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CH-China: Fern und doch nah

Viel Hoffnung aber auch grosse Gegensätze: Das heutige China.

(Keystone)

China ist so vielfältig, dass es unfassbar scheint, so widersprüchlich, dass es undefinierbar ist. Und doch existiert bereits ein besonderes Verhältnis zur Schweiz.

China - ein Land mit tausend Gesichtern. Man könnte über vieles berichten. Es gibt die 1,3 Milliarden Einwohner. In den letzten 50 Jahren hat sich die Bevölkerung verdoppelt.

Es gibt extrem technologische Städte an der Ostküste, in denen ein Mittelstand heranwächst. Es gibt - wenigstens auf dem Papier - ein eindrückliches Wirtschaftswachstum.

Es gibt die Armut auf dem Lande und in den Industriestädten der Manschurei; steigende Arbeitslosigkeit und die stetige Austrocknung der Staatskasse. Öffentliche, aber ineffiziente Industrie-Unternehmungen müssen unterhalten werden, um Millionen von Arbeitsplätzen zu erhalten und soziale Unruhen zu vermeiden. Schliesslich gibt es die Probleme mit den Menschenrechten. Und auch die Tibet- und Taiwanfrage sollte man nicht vergessen.

Wie funktioniert das Zusammenleben eines erklärtermassen kommunistischen Systems mit einem entfesselten Kapitalismus? "Ein Staat, zwei Systeme", sagte Deng Xiaoping während der Reformzeiten. "Werde reich und halte die Klappe", titelt Erich Meyer sein jüngstes Buch über China. Der französische Journalist, der in Bejing wohnt, analysiert darin die vorherrschende Ideologie im Reich der Mitte.

Krise oder Lokomotive?

Wieviele Facetten hat der asiatische Staat? Sehr viele. Und wie lassen sich diese entziffern? Nur schwerlich. Man läuft Gefahr, sich in die Staatspropaganda einwickeln zu lassen, aber auch in die Unkenrufe derer, die einen neuen ernsthaften Konkurrenten verteufeln wollen. Es ist schwer, China zu beschreiben.

Manche behaupten, das Regime sei am Ende. Das Land befinde sich auf dem Weg in eine wirtschaftliche Katastrophe. Andere hingegen sind überzeugt, dass das Land in den 5000 Jahren seiner Geschichte nie so gut gelebt hat wie heute.

Doch ein Faktum bleibt unumstösslich: Trotz der grossen internen Probleme und aller Widersprüche repräsentiert China eine historische Kultur und ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Es handelt sich um eine Realität, die sich nicht wegdiskutieren lässt. Es scheint nicht einmal ausgeschlossen, dass China die Lokomotive der Weltwirtschaft wird.

Die Schweiz und der Riese

"Unsere politischen Beziehungen sind immer gut gewesen. Wir kennen uns gut und sprechen offen miteinander, wie zwei Partner, die seit langem zusammen sind", meint ein Diplomat des Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Die Schweiz gehörte zu den ersten Ländern des Westens, welche die Chinesische Volksrepublik offiziell anerkannten. Dieser Schritt erfolgte am 17.Januar 1950. Mit der Politik der Öffnung und den Reformen von Deng Xiaoping ab dem Jahr 1979 haben sich die Beziehungen weiter intensiviert. Heute gibt es rund 20 bilaterale Abkommen zwischen den beiden Staaten.

China ist überdies das einzige Land auf der Welt, mit dem die Schweiz einen institutionalisierten Dialog über Menschenrechte führt. Es finden Gespräche über Justizprozeduren statt. Gefängnisse werden gegenseitig besucht. Ob diese Arbeit hinter den Kulissen konkreten Erfolg zeitigt, ist für das EDA schwer zu beurteilen.

Erstes Joint-Venture mit der Schweiz

Im Jahr 1951 lag das Handelsvolumen zwischen der Schweiz und China bei zirka 170 Mio. Franken. 2001 ist man bei 8,6 Milliarden angelangt - Hong Kong eingeschlossen. Die Schweiz exportiert vorab Maschinen sowie chemische- und pharmazeutische Produkte. Importiert werden hauptsächlich Textilien und Elektrogeräte.

Nach dem vor kurzem erfolgten Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO (die Verhandlungen leitete der Schweizer Botschafter Pierre-Louis Girard) werden sich die Handels-Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter intensivieren.

Gemäss offiziellen Angaben wächst die chinesische Wirtschaft um durchschnittlich 7% jährlich. In Europa, den USA und Japan harzt es dagegen. "Das Interesse für den chinesischen Markt von Schweizer Unternehmungen wächst ständig", heisst es bei der Handelskammer Schweiz-China. Die Risiken der politischen und sozialen Instabilität in China scheint die Schweizer Wirtschaft kaum zu stören.

Heute sind in China rund 580 Schweizer Firmen tätig. Mit Investitionen in Höhe von vier Mrd. Franken gehört die Schweiz zu den 15 wichtigsten Investoren-Staaten. In der Region Shanghai liegt sie gar auf den ersten Rängen.

Eine Kuriosität zum Schluss: Es war eine Schweizer Firma (Schindler AG aus Ebikon), die 1980 das erste Joint-Venture mit ausländischem Kapital auf chinesischem Boden einging. Es handelte sich um eine Weltpremiere, die den Weg zum enormen Markt des "roten Giganten" vorzeichnete. Auch wenn es am Ausdruck "Giganten" keine Zweifel gibt, ist das Markenzeichen "rot" mit Bezug auf die aktuelle ökonomische Situation in China vielleicht ein wenig fehl am Platz...

Marzio Pescia
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)


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