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(Neu: letzte drei Abschnitte mit Reaktion Arbeitgeber)
Bern (awp/sda) - Für den Arbeitnehmerverband Travail.Suisse steht die Lohnrunde 2011 im Zeichen der sich erholenden Wirtschaft: Zusammen mit den angeschlossenen Gewerkschaften fordert Travail.Suisse Erhöhungen im tiefen einstelligen Prozentbereich und den Teuerungsausgleich.
Bei einem erwarteten Wirtschaftswachstum von 1,8% für das laufende Jahr lägen Lohnerhöhungen drin, sagte Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, am Montag vor den Medien in Bern. "Auf dem Arbeitsmarkt kommt die Erholung nur zäh voran". Viele Unternehmen hätten nach dem Stellenabbau zu Krisenzeiten noch kaum wieder Personal aufgestockt.
Schon für 2010 hätten die Angestellten einen Reallohnverlust hinnehmen müssen, hielt Blank fest. Reale Lohnerhöhungen müssten deshalb nun dringend den privaten Konsum stützen, damit die Kaufkraft die Wirtschaft ankurbeln könne.
Die Gewerkschaften Syna und transfair, die Travail.Suisse angehören, wollen konkret mit Forderungen nach 0,5 bis 3% höheren Löhnen in die Verhandlungen steigen. Bis zu 3% wollen sie auf dem Bau und in der Dienstleistungsbranche durchsetzen. Die Exportindustrie, die wegen des starken Frankens unter Druck steht, wird dagegen mit etwas tieferen Forderungen konfrontiert.
Bei den bundesnahen Betrieben wie Post, SBB und Swisscom verlangt die Gewerkschaft transfair angesichts guter Resultate eine Beteiligung am Gewinn. Bei den Löhnen hält sie eine Erhöhung von bis zu 2% als problemlos möglich.
Keine Lohnerhöhungen stehen im nächsten Jahr in der Gastronomie an. Weil dort der neue Gesamtarbeitsvertrag Lohnerhöhungen ab 2012 vorsieht, stellt Hotel & Gastro Union keine konkreten Forderungen.
Zudem pochen die Arbeitnehmervertreter auf einen vollen Teuerungsausgleich. Dieser dürfte sich auf 1,1% belaufen. Da darin die erneut stark steigenden Krankenkasseprämien nicht eingeschlossen seien, dränge sich ein Teuerungsausgleich erst recht auf. "Das ist im Portemonnaie spürbar", sagte Blank.
Zugesichert hat den vollen Teuerungsausgleich bereits der oberste Personalchef der Bundesverwaltung, Finanzminster Hans-Rudolf Merz.
Nebst einer "Wirtschaft auf Wachstumspfad" verweisen die Verbände auf die unüblich vielen Abgaben, die auf 2011 steigen und dadurch die Haushaltsbudgets belasten werden. Der Bund erhöht die Abzüge für die Arbeitslosenversicherung und die Erwerbsersatzordnung, zudem steigt die Mehrwertsteuer zur Sanierung der IV.
Die Gewerkschaften rüsten sich für den Lohnherbst aber auch mit den Zahlen zu Managerlöhnen. "Eine Kategorie von Lohnempfängern schert sich überhaupt nicht darum, wie es der Wirtschaft geht", sagte Syna-Vizepräsident Arno Kerst dazu. Die Manager hätten lohnmässig die Krise schon 2009 hinter sich gelassen.
Dem Reallohnverlust der "normalen" Arbeiter stünden um rund 20% höhere Löhne im Management entgegen - trotz Verlusten und Arbeitsplatzabbau. Lohnerhöhungen von Managern und Angestellten müssten sich angleichen, fordern deshalb die Gewerkschaften.
Es sei zu früh, um die Haltung der Arbeitgeber zu Lohnanpassungen abzuschätzen, sagte dagegen Jürg Zellweger, Geschäftsleitungsmitglied beim Arbeitgeberverband, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. "Wir sehen aber keinen Nachholbedarf bei den Lohnerhöhungen." 2009 seien die Löhne real um immerhin 2,6% gestiegen.
Dass die Schweiz die Krise überstanden habe, sei korrekt, sagte Zellweger. Noch immer bestünden aber Unsicherheiten: "Viele Firmen haben noch immer Probleme." Absatzmärkte seien von der Euro-Krise betroffen, und den Exportbranchen mache der starke Franken zu schaffen.
Aus Sicht der Arbeitgeber sollen zudem die Managerentschädigungen nicht mit den Lohnverhandlungen vermischt werden. Die Arbeitgeber verstünden zwar, dass Missmut herrsche wegen "exzessiver Manager-Boni". Das sei aber eine Frage, die mit dem Aktienrecht zusammenhänge.
uh

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