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Brasilien ist Weltmeister!

Das brasilianische Team feiert seinen Erfolg: 2:0 im WM-Finale gegen Deutschland.

(Keystone)

Der beste Torhüter des Turniers, der Deutsche Oliver Kahn, konnte es nicht verhindern: In der 67. und der 79. Spielminute traf Ronaldo für Brasilien.

Brasilien ist zum fünften Mal Fussball-Weltmeister. Das Team um die Stürmerstars Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho gewann in Yokohama mit 2:0 gegen die deutsche Nationalmannschaft.

Ausgerechnet ein Fehler des bis dahin unbezwingbar erscheinenden deutschen Torhüters Oliver Kahn und zwei Tore von Ronaldo haben Brasilien den Weltmeistertitel beschert.

Der deutsche Kapitän Kahn ermöglichte am Sonntag im Finale der 17. Fussball-Weltmeisterschaft in Yokohama das Führungstor: Der Goalie hatte einen Schuss von Rivaldo nicht festzuhalten vermocht. Von seiner Brust prallte der nasse Ball vor die Füsse Ronaldos, der das erste Tor des Spieles schoss.

Zwölf Minuten später sorgte Ronaldo mit seinem insgesamt achten Turnier-Tor für die endgültige Entscheidung.

Überglücklicher Ronaldo...

Nach dem Schlusspfiff wurde Ronaldo auf dem Feld von Fotografen umringt. Ronaldo: "Es ist eine ganz tolle Sache. Ich freue mich riesig, Torschützenkönig und Weltmeister geworden zu sein. Mit meinem zweiten Tor habe ich die tolle Leistung der gesamten Mannschaft gekrönt."

Als bester Torschütze wird Ronaldo vom Fussball-Weltverband FIFA mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet.

...Enttäuschung bei der deutschen Nationalelf...

Während der Brasilianer gefeiert wurde, lehnte der deutsche Goalie minutenlang niedergeschlagen am Torpfosten. Kahn: "Es ist bitter, wenn man im Final einen Fehler macht. Der einzige Fehler im Turnier ist bestraft worden. Das ist zehnfach bitter. Dafür gibt es keinen Trost."

Der deutsche Trainer Rudi Völler war ebenfalls enttäuscht: "Auch wenn man gegen so eine Klasse-Mannschaft wie Brasilien verliert, was sicher keine Schande ist, ist es bitter. Die Brasilianer waren bei dieser WM sicher die beste Mannschaft." Völler will dem Torhüter Oliver Kahn keine Vorwürfe machen, er habe "eine Traum-WM gespielt und Dinge gehalten, das war sensationell".

... Wohlwollen und Gratulationen von den Politikern

Wenig betrübt beurteilten die deutschen Politiker das verlorene Spiel. "Ich bin stolz auf den deutschen Fussball. Es war eine grosse Leistung der Mannschaft. Sie kann erhobenen Hauptes nach Hause fahren", lobte Bundespräsident Johannes Rau das Team.

Auch der amtierende SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder war beeindruckt. "Es war ein grosses Spiel einer fantastischen Mannschaft. Natürlich ist auch ein bisschen Wehmut dabei, es hätte auch klappen können."

Edmund Stoiber, Kanzlerkandidat der CDU und CSU, gratulierte, Trainer Völler habe eine Mannschaft mit Charakter geformt. "Jetzt geht der Blick nach vorn zur EM in zwei Jahren und natürlich zur nächsten Weltmeisterschaft in Deutschland", sagte Stoiber.

Belgien als fairste Mannschaft ausgezeichnet

Zwar nicht den begehrten Pokal, doch immerhin eine wichtige Auszeichnung erhält Belgien. Wie die FIFA am Sonntag mitteilte, wurde die Mannschaft von Trainer Robert Waseige mit dem Fair-Play-Preis ausgezeichnet.

Neben einer Trophäe erhält der belgische Verband 50`000 US-Dollar, die für die Entwicklung des Jugend-Fussballs eingesetzt werden sollen.

Streitpunkt Schiedsrichter-Entscheide

Während der ganzen WM gaben Fehlentscheide von Schiedsrichtern immer wieder zu reden. Der Schweizer Schiedsrichter Urs Meier gibt zu bedenken, dass es an jeder WM Fehler gegeben habe.

Doch natürlich müsse man weiter daran arbeiten, Fehlentscheide zu reduzieren. "Das Problem ist, dass dieses Mal das gleiche Team von wiederholten Fehlern betroffen war", so Meier, Bezug nehmend auf die Spiele von Italien gegen Kroatien und gegen Südkorea.

"Die Fehler werden nicht nur von der Schiedsrichter-Kommission analysiert werden", sagte dazu FIFA-Boss Sepp Blatter gegenüber swissinfo (ganzes Interview siehe Link).

"Wir werden Lösungen suchen - beispielsweise mit der Einführung eines Zusatzrichters hinter den Toren oder mittels dreier Schiedsrichter, die jeweils bereits während mindestens zwei Jahren zusammenarbeiten."

Die "Schweizer" an der WM

Kein Schweizer Nationalteam an der WM mit dabei, keine Übertragungen der Spiele auf dem Schweizer Fernseh-Sender SF DRS. Dennoch: Neben dem FIFA-Präsidenten Sepp Blatter und dem Schiedsrichter Urs Meier waren noch andere "Schweizer" in Südkorea und Japan mit dabei.

Da wäre allen voran der deutsche Nationalspieler Oliver Neuville zu erwähnen. Der in der Schweiz geborene Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter gilt - ausser auf dem Papier - als Schweizer: Er spielte als Junior in Locarno, wurde später mit Servette Schweizer Meister. Zum WM-Final sagte Neuville: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Ohne Oliver Kahn wäre wir nicht im Finale gewesen."

Weniger weit als die Deutschen schafften es die Senegalesen. Mit dabei Spieler, die in der Schweiz bei weitem keine Unbekannten sind: Papa Bouba Diop und Malick Diop (Neuenburg Xamax), Henri Camara (Grasshoppers) und Pape Thiaw (Lausanne).

Südkorea/Japan als Hoffnungsträger für die EURO 2008

Vor der WM war immer wieder kritisiert worden, dass das Turnier in zwei Ländern stattfand. Nun sind die Skeptiker verstummt, viele sprechen von einem Erfolg. Die FIFA schliesst denn auch nicht aus, dieses Experiment - mit einigen Verbesserungen - zu wiederholen.

In diesem Kontext gewinnt die österreichisch-schweizerische Kandidatur für die EURO 2008 an Bedeutung. Hier würde kein Meer zwischen den beiden Ländern liegen, das Verhältnis und die Zusammenarbeit sind problemlos. Nicht zu reden von den vergleichsweise minimalen Distanzen zwischen den Austragungs-Orten.

Die Entscheidung fällt am 13. Dezember 2002. Allerdings hat die Kandidatur Österreich/Schweiz ebenfalls internationale Gegner: Die Kandidaturen Skandinaviens (vier Länder gemeinsam) und Griechenland/Türkei.

Gabriel Nadav, Tokio und Agenturen

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