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CH/IV: Mit frühere Hilfeleistungen bei der Arbeit Krankheitsfälle vermeiden

Muttenz BL (awp/sda) - Mit früherer Hilfestellung am Arbeitsplatz will die Invalidenversicherung (IV) vermeiden, dass Kranke aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Heute werden Probleme oft zu spät erkannt, und Arbeitgeber sind oft überfordert, wie eine Pilotstudie aufzeigt.
Das Bundesamt für Sozialversicherungen hatte die Pilotstudie für die kommende 6. IV-Revision bestellt. Durchgeführt hat sie die Fachstelle für Psychische Rehabilitation der Kantonalen Psychiatrischen Dienste Baselland zusammen mit der Fachhochschule Kärnten (A), dem Arbeitgeberverband Basel und der Wirtschaftskammer Baselland.
Von psychischen Erkrankungen Betroffene zeigten gemäss der Studie häufig (55 Prozent) "persönlichkeitsbedingte Probleme" am Arbeitsplatz, wie am Dienstag an einer Medienkonferenz in Muttenz BL zu erfahren war. Neben dem Arbeitsklima leide auch die Leistung. Länger fehlen würden nur 40 Prozent; die meisten hätten gar keine Absenzen.
Problem nicht erkannt
So würden Betroffene oft bloss als "schwierig" wahrgenommen, eine Krankheit werde aber oft zu spät oder gar nicht erkannt. Auch griffen Früherkennungsprogramme kaum. Psychische Probleme seien jedoch relevant: Rund ein Viertel der Erwerbstätigen leide im Laufe der Karriere mindestens einmal daran - und werde weniger produktiv.
Vorgesetzte unternähmen zwar zur Verbesserung der Situation oft einiges, auch über Jahre. Aber nur selten zögen sie externe Hilfe bei. Kollegen von Betroffenen reagierten derweil oft mit Ungeduld und Unverständnis. In knapp der Hälfte der Fälle würden Probleme gelöst, was aber zu 90 Prozent den Abgang der Betroffenen bedeute.
Kaum als Problemlöser genannt werde die IV, hiess es weiter. Diese informiere ihrerseits selten Arbeitgeber detailliert über das Thema und Lösungsansätze. Dabei könnten Firmen Betroffene der IV seit 2008 unkompliziert melden, zwecks Früherfassung und -intervention.
IV früher einbeziehen
Arbeitgebern fehle meist nicht Engagement, sondern professionelle Unterstützung und Informationen. Daher sei die Rolle der IV neu zu definieren: Sie sei früher einzubeziehen, damit Betroffene nicht ausgegrenzt werden. So gesehen sei die mit der IV-Revision erhoffte Wiedereingliederung von 18'000 IV-Rentnern eine Herausforderung.
Arbeitgebervertreter äusserten sich überrascht über die Häufigkeit psychischer Erkrankungen und dass diese so oft unerkannt bleiben. Müssten Betroffene als Störfaktoren einfach gehen, bekämen sie wahrscheinlich auch im neuen Job wieder Probleme - am Ende drohe die IV-Rente. Firmen sollten fachliche Hilfe beiziehen, hiess es.
Rund 1000 Personen nahmen an der Pilotstudie teil, darunter viele höhere Kaderleute und Personalverantwortliche. Beteiligt waren auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), die Konferenz der kantonalen IV-Stellen und die Basler Gesellschaft für Personalmanagement.

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