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CH/Atomdebatte/CVP-Präsident Darbellay: Neue AKW-Technologien sind kein Thema

Bern (awp/sda) - CVP-Präsident Christophe Darbellay hält die Kernenergie für nicht "enkeltauglich". Neue Technologien stünden noch in den Sternen, sagte er in einem Interview.
Atomfreaks hätten noch nicht gemerkt, dass in den letzten 25 Jahren fünf der weltweit 500 Reaktoren geschmolzen oder explodiert seien, sagte Darbellay in einem Interview mit dem "Bund", das am Samstag erschien. "'Enkeltauglich' oder generationenverträglich ist diese Technologie nicht mehr."
Die Frage nach dem Bau neuer AKW konterte Darbellay mit einer Gegenfrage: "Wieso sind die Atomnostalgiker immer dabei, von neuen Entwicklungen zu reden? Diese Technologie steht noch in den Sternen."
Vorsichtiger hatte sich CVP-Bundesrätin und Energieministerin Doris Leuthard geäussert. In der Atomdebatte vom vergangenen Mittwoch hielt sie vor dem Nationalrat fest: "Was in dreissig Jahren ist, wissen Sie nicht, und das weiss ich nicht." Wenn aber eine völlig neue Technologie da sein sollte - ob Kernfusion oder eine vierte AKW-Generation - gebe es die Möglichkeit, wieder neue Gesetze zu machen.
Axpo-Chef Heinz Karrer hingegen ist nach wie vor der Meinung, dass es "sinnvoll" wäre, Ersatz-AKW zu bauen, wie er in der "Samstagsrundschau" von Radio DRS sagte. Der Bau von neuen Kernkraftwerken werde aber - unabhängig vom Bundesratsentscheid - in nächster Zeit kein Thema sein. Denn: Die Wahrscheinlichkeit, in der Bevölkerung eine Mehrheit zu erhalten, sei nicht vorhanden.
Den Ausstiegsentscheid von Bundesrat und Nationalrat kritisierte Karrer, weil es sich dabei um ein "Technologieverbot" handle. "Ich finde es falsch, wenn man davon ausgeht, dass ausgerechnet diese Technologie keine Entwicklung erfahren darf", sagte er. Interessant sei nun, wie der Ständerat entscheiden werde.
Ob sich der Bau von neuen AKW finanziell lohne würde, hat die Axpo gemäss Karrer noch nicht abschliessend geklärt. Er selber sei aber nach heutigem Wissensstand davon überzeugt, dass es "ökonomisch machbar" wäre. Der Axpo gehört des AKW Beznau. Zudem hält der Energiekonzern Anteile an den AKW in Leibstadt und Gösgen.
Der Zürcher SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger, der auch Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes ist, sagte in einem Interview mit der "Südostschweiz am Sonntag", er halte den Ausstiegsentscheid für verfrüht. Doch - und dazu stehe er - gebe es im Gewerbe "unterschiedliche Meinungen".
Verschiedene Unternehmen würden in der neuen Energie- und Klimapolitik ihre Chancen sehen, sagte Zuppiger. Auch der Gewerbeverband sehe in der Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien ein beträchtliches Potenzial. Lenkungsabgaben würde sein Verband aber ablehnen.
"Die Geschichte zeigt, dass das Gewerbe bisher immer gut bedient war, wenn Innovationen mit marktwirtschaftlichen Anreizen und nicht mit staatlichem Interventionismus erreicht wurden", sagte Zuppiger. Und: "Wenn wir seriös an die Arbeit gehen, werden wir in 20, 30 Jahren eine andere Energieversorgungslandschaft haben."
mk

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