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CH/Krise begünstigt Wirtschaftskriminalität (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 19. November 2009 - 16:10 publiziert

Zürich (awp/sda) - Die Finanz- und Wirtschaftskrise begünstigt die Wirtschaftskriminalität. Ein Drittel der befragten Unternehmen stellt eine Zunahme von Zwischenfällen in den letzten zwölf Monaten fest. Oft greifen Chefs in die Firmenkasse - häufig ohne Konsequenzen.
Trotz des grösseren Risikos gaben nur 17% der Unternehmen an, in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Deliktsfall aufgedeckt zu haben, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) hervorgeht, die am Donnerstag vor den Medien in Zürich veröffentlicht wurde. Im internationalen Vergleich sind es beinahe doppelt so viele.
Die Dunkelziffer bei Wirtschaftsdelikten in der Schweiz sei hoch. "Was wir hier sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs", sagte PWC-Partner Rolf Schatzmann. In der Krise habe die Sorge um das Unternehmen Priorität. Die Unternehmen hätten keine Lust, etwas gegen die Wirtschaftskriminalität zu unternehmen. Der Zeitpunkt für Delikte sei günstig.
Denn mit der Krise hätten die Firmen den Gürtel enger geschnallt und sparten beim Budget. So sei es auch bei den Kontrollinstanzen innerhalb der Firmen zu Personalabbau gekommen. Die Innenrevision sei heute viel mehr durch andere Aufgaben belastet, sagte PWC-Partner Gianfranco Mautone. Ein Grossteil der Vergehen seien nur durch Zufall ans Licht gekommen.
Fatal sei, dass die Kontrollen vom Management veranlasst würden. Die Kontrollinstanzen reagierten nicht eigenständig. Oft seien sie dem Finanzchef unterstellt. "Da beisst sich die Katze in den Schwanz", sagte Schatzmann.
CHEFS GREIFEN IN KASSE
Und so erstaunt es nicht, dass beinahe die Hälfte der Täter aus dem Unternehmen selbst stammen. Davon sind sind 70% Chefs. Vor zwei Jahren waren es erst 54%. Im internationalen Vergleich sind es 56%.
"Das Management greift am meisten zu", sagte Schatzmann. Die Manager könnten die Lücken im System am besten ausnützen. Deshalb sei bei auch der Schaden am grössten, wenn die Manager die Täter seien. Im Durchschnitt belief sich ein Schaden hierzulande auf über 1,5 Mio. Franken.
Nur 55% der Täter wurden entlassen und lediglich bei 23% Strafanzeigen eingereicht oder eine Zivilklage angestrengt. 45% könnten in der Firma weiterarbeiten. Je höher ein Manager in der Hierarchie steht, desto unwahrscheinlicher seien Strafanzeigen. Gegen einen Firmenleiter werde nur ganz selten Strafanzeige eingereicht, sagte Schatzmann.
LEBENSSTANDARD HALTEN
Als Grund hätten 70% der Täter im internationalen Vergleich angegeben, ihren Lebensstandard halten zu wollen, sagte Mautone. Das dürfte vor allem das untere und mittlere Management sein, das durch die Wirtschaftkrise unter Druck gekommen sei. "Noch erschreckender ist, dass 35% sagen: Andere tun es auch."
Oft gebe es Warnsignale, nur würden die von den Unternehmen nicht wahrgenommen. Wenn ein 23-jähriger Mitarbeiter der Buchhaltung mit einem Einkommen von 3500 bis 4000 Fr. am Morgen mit dem Lamborghini vorfahre, sollte man überprüfen, ob er geerbt habe oder ob es sich um ein Geschäftsauto handeln könnte, von dem die Firma nichts wisse, sagte Schatzmann: "Wenn man da nachgeschaut hätte, wäre das sofort aufgeflogen."
Am meisten begangen wird in der Schweiz Vermögensveruntreuung (64%). Dahinter folgen Buchführungsdelikte und Verletzung geistigen Eigentums inklusive Datendiebstahl (je 27%).
Für die Studie wurden weltweit 60'000 Manager angeschrieben. 3000 Manager aus 54 Ländern haben geantwortet, davon 129 aus der Schweiz.
rt

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