon-Sitzung nicht allen 25 Mitgliedern des Exekutiv-Komitees behagte, zeigte die Tatsache, dass am Ende nur noch 16 anwesend waren. Die Vizepräsidenten Mong-Joon Chung (SKor) und Lennart Johansson (Sd) hatten die Sitzung zusammen mit dem Russen Wjatscheslaw Koloskow gar mehrere Stunden vor Abschluss verlassen. Sie hätten gebuchte Flüge erreichen müssen, war die Begründung der FIFA.

swissinfo und Agenturen

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