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CH/Schnelle Verpflegung immer beliebter - auf Kosten gutbürgerlicher Küche

Dieser Inhalt wurde am 18. Mai 2010 - 16:37 publiziert

Baar ZG (awp/sda) - Die Schweizerinnen und Schweizer lassen sich den Appetit nicht verderben: Auch im Krisenjahr 2009 gingen sie gerne und oft auswärts essen, wobei sie insgesamt 22,8 Mrd CHF ausgaben. Das sind 2 Mrd mehr als im Vorjahr.
Leicht angepasst haben die Schweizer Gäste aber ihre Menuwahl: 2009 bestellten deutlich mehr Gäste ein Take-Away- oder Schnellimbissangebot als noch im Jahr zuvor, was diesem Gastrobereich einen Zuwachs von 3,5 Prozentpunkten bescherte.
Im letzten Jahr wurden bereits 15,9% der gesamten Gastroausgaben an einem Kebapstand oder in einem Schnellimbiss-Restaurant getätigt. Dies geht aus dem Branchenspiegel 2010 von GastroSuisse hervor, der am Dienstag in Baar ZG veröffentlicht wurde.
Darunter gelitten hat in erster Linie die traditionelle Gastronomie, also die gutbürgerliche Küche im Restaurant. Diese macht mit 54,5% aller erzielten Ausgaben aber immer noch den grössten Gastrobereich aus.
Und wenn die Schweizerinnen und Schweizer denn mal im Restaurant sitzen, lieben sie es traditionell: Mit Abstand am häufigsten bestellt wurden 2009 landestypische Fleischgerichte mit Beilagen, gefolgt von Zwischenverpflegungen wie etwa Gipfeli. Am dritthäufigsten auswärts gegessen wurden Süssspeisen.
Dass die Fleischgerichte auf Platz 1 landeten, ist nicht selbstverständlich: In den vergangenen Jahren bestellten die Schweizer Gäste immer seltener Fleisch, dafür mehr Teigwarengerichte wie etwa Ravioli. Ein Trend, der 2009 nun vorerst gestoppt wurde.
Wie die Statistik weiter zeigt, ist die Art der Bestellung stark vom Alter abhängig: Je älter die Gäste, desto häufiger werden Fleisch-, Käse- und Kartoffelgerichte bestellt. Mit Fingerfood und Kebap können die 50- bis 74-Jährigen hingegen nur wenig anfangen. Gerade mal 2% der Bestellungen dieser Altersgruppe verlangten nach einem solchen Gericht.
Die 15- bis 29 Jährigen wiederum bestellen etwas weniger Fleisch und dafür mehr Snacks wie etwa eine Käsewähe oder Pizza.
Insgesamt hat die Schweizer Gastronomie die Wirtschaftskrise gut überstanden. Oder, wie es Klaus Künzli, Zentralpräsident des Branchenverbandes GastroSuisse, formulierte: "Es hätte schlimmer kommen können." Pessimistischer sieht GastroSuisse die Lage für die Schweizer Hotels: Diese mussten 2009 einen Rückgang der Logiernächte um 4,7% hinnehmen, was 1,7 Millionen Übernachtungen entspricht.
Gefehlt haben hauptsächlich die ausländischen Gäste, allen voran die Briten, die wegen des schwachen Pfundes andere Destinationen der Schweiz mit ihren vergleichsweise teuren Hotels vorzogen.
Sorgen bereitet GastroSuisse dabei vor allem, dass die direkten Konkurrenten Deutschland und Österreich weniger Verluste hinnehmen mussten als die Schweiz. In Österreich ging die Zahl der Übernachtungen um 1,9% zurück, in Deutschland gerade mal um 0,2%.
In der Schweiz gibt es mehr als 28'000 gastgewerbliche Betriebe. Davon sind vier Fünftel der Restauration und ein Fünftel der Beherbergung zuzuordnen.
Das Gastgewerbe gehört zu den grössten Arbeitgebern der Schweiz und bietet 230'000 Personen Arbeit. Das sind rund 6% aller Stellen dieses Landes.
Über die letzten 120 Jahre ist die Restaurantdichte deutlich zurückgegangen. Gab es 1888 - statistisch gesehen - 7,5 Restaurants auf 1000 Einwohner, sind es heute noch 2,5. Am meisten Restaurants hat es noch in Saas Fee VS.
cf

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