Bundespräsident Couchepin erklärt seinen "Lapsus"

Bundespräsident Pascal Couchepin erläutert vor den Medien seinen "Lapsus". Keystone

Bundesrat Couchepin hat am Donnerstag Stellung zu seinem Versprecher genommen. Es sei weder ein Scherz gewesen, noch habe er damit den Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei Christoph Mörgeli attackieren wollen.

Dieser Inhalt wurde am 07. Februar 2008 - 19:16 publiziert

Couchepins "Lapsus" hatte hohe Wellen geschlagen. Er hatte an einer Kommissionssitzung von "Mörgele" statt vom KZ-Arzt Josef Mengele gesprochen.

Bundespräsident Pascal Couchepin zeigte sich von der Polemik um seinen Versprecher "Mörgele" statt "Mengele" schockiert.

Er erläuterte am Donnerstag vor den Medien, wie es zu diesem "Lapsus" kam. In der Kommissionssitzung über die Forschung am Menschen habe er den KZ-Arzt Josef Mengele, "den Unmenschen von Auschwitz", erwähnen wollen. Er habe damit deutlich machen wollen, dass die Gesetzgebung so streng ausfallen müsse, dass es nie zu Verletzungen der Menschenwürde kommen könne.

Nur habe er sich im Namen geirrt und zuerst auch von "Mörgele" gesprochen. "Es war kein Scherz", sagte Couchepin angesprochen auf entsprechende Aussagen von Kommissionsmitgliedern, und es sei auch keine Attacke auf den Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli gewesen, mit dem ihn allerdings keine politische Liebe verbinde.

Der Bundespräsident sprach in diesem Zusammenhang auch von einem Wahrnehmungsproblem in der Schweiz. Die Romands hätten seine Äusserung kaum missverstanden.

Ein Beispiel nennen wollen

Die Polemik berühre ihn tief, mache ihn traurig und schockiere ihn, weil sie den Kern seiner politischen Überzeugungen treffe, sagte Couchepin.

Er habe sich immer für den Respekt der Menschenwürde und den Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz eingesetzt.

Der Gedanke an den Holocaust habe ihn in den letzten Tagen erneut umgetrieben, weil er am 28. Januar in Genf an einer Gedenkveranstaltung für jene Menschen teilgenommen habe, die den Juden in den finsteren Jahren der Nazi-Zeit geholfen hätten, sagte Couchepin. Mengele sei für ihn die Inkarnation des Bösen.

Es käme ihm nie in den Sinn, einen Volksvertreter mit dem Massenmörder Mengele zu vergleichen, sagte Couchepin. Nach seinem Versprecher habe er ein Kommissionsmitglied lachen hören, und er habe sofort gesagt, "es gibt nichts zu lachen, es geht um eine ernste Sache". Mörgeli sei an der Sitzung nicht anwesend gewesen.

Keine Entschuldigung

Der vermeintlich attackierte Mörgeli hatte in der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens vom Mittwoch von einer ungeheuerlichen Beleidigung und einer ungeheurlichen Verharmlosung des Holocausts durch den Bundespräsidenten gesprochen und diesen für die Eidgenossenschaft als nicht mehr tragbar bezeichnet.

Am Donnerstagabend sagte er am Schweizer Radio DRS, dass er die Erklärung Couchepins so nicht akzeptieren könne. Der Bundespräsident wisse, was er sage.

Couchepin ist da anderer Meinung. Er sagte, er hätte Mörgeli den Sachverhalt erklärt, falls der sich erkundigt hätte. Die Angelegenheit sei stattdessen gleich zur Polemik ausgewachsen. Eine Entschuldigung, wie sie die SVP gefordert hat, gebe es sicher keine, weil er niemanden attackiert habe, sagte Couchepin weiter.

FDP Schwyz distanziert sich

Die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) des Kantons Schwyz distanzierte sich in einer Mitteilung vom Donnerstag von Couchepins "Mörgele"-Mengele-Versprecher.

Ob peinlicher Versprecher oder offensichtliche Beleidigung - das sei eines Bundespräsidenten nicht würdig, hielt die Partei fest. Sie will bei der FDP Schweiz einen entsprechenden Protest einlegen.

Der Arzt und SS-Hauptsturmführer Joseph Mengele war 1943 bis 1945 Lagerarzt im KZ Auschwitz-Birkenau. Er nahm Selektionen unter den Neuankömmlingen an der Rampe für die Gaskammern vor, wobei er die Ermordung von ungefähr 40'000 Menschen anordnete. Ausserdem führte er Experimente an Menschen durch, bei denen die Opfer meistens umkamen. KZ-Insassen nannten ihn den "Todesengel von Auschwitz".

Nach dem Krieg floh Mengele mit gefälschten Rotkreuz-Papieren nach Lateinamerika. Trotz internationaler Fahndung wurde er nie gefasst. 1979 starb er bei einem Badeunfall bei São Paulo. 1985 wurde sein Grab von deutschen, amerikanischen und israelischen Ermittlern entdeckt und seine Leiche mit DNA-Tests indentifiziert.

swissinfo und Agenturen

Die Versprecher von Pascal Couchepin

Es ist nicht das erste Mal, dass Bundesrat Pascal Couchepin in den Medien für seine Äusserungen kritisiert wird.

Am 10. Dezember 2003 wurde er von einer Kamera des Westschweizer Fernsehens (TSR) gefilmt, als er auf die neu gewählten Bundesräte Christoph Blocher und Hans-Rudolf Merz wartete. "Ils sont où les gaillards" (wo sind die Kerle), sagte er salopp.

Am 7. September 2007, kurz vor den Parlamentswahlen, hatte der freisinnige Bundesrat Couchepin die Schweizerische Volkspartei (SVP) scharf kritisiert. Die von ihr verbreitete Komplott-Theorie gegen Justizminister Blocher sei "Propaganda im negativsten Sinne des Wortes".

"Niemand, auch nicht der 'Duce', ist unverzichtbar für das Wohlergehen unseres Landes. Das ist ungesund", sagte Couchepin in einem Interview des Tessiner Radios RSI.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen