Navigation

Castor und Pollux für die Verkehrspolitik

Der neue Terminal im italienischen Busto Arsizio-Gallarate. (Bild: Hupac) Hupac

Der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger hat im italienischen Busto Arsizio eines der grössten Verladezentren Europas eingeweiht.

Dieser Inhalt wurde am 09. September 2005 - 18:34 publiziert

Das Terminal ist ein zentraler Meilenstein für die Umsetzung der Schweizer Verlagerungspolitik im alpenquerenden Güterverkehr.

Der Terminal Busto Arsizio-Gallarate ist nur wenige Kilometer vom Mailänder Interkontinental-Flughafen Malpensa entfernt und einer der bedeutendsten Umschlagterminals südlich der Alpen.

Hier werden Container aus ganz Italien von Camions auf Güterzüge verladen, hier werden die Züge für die Fahrt nach Mittel- und Nordeuropa zusammengestellt. Italien, die Schweiz, Deutschland, Dänemark, Belgien und Schweden sind so miteinander verbunden.

Organisiert wird all dies vom Schweizerischen Kombi-Operateur Hupac AG. 90 Prozent der Waren gehen Richtung Norden, nur 10 Prozent des Verkehrs verläuft in die Gegenrichtung.

Kapazität erweitert

Der 1992 noch von Bundesrat Adolf Ogi eröffnete Terminal ist jedoch schon 1999 an seine Kapazitätsgrenzen gestossen, deshalb wurde eine Erweiterung auf dem Areal der Nachbargemeinde Gallarate in Angriff genommen und inzwischen termingerecht fertig gestellt.

Die Kapazität kann von momentan 16 auf neu 23 Zugspaare pro Tag erhöht werden, mittelfristig sogar auf 30 Zugspaare, was einem Umschlag von zirka 1500 LKW-Fahrten entspricht.

Das Schweizer Engagement auf italienischen Boden ist nicht uneigennützig. Es trägt entscheidend dazu bei, den alpenquerenden Schwerverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern, so wie es der helvetischen Verkehrspolitik entspricht.

Dies erklärt auch das massive finanzielle Engagement der Eidgenossenschaft: 75 Millionen Franken kostete der Terminalausbau, der fast ausschliesslich über rückzahlbare Darlehen des Bundes finanziert wurde.

Kein Wunder, fand Verkehrsminister Leuenberger bei der von schlechtem Wetter getrübten Einweihungsfeier nur lobende Worte für die Anlage.

Der Terminal Busto Arsizio-Gallarate werde durch die Verdoppelung seiner Kapazität zur grössten europäischen Verladeplattform südlich der Alpen, sagte er.

"Für die Verlagerung ist das ein wichtiges Signal, ein grosser Schritt, aber niemals der letzte."

Castor und Pollux

Leuenberger fand auch philosophische Worte zum Anlass: "Busto Arsizio-Gallarate, das ist Castor und Pollux für die Verkehrspolitik: Wie zwei helle Sterne leuchten sie ganz Europa den Weg."

Genauso wie Verkehrsminister Leuenberger unterstrichen auch die Verantwortlichen von Hupac, dass das Engagement im kombinierten Güterverkehr nicht als Engagement gegen den Transport auf der Strasse interpretiert werden müsse. Es sei im Sinne einer gegenseitigen Ergänzung und Konkurrenz zu sehen.

Daher sei auch der Ausbau der Strasseninfrastruktur unabdingbar, wenn der Terminal gut funktionieren will. Der italienische Verkehrsminister Pietro Lunardi bezeichnete die Investitionen in den Terminal und damit in den Schienengüterverkehr angesichts der steigenden Ölpreise als zukunftsweisend und lobte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Schweiz.

Paradigmenwechsel

Hupac-Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bertschi erinnerte seinerseits an die grossen Zuwachsraten beim Warentransport auf der Schiene über die Alpen sowie die enormen Fortschritte durch den soeben vollzogenen Paradigmenwechsel im europäischen Güterverkehr dank der durchgehenden Traktion über die Landesgrenzen hinweg.

Die Ablösung nationalstaatlichen Denkens durch eine Marktöffnung wurde in Busto Arsizio durch die Präsenz von fünf Lokomotiven verschiedener Bahngesellschaften, darunter die SBB und Trenitalia, unterstrichen.

Bertschi forderte eine weitere Öffnung des Marktes und eine Reduktion der Transitpreise auf der Schiene in der Schweiz, um das Ziel einer erfolgreichen Verlagerung des Schwerverkehrs im Alpen-Transit zu erreichen.

Durch die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) am Lötschberg und Gotthard werde die Kapazität bis zum Jahr 2014 zwar erheblich erhöht, doch diese verbesserte Kapazität könnte allenfalls kompromittiert werden, wenn der Ausbau der Zufahrtsstrecken in Deutschland und Norditalien ausbliebe.

Genannt wurde insbesondere der Knoten Basel und der Oberrhein, sowie der nötige Ausbau der Strecke von Bellinzona über Luino nach Italien. Für den Anschluss der NEAT im Süden des Ceneri-Tunnels besteht hingegen vor 2020 gemäss Leuenberger kein Ausbaubedarf.

Zwei Jahre Bauzeit



Nur zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten für die Erweiterung des Terminals in Busto Arsizio-Gallarate. Sie erfolgten unter Einhaltung strenger Umweltauflagen für die technischen Einrichtungen und das Abwassersystem mitsamt Einrichtung von Biotopen und Feuchtgebieten.

Zur Zeit sind 170 Personen am Terminal beschäftigt, nach Hupac-Schätzungen beträgt die Zahl der Arbeitsplätze in Zulieferbetrieben rund 3000.

swissinfo, Gerhard Lob, Busto Arsizio-Gallarate

Fakten

Beschäftigte am Hupac-Terminal: 170
Arbeitsplätze in Zulieferbetrieben: rund 3000
Fläche des Terminals: 135'000 m2
Baukosten: rund 75 Mio. Fr.
Warentransport Süd-Nord: 90%
Warentransport Nord-Süd: 10%

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.