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Borer muss zurück nach Bern

Botschafter Borer wurde von seinem Chef in Bern zurückgepfiffen.

(Keystone Archive)

Thomas Borer muss seinen Botschafterposten in Berlin per Ende April räumen Er sei nicht mehr tragbar. Borer bedauert die Rückberufung.

Botschafter Borer könne seine Mission in Berlin unter den gegebenen Umständen nicht mehr wirkungsvoll erfüllen, sagte Bundesrat Joseph Deiss vor den Medien. Die Versetzung Borers in die Berner Zentrale erfolge unabhängig vom Wahrheitsgehalt der von den Boulevardmedien beschriebenen Geschichte um eine Beziehung Borers zu einer Frau.

Botschafter Borer bedauert den Entscheid des Bundesrats, ihn per Ende April von Berlin nach Bern zu versetzen. Er akzeptiere aber die Rückberufung, sagte Borer gegenüber der Westschweizer Zeitung "Le Matin".

Der Druck der Medien habe auf den Entscheid keinen Einfluss gehabt, hiess es aus dem Bundeshaus. Der Bundesrat habe sich nur von der Frage leiten lassen, ob der Botschafter noch wirkungsvoll und würdig mit der nötigen Gelassenheit und Glaubwürdigkeit seine Mission erfüllen könne. "Nach reiflicher Überlegung bin ich zum Schluss gekommen, dass dies nicht mehr der Fall ist", sagte Aussenminister Deiss.

Darüber habe er Borer am Dienstag informiert und ihn gebeten, seinen Posten freiwillig zur Verfügung zu stellen. "Botschafter Borer hat sich leider anders entschieden, und es blieb mir nur noch, dem Bundesrat den Antrag um Versetzung auf die Zentrale zu unterbreiten", sagte Deiss.

Über Borers Nachfolge schwieg er sich aus. Bei der Pressestelle der Schweizer Botschaft in Berlin hiess es auf Anfrage, der Diplomat Emanuel Jenni werde ab sofort interimistisch als Geschäftsträger fungieren.

Ende der Botschafterkarriere?

Borer habe sich bei der Suche nach Lösungen in der schwierigen Situation nicht "optimal" verhalten. Er habe sich nicht an die vereinbarten Sprachregelungen gehalten und es vorgezogen, die Affäre aus seinem Feriendomizil auf Mauritius zu besprechen.

Seiner Aufforderung, zur Besprechung nach Bern zurückzukehren, sei er nicht nachgekommen, sagte Deiss. Ein Angebot für eine Versetzung in eine andere Schweizer Mission im Ausland habe Borer abgelehnt.

Gegenüber der "Rundschau" von SF DRS sprach Deiss von einer "verwerflichen Kampagne" des "Blick" und des "SonntagsBlick". Die berufliche Zukunft Borers will Deiss mit diesem unter vier Augen besprechen. Er nehme die volle Verantwortung für die Versetzung des Diplomaten auf sich, sagte Deiss weiter.

Schaler Nachgeschmack

Der Präsident der aussenpolitischen Kommission des Ständerats, Maximilian Reimann (SVP), hält die Versetzung von Botschafter Thomas Borer nach Bern für richtig. Es bleibe aber der schale Nachgeschmack, dass das Ganze auf einem Artikel von Boulevard-Journalisten fusst.

Leider hätten mehrere Seiten, auch das Departement für auswärtige Angelegenheiten, ungeschickt auf diese Affäre reagiert. In der Sache sei der Entscheid aber richtig, denn Borer hätte seine Funktion wohl nicht mehr richtig ausüben können.

Für die Schweiz sei dies ein vorübergehender Verlust, denn Borer habe ein weit reichendes Kontaktnetz aufgebaut. "Sicher ist er ein guter Mann gewesen", sagte Reimann.

Bundesratsparteien uneinig

Unterschiedlich beurteilen die vier Bundesratsparteien Borers Ablösung. Während die CVP den Entscheid "ihres" Bundesrats Deiss für richtig hält und ihn lobt, sieht die FDP "nur Verlierer".

Die FDP - deren Mitglied Borer ist - kritisiert die Art und Weise, wie das EDA mit der Angelegenheit umgegangen ist. Der Entscheid selbst findet aber auch bei den Freisinnigen Verständnis.

SP-Parteipräsidentin Christiane Brunner hält die Abberufung Borers für "völlig unverhältnismässig". Die SVP bedauert, dass der Bundesrat "aufgrund von Druck durch die Boulevardpresse" entschieden habe.

Kein Kommentar von Borer

Eine Stellungnahme von Botschafter Thomas Borer war am Mittwoch nicht erhältlich. Borer liess ausrichten, dass er keinen Kommentar zum Entscheid des Bundesrates abgebe, sagte eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Berlin.

swissinfo und Agenturen


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