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Bern (awp/sda) - Wer wissen will, wo Aprikosen, Pfirsiche oder Gurken aus Schweizer Läden herkommen, bleibt oft ohne klare Antwort. Bei einer Kontrolle verwarnten die Kantonschemiker zwei von drei Geschäfte wegen mangelhaften Herkunftsangaben beim Verkauf von Früchten und Gemüse.
Die Schweizer Kantonschemiker prüften erstmals in einer nationalen Aktion, ob bei Früchten und Gemüsen im Offenverkauf die Herkunftsangaben stimmen. Bei über 7000 getesteten Produkten seien sie in 1120 Fällen fehlerhaft gewesen, stellte der Verband der Kantonschemiker der Schweiz (VKCS) am Donnerstag in einer Mitteilung fest.
Bei den fehlerhaft deklarierten Produkten war die Angabe falsch (496), sie fehlte (195) oder war ungenau (96). In 333 Fällen war die mündliche Auskunft des Verkaufspersonals nicht überprüfbar. Nur in rund einem Drittel der über 500 überprüften Läden fanden die Kontrolleure keine Mängel.
Teilweise seien die Fehler recht offensichtlich gewesen, sagte der Berner Kantonschemiker und VKCS-Präsident Otmar Deflorin auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Es habe Fälle gegeben, in denen Früchte mit der Herkunftsangabe Spanien versehen, aber die Kiste mit einer italienischen Firma angeschrieben gewesen sei.
Getestet wurden unter anderem je rund 100 Migros- und Coop-Filialen sowie Läden von Anbietern wie Denner, Aldi, Volg, Spar oder Manor. Die bemängelten Produkte betreffen gleichmässig alle Verteiler und alle Regionen, wie Deflorin sagte. Keine Rolle habe auch die Ladengrösse gespielt.
Das Lebensmittelgesetz schreibt vor, dass die Detailhändler ihre Kunden über die Herkunft der Lebensmittel informieren müssen, beim Offenverkauf entweder am Regal oder aber das Verkaufspersonal muss Auskunft geben können. Bei verpackten Produkten steht die Angabe an der Etikette. Zudem müssen die Verantwortlichen in den Läden auch dokumentieren können, woher die Produkte stammen.
"Die Konzepte für die Rückverfolgbarkeit von Produkten stimmen, nur bei der Umsetzung hapert es", sagte Deflorin. Die Kantonschemiker werfen den Läden laut Deflorin nicht vor, sie wollten die Kundinnen und Kunden absichtlich täuschen. "Es ist aber Nachlässigkeit festzustellen." Die Situation sei "sehr unbefriedigend".
Zu befürchten haben die beanstandeten Betriebe aber wenig: Sie erhielten eine Verwarnung, die das Gesetz für "leichte Fälle" vorsieht. Zudem ordneten die Kantonschemiker Schulungen für das Personal an. In Fällen mit wiederholten Verstössen habe es auch Bussen gegeben, sagte der Genfer Kantonschemiker Patrick Edder.
Anders wäre es, wenn die Läden mit einer falschen Angabe die Kunden absichtlich täuschen wollten, indem sie zum Beispiel Aprikosen aus Nordafrika für einen höheren Preis als Walliser Aprikosen anböten. Hier würde es sich um Betrug handeln und die Folge wäre eine Strafanzeige. Solche Fälle fanden die Kantonschemiker indes nicht.
Die Grossverteiler Migros und Coop gaben auf Anfrage an, sie seien sich des Problems bewusst. Falsche Angaben seien ärgerlich, da beispielsweise einige Kunden Produkte aus bestimmten Regionen nicht kaufen wollten, sagte Migros-Sprecher Urs Peter Naef auf Anfrage. Obwohl das Personal immer wieder auf die korrekte Deklaration hingewiesen werde, sei es kaum möglich alle Fehler auszuräumen.
Zu Fehlern bei der Herkunftsangabe könne es kommen, weil Gemüse und Früchte im Rayon sehr häufig aufgefüllt werden müssten, sagte Coop-Sprecherin Denise Stadler. Coop und Migros verwiesen auf die regelmässigen Schulungen des Personals und versicherten, sie strebten Verbesserungen an.
dr

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