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Bollywood-Melodramen für den Tourismus

Bundespräsident Deiss begrüsst die indische Filmemacherin Bhawana Somaaya.

(Keystone)

Joseph Deiss hat am Rande des Filmfestivals Locarno indische Film-Produzenten empfangen. Damit dankte der Bundespräsident für die Treue zur Schweiz.

Die Melodramen mit den Schweizer Landschaften bringen jährlich mehr als 200'000 indische Touristen in die Schweiz.

"Es gibt keine Zweifel über die enorme Popularität der indischen Filme mit Milliarden von Zuschauern, nicht nur in Indien", stellte Bundespräsident Deiss vor den eingeladenen Produzenten fest.

Vor rund zwanzig Jahren hat Bollywood - wie Indiens Film-Metropole Mumbai genannt wird - die Schweizer-Landschaften als Kulisse entdeckt. Die Produzenten mussten Ersatz finden für das umkämpfte und damit unsicher gewordene Kaschmir.

Jährlich werden für rund 30 Filme Szenen in der Schweiz produziert, mit positiven Folgen für den Tourismus.

"Je mehr indische Filme in der Schweiz gedreht werden, desto mehr Besucher kommen zu uns, um die Filmkulisse in Wirklichkeit zu bewundern", freute sich kürzlich der Marketingdirektor der Titlisbahnen in Engelberg, jener Schweizer Destination also, die vor Zürich, Interlaken und Luzern am meisten indische Touristen anzieht.

André Küttel über die Attraktion Engelbergs: "Dank Bollywood ist der Titlis in Indien bekannt als Berg der Liebe und steht auf jedem Europaprogramm."

Der Konkurrenz widerstehen

"Für das laufende Jahr erwarten wir mindestens 210' 000 Übernachtungen von indischen Touristinnen und Touristen. Es können aber auch mehr werden", sagte Michel Ferla, Vizedirektor von Schweiz Tourismus gegenüber swissinfo. Das entspricht einer Zunahme von mindestens 5%.

Gemäss den Schätzungen der "Pacific Asian Tourism Association" können sich rund 25 Millionen zahlungskräftige Inderinnen und Inder Ferien im Ausland leisten. Indische Gäste gelten – auch in der Schweiz – als sehr ausgabefreudig.

Die durchschnittliche Tagesausgabe eines indischen Touristen beläuft sich gemäss Schweiz Tourismus auf 400 Fr. (Amerikaner 330 bis 450 Fr.).

Seit einigen Jahren haben auch andere Länder den Markt für Bollywood-Produktionen entdeckt. Am grössten ist die Konkurrenz von Österreich.

Schweiz Tourismus hat deshalb zehn Bollywood-Produzenten in die Schweiz eingeladen, zwecks Entdeckung neuer Filmkulissen. Die viertägige Reise führte sich auch nach Locarno.

Schweiz bietet ideale Arbeitsbedingungen

Bundespräsident Joseph Deiss nahm das Filmfestival Locarno – hier hatte vor drei Jahren die Bollywood-Produktion "Lagaan" den Publikumspreis gewonnen – als Anlass, den eingeladenen Produzenten für ihre Treue zur Schweiz zu danken.

Stolz zeigte sich der Bundespräsident darüber, dass Yash Chopra kürzlich auf dem Mont Vully, in der freiburgischen Heimat des Bundespräsidenten, Szenen für seinen neusten Film gedreht hatte. "Genau dort habe ich auch meine Fernsehansprache zum 1. August aufgenommen. Was für eine Übereinstimmung!"

Bollywood-Produzent Mukesh Bhatt, der in der Schweiz bereits 14 Filme produziert hat, lobte im Gespräch mit swissinfo die Arbeitsbedingungen in der Schweiz: "Die zuständigen Stellen empfangen uns immer sehr zuvorkommend. Ich arbeite deshalb sehr gerne hier."

"Grenzenlose Romantik"

Dass die konkurrenzierenden Länder die Bollywood-Produzenten mit Zuschüssen locken, bezeichnet Bhatt als positiv: "Konkurrenz ist immer gut für den Markt. Wir werden sehen, ob wir künftig in der Schweiz günstigere Pauschalangebote für Hotels und Produktionsinfrastrukturen erhalten werden."

Die indische Bollywood-Filmindustrie bringt jährlich 850 Filme auf den Markt, beschäftigt 2.5 Mio. Personen und hat ihre eigenen Stars.

Die allermeisten Produktionen sind melodramatische Liebesfilme. Gesang- und Tanzszenen sind zentral.

"Die Schweiz, das ist grenzenlose Romantik. Indische Filme sind grundsätzlich romantische Filme mit träumerischen Szenen. Dafür ist die Schweiz - ein multikulturelles, aber auch vielfarbiges Land - der ideale Platz", lobte Mukesh Bhatt.

swissinfo, Andreas Keiser in Locarno

In Kürze

Das Filmfestival Locarno findet vom 4. – 14. August statt.

Vor drei Jahren erhielt die Bollywood-Produktion "Lagaan" den Publikums-Preis.

Dieses Jahr läuft der unabhängige indische Film "Black Friday" im internationalen Wettbewerb.

Er analysiert die Terror-Attentate von 1993 in Mumbai.

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