Bush wird Präsident: Versöhnliche Töne nach der Entscheidung

George W. Bush ruft das amerikanische Volk zu Einigkeit auf. Keystone

Das Rennen ums Weisse Haus ist entschieden. Der Demokrat Al Gore gestand am späten Mittwoch (Ortszeit) in einer Fernsehansprache seine Niederlage ein, der Sieger George W. Bush meldete knapp eine Stunde später seinen Anspruch auf das Präsidentenamt an.

Dieser Inhalt wurde am 14. Dezember 2000 - 16:04 publiziert

Er habe Bush soeben telefonisch zum Wahlsieg gratuliert, verkündete Gore den Amerikanern. In seiner Rede dankte Gore für die Unterstützung der Wähler und rief zur Versöhnung nach dem wochenlangen Wahlstreit auf. "Ich akzeptiere die Endgültigkeit des Ergebnisses", erklärte er. "Dies ist Amerika, und wir stellen das Land vor die Partei", sagte Gore. "Wir werden gemeinsam hinter unserem neuen Präsidenten stehen."

Die Entscheidung Gores zum Ausstieg aus dem Kampf um das Präsidentenamt fiel, nachdem das Oberste Gericht der USA Gores Antrag auf weitere Kontrollzählungen umstrittener Stimmbezirke in Florida zurückgewiesen hatte. "Der Supreme Court hat gesprochen", sagte Gore in seiner Ansprache. "Obwohl ich mit der Position des Gerichts nicht einverstanden bin, akzeptiere ich sie."

An die internationale Gemeinschaft gewandt sagte er: "Niemand soll diesen Wahlkampf als Zeichen amerikanischer Schwäche sehen. Die Stärke der amerikanischen Demokratie zeigt sich noch deutlicher durch die Schwierigkeiten, die sie bewältigen kann."

"Ich werde alles geben", versprach Bush kurz später den Amerikanern. "Ich wurde nicht gewählt, um einer Partei zu dienen, sondern dem Volk." Nach der schwierigen Wahl müssten die Vereinigten Staaten den politischen Streit hinter sich lassen und die Zusammenarbeit in den Vordergrund stellen.

"Ich hoffe, dass das lange Warten der letzten fünf Wochen den Wunsch stärkt, die Bitterkeit und das Parteigängertum der jüngsten Vergangenheit zu überwinden", sagte Bush in seiner Rede aus dem Parlament in Texas. Er appellierte an die Amerikaner, seine Pläne für das Sozial- und Gesundheitswesen und seiner Steuervorhaben zu unterstützen. "Ich glaube daran, dass wir mit Gottes Hilfe als Nation gemeinsam in die Zukunft gehen werden - als eine Nation, unteilbar." Bush und Gore wollen sich in Bälde in Washington treffen.

Erste Glückwünsche

Noch in der Nacht gratulierte Bundeskanzler Gerhard Schröder Bush zum Sieg der Wahl vom November. Die Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten stehe auf einem festen Fundament, erklärte Schröder in seinem Glückwunschschreiben an Bush. Der britische Premierminister Tony Blair zeigte sich erleichtert, dass die Wahl entschieden sei und sprach Bush ebenfalls seine Glückwünsche aus. Die Schweiz hat dem neuen US-Präsidenten George W. Bush am Donnerstag (14.12.) gratuliert. Bern ist überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit der künftigen Regierung in Washington "gut" sein wird.

Wegen der Patt-Situation in den anderen US-Staaten reicht Bush ein hauchdünner Vorsprung von 537 Stimmen in Florida, um als 43. Präsident die Nachfolge von Bill Clinton anzutreten. In den USA insgesamt erzielte Gore bei der Wahl am 7. November jedoch etwas über 300'000 Stimmen mehr als Bush - dies bei 209 Millionen Wahlberechtigten.

Entscheidend sind aber die Wahlmänner, bei denen Bush nach dem Sieg in Florida (25 Wahlmänner) mit 271 zu 267 knapp führt. Sie treffen am kommenden Montag die endgültige Entscheidung. Ihre Stimmen werden erst am 6. Januar vom neugewählten Kongress in Washington ausgezählt.

swissinfo und Agenturen

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