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Brosamen für Gläubiger

Juristenfutter: Insgesamt wollen die Gläubiger 72,3 Mrd. Franken von den Swissair-Unternehmen.

(Keystone)

15'000 Gläubiger haben bei der SAirGroup Forderungen gestellt. Rund 1800 davon kamen am Mittwoch zur Gläubigerversammlung nach Zürich, angemeldet waren etwa 2000.

Sie wählen den Gläubiger-Ausschuss und diskutieren über Verantwortlichkeiten der ehemaligen Chefs.

Das Nachlass-Verfahren der SAirGroup ist der grösste und komplizierteste Fall in der Schweizer Wirtschafts-Geschichte. Opfer des Crashs der Fluggesellschaft Swissair sind Angestellte, Frühpensionierte, Banken, Obligationäre, Lieferanten und ausländische Flugtöchter.

Insgesamt werden von den Unternehmen SAirGroup, SAirLines und Flightlease 72,3 Mrd. Franken gefordert. Allein bei der SAirGroup sind es über 38 Milliarden. Zur Deckung vorhanden sind jedoch 1,559 Mrd. Franken.

Den Grossteil des Geldes ans Bein streichen

Der grösste Anteil der Forderungen entfällt auf Gläubiger dritter Klasse. Einige von ihnen werden ihre Wut an der Gläubiger-Versammlung wohl kundtun. Denn gemäss den Berechnungen von Sachwalter Karl Wüthrich wird die Nachlass-Dividende für Drittklass-Gläubiger 4 bis 12% betragen.

Die exakte Höhe häng davon ab, in welchem Umfang die bestrittenen Forderungen durchkommen werden. Von den 38 Milliarden anerkennt die SAirGroup bloss 11,8 Mrd. Franken.

Zu 100% gedeckt sind die Forderungen der Erst- und Zweitklass-Gläubiger: Das sind mehrere hundert Angestellte der Swissair-Dachgesellschaft - darunter auch Kaderleute.

Milliarden-Forderung allein aus Belgien

Zu den nicht privilegierten oder Drittklass-Gläubigern, die gemäss Wüthrich 4 bis 12% erhalten werden, gehören auch ausländische Fluggesellschaften wie Sabena und Air Lib.

Allein Sabena will 8,2 Mrd. Franken von ihrer ehemaligen Muttergesellschaft, der belgische Staat fordert weitere 800 Millionen. Die französischen Unternehmen fordern insgesamt rund 500 Mio. Franken.

Gläubiger-Auseinandersetzungen programmiert

Wegen den hohen Beträgen bezeichnet der Freiburger Rechtsprofessor Walter Stoffel die ausländischen Gesellschaften denn auch als "wichtige Gläubiger". Und: "Je mehr Geld sie erhalten, umso weniger erhalten die anderen." Es werde sicher unter den verschiedenen Gläubigern noch Auseinandersetzungen geben, so Stoffel.

Noch im Sommer 2001 hatte die SAirGroup mit ausländischen Unternehmen Verträge abgeschlossen. Deshalb kommt Stoffel zum Schluss, dass ein Teil der Forderungen klar berechtigt sei.

"Daneben gibt es jedoch auch Forderungen nach Rückerstattung der Zinsausfälle und nach weiterem Schadenersatz. In dieser Beziehung wird es ganz sicher noch zu Diskussionen kommen. Und je nach Grösse dieser Gläubiger-Forderungen kann dies eine wichtige Rolle spielen: das kann vom Einfachen ins Doppelte, ja sogar ins Dreifache der ursprünglichen Schuld gehen."

Auch vor Gericht hängig

Neben den Gläubiger-Forderungen sind in verschiedenen Ländern mehrere Gerichts-Verfahren hängig. In Frankreich im Zusammenhang mit der Air Littoral und der Air Lib, in Belgien mit der Sabena und in Portugal mit der TAP.

Dabei wird dem ehemaligen SAir-Chef Corti Vertragsbruch sprich das Nichteinhalten der abgemachten Verpflichtungen vorgeworfen.

Verantwortlichkeitsklagen gegenüber ex-Chefs?

Ehemalige SAir-Manager, Verwaltungsräte und auch die Revisions-Gesellschaften werden an der Versammlung ebenfalls im Visier der Gläubiger sein.

"Es ist möglich, dass es zu Verantwortlichkeits-Klagen gegenüber dem früheren Swissair-Management kommt", sagte Filippo Beck, Geschäftspartner von Sachwalter Wüthrich, gegenüber swissinfo.

Allerdings müsse man den entsprechenden Experten-Bericht abwarten. Dann erst werde der Liquidator über Klagen entscheiden können. "Wenn er sich dagegen entscheidet, können die Gläubiger schliesslich selber klagen", so Beck.

Karl Wüthrich beabsichtigt, am Mittwoch den Gläubigern erste Informationen zum Experten-Bericht zu liefern. Mit raschen Entscheiden ist jedoch nicht zu rechnen.

Langes Seilziehen absehbar

Allgemein rechnen Experten in diesem komplexen Liquidations-Verfahren - neben der SAirGroup geht es ja auch um SAirLines und Flightlease - nicht mit baldigen Ergebnissen.

So werden beispielsweise auch am Mittwoch keine Beschlüsse vorliegen: Nach den Ausführungen des Sachwalters haben die Gläubiger die Gelegenheit, über den Nachlassvertrag und die Liquidations-Organe zu bestimmen. Stimmberechtigt sind jedoch auch die nicht anwesenden Gläubiger. Sie können per Post abstimmen, deshalb liegen am Mittwoch keine definitive Abstimmungs-Ergebnisse vor.

Mittelfristig geht Rechtsprofessor Stoffel davon aus, dass Gläubiger-Forderungen von SAirGroup wie auch von anderen Gläubigern bestritten werden. "Es werden zahlreiche und komplexe Gerichts-Verfahren nötig sein", prognostiziert er. "Das bedeutet, das ganze Verfahren wird sich sicher noch einige Jahre hinziehen."

swissinfo


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