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Zürich (awp/sda) - Vor den Verhandlungen für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag haben die Schweizer Bauarbeiter ihre Hauptanliegen angeben können. Die Resultate ihrer Umfrage überraschten die Gewerkschaften, stehen doch nicht mehr Ferien oder höhere Zulagen an der Spitze.
Am wichtigsten ist den befragten gut 16'000 Bauarbeitern ein Ausbau des sozialen und gesundheitlichen Schutzes, wie die Gewerkschaften Unia und Syna am Dienstag mitteilten. Die Ergebnisse dieser bislang einzigartig breiten Umfrage überraschten, sagte der Unia-Sektorleiter Bau, Hansueli Scheidegger, vor den Medien in Zürich.
Die Gewerkschafter hatten zunächst mit ihren rund 1'000 Vertrauensleuten auf dem Bau aus 77 genannten Problemen sechs Hauptanliegen erarbeitet. Von denen konnten die Bauarbeiter in der Umfrage drei ankreuzen.
Am meisten Zuspruch erhielt mit 68,2% die Forderung nach voller Lohnfortzahlung bei unverschuldeten Ausfallstunden wegen Krankheit, Unfall oder Schlechtwetter. Heute werden in der Regel nur 80% gewährt, bei Krankheiten wird am ersten Tag gar kein Lohn entrichtet.
Wenig dahinter folgt mit 65,8% der Nennungen eine klare Regelung, wann Bauleute ihre Arbeit bei Kälte, Nässe oder Hitze einstellen können, um ihre Gesundheit zu schützen. Schlechtwetter ist laut Unia ein wesentlicher Grund dafür, dass jedes Jahr einer von fünf Bauarbeitern verunfallt. Wegen drohender Lohnausfälle würden zu oft Risiken eingegangen.
55,1% der Bauleute sprachen sich zudem für einen verbesserten Kündigungsschutz ab 50 Jahren und für gewerkschaftlich aktive Bauleute aus. Die drei weiteren Anliegen wurden als weniger dringlich taxiert: Höhere Zuschläge und Spesen sowie mehr Ferien und Feiertage wurden von rund einem Drittel genannt. 27,6% machten eines von drei Kreuzen bei "Klar geregelte Arbeitszeiten".
Die Gewerkschaft Syna will ergänzend auf eine Beschränkung von Akkord- und Temporärarbeit pochen. Es brauche Quoten für Temporärarbeiten im Verhältnis zu den Festangestellten, sagte Syna-Branchenleiter Ernst Zülle. Denn sich gegenseitig unterbietende Akkordfirmen seien ein wesentlicher Grund für die von den Baumeistern als ungenügend bezeichnete Ertragslage.
Mit dem Hinweis darauf hatte der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) die Lohnverhandlungen für 2011 abgebrochen und seinen Mitgliedern eine Lohnerhöhung um 1% empfohlen. Die Gewerkschaften hatten 2,7% gefordert.
Dieser Abbruch ist laut Scheidegger ein "schlechtes Vorzeichen" für die GAV-Verhandlungen. Die Gewerkschaften wollten aber dennoch offen und lösungsorientiert in die Verhandlungen steigen, für die erste vorbereitende Gespräche im Februar stattfinden sollen.
In der Vergangenheit ist es auf dem Bau mehrfach zu Streiks gekommen, bis mit dem Auslaufen des bestehenden GAV Ende Jahr besteht aber die Friedenspflicht. Der Landesmantelvertrag genannte GAV regelt die Arbeitsbedingungen von rund 100'000 Bauarbeitern und ist einer der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge der Schweiz.
cf

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