Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Cannabis: Banalisieren Nein - Entkriminalisieren Ja

Repression schrecke nicht vom Cannabis-Konsum ab, betonen Drogenfachleute.

(Keystone)

Es gehe nicht an, dass die Hälfte der Schweizer Bevölkerung kriminalisiert werde - mit diesem Argument setzt sich die Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme für eine Änderung des Betäubungsmittel-Gesetzes ein. Gleichzeitig plädieren die Fachleute für mehr Präventionsarbeit gegen den Cannabis-Konsum.

"Schweiz: Paradies für Kiffer" - so der Titel eines Artikels in der aktuellen Ausgabe des deutschen Magazins DER SPIEGEL. Noch pointierter wars im englischen INDEPENDENT zu lesen: "Heidi High".

Im Ausland gibt die geplante Änderung des Schweizerischen Betäubungsmittel-Gesetzes viel zu schreiben. Hierzulande hat sich nun gar die unabhängige Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme für eine Aufweichung des Cannabis-Verbots ausgesprochen.

Eine repräsentative Umfrage, die die Fachstelle am Donnerstag (15.02) den Medien vorstellte, zeigt ein deutliches Bild: Mehr als die Hälfte der jungen Leute in der Schweiz hat Erfahrungen mit Cannabis. Ein Viertel der Jugendlichen konsumiert das Kraut gar mehr oder weniger regelmässig.

Repression zahlt sich nicht aus

In der französischen Schweiz geht die Polizei deutlich härter gegen Cannabis-Konsumenten vor als in der Deutsch-schweiz. Dennoch zeigt die Umfrage, dass in dieser Region nicht weniger Personen Erfahrungen mit der Droge haben.

Die Mehrheit der befragten Personen bestätigt zudem, dass Repression und das Verbot von Cannabis nicht vom Konsum abschrecken.

Konsum straffrei

Es gehe nicht an, dass die Hälfte der jungen Menschen zu Kriminellen gestempelt würden, sagt Richard Müller, Direktor der Fachstelle, gegenüber swissinfo. Da das Verbot zudem keine abschreckende Wirkung habe, solle der Konsum von Cannabis straffrei werden. "Dass mehr Repression weniger Drogen-Erfahrung heisst, stimmt so nicht", sagt Müller.

Differenzierte Haltung

Allerdings sei ein straffreier Konsum nicht gleichzusetzen mit einer breiten Legalisierung, wie die differenzierte Position der Drogenfachleute betont. Deshalb fordern sie ein gesetzlich verankertes Konsumverbot beispielsweise in öffentlichen Gebäuden und auch Verkehrsmitteln: "Es geht darum zu zeigen, dass der Konsum von Cannabis zwar toleriert wird, jedoch sozial unerwünscht ist."

Mehr Prävention

Auch eine weitere Botschaft dürfe nicht unter den Tisch gewischt werden, betont Müller: "Haschen ist nicht einfach harmlos." Parallel zu den Änderungen des Betäubungs-Gesetzes brauche es zwingend mehr Prävention. Gleichzeitig mit ihrer Stellungnahme veröffentlicht die Fachstelle deshalb Unterrichtsmaterialien für die Schule und eine Broschüre mit Informationen für Eltern.

Eingeschränkten Handel ermöglichen

Die Hälfte der Cannabis-Konsumierenden beschaffen sich die Droge bei Freunden oder Bekannten. Dies ein weiteres Ergebnis der Umfrage der Fachstelle. Ein Drittel versorgt sich aber auch in Hanf-Läden, in den kleinen Shops, die in den letzten Jahren vor allem in den Städten der Deutschschweiz aufgeblüht sind. Von Drogenhandel in grossem Stil wollen die Drogenfachleute weiterhin nichts wissen. Das Einkaufen von Kleinmengen für den Eigenbedarf soll aber möglich sein, so die Haltung der Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme.

Bevölkerung für Entkriminalisierung

Die Positionen zur Revision des Betäubungsmittel-Gesetzes sind bezogen, die Stellungnahmen abgegeben. In den nächsten Wochen will der Bundesrat nun seine Botschaft veröffentlichen. Dann liegt der Entscheid beim Parlament. Die Bevölkerung, so zeigt die Umfrage, wäre zurzeit für eine Entkriminalisierung.

Öffnung sei kein Alleingang

Wenn ihre Vorschläge übernommen würden, dann wäre dies kein Alleingang der Schweiz, sondern durchaus eine Annäherung beispielsweise an Italien, Belgien, Spanien und Portugal, erklärt Fachstellen-Direktor Richard Müller. - "Und von Holland wollen wir schon gar nicht sprechen."

Eva Herrmann


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×