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CH/VSKB: Regulierungen und unsichere Konjunktur bereiten Kantonalbanken Sorge

Dieser Inhalt wurde am 15. Oktober 2009 - 15:20 publiziert

Zürich (awp) - Die für das erste Semester 2009 vorgelegten Geschäftsergebnisse belegen es deutlich: Die Schweizer Kantonalbanken sind die Gewinner der Finanzkrise. Die im Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) zusammengeschlossenen Institute erzielten nicht nur eine deutliche Gewinnsteigerung sondern auch einen rekordhohen Zuwachs von Kundengeldern. Die Krise beschert den Staatsbanken aber nicht nur stolze Gewinne sondern konfrontiert sie nun mit neuen Regulierungsplänen. Dagegen meldete der Verband am Donnerstag anlässlich der Jahresmedienkonferenz Bedenken an. Sorgen bereiten dem Verband auch die noch unsicheren konjunkturellen Aussichten.
Die Gruppe der Kantonalbanken wird "als Ganzes gestärkt aus der derzeitigen Finanzkrise hervorgehen", zeigte sich VSKB-Direktor Hanspeter Hess zuversichtlich. Seine Überzeugung stützt er dabei nicht nur auf den rekordhohen Zustrom neuer Kundengelder von 14 Mrd CHF im ersten Semester 2009 ab, was eine gute Basis für künftige Erträge darstellt, sondern auch auf positive Marktforschungsergebnisse. Danach würden die Kantonalbanken bei der Kundenzufriedenheit über "hervorragende" Zufriedenheitswerte von 8,5 von 10 verfügen. Auch der Kundenbindungswert von 71% stelle sich sehr positiv dar und die Wechselbereitschaft der Kunden sei gering, so Hess weiter.
Zudem würde die aktuelle Auswertung der GFK-Business Reflection-Analyse 2009 zeigen, dass die Kantonalbanken den grössten Reputationsgewinn aller 112 abgefragten Unternehmen aufweise. Lagen die KB's 2008 noch auf Rang 56, stiessen sie auf den elften Platz vor. Dabei haben sie sich gemäss Hess in allen Reputations-Dimensionen deutlich verbessert.
Die Institute haben aber nicht nur von der Krise profitiert, sondern hätten, und würden weiterhin einen wesentlichen Beitrag für die Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz sowie der gesamten Volkswirtschaft leisten, ergänzte Verbandspräsident Paul Nyffeler. So hätten die Kantonalbanken den zeitweise ausgetrockneten Interbankenmarkt mittels Pfandbriefen gestützt.
Mit wenig Begeisterung nimmt der Verband deshalb zur Kenntnis, dass nun auch ihre Mitglieder vom Gesetzgeber mit neuen Vorschriften in die Pflicht genommen werden sollen, obwohl sie als inlandorientierte Bankengruppe nicht Verursacher der Finanzkrise war. Der Verband stellt sich zwar nicht gegen neue Regulierungen, verlangt aber eine grössere Differenzierung in der Umsetzung. Bei der Einlagensicherung, bei den Kapitalvorschriften und bei den Managersalären dürften im Interesse des Finanzplatzes nicht die "falschen Banken" ins Visier der Aufsichtsbehörden kommen, forderte Nyffeler.
Neben den regulatorischen Massnahmen bereiten dem Verband die noch unsicheren konjunkturellen Aussichten Sorge. Zwar habe das Worst-Case-Szenario einer langanhaltenden Rezession an Wahrscheinlichkeit verloren. Zum Jubeln sei es jedoch noch zu früh, sagte Charles Stettler, Leiter Geschäftseinheit Firmenkunden der Zürcher Kantonalbank. Am wahrscheinlichsten ist gemäss dem ZKB-Direktionsmitglied ein W-förmiger Wachstumsverlauf. "Laufen die weltweiten staatlichen Konjunkturprogramme im nächsten Jahr aus und steigt die Arbeitslosigkeit weiter an, könnte es nochmals zu einem konjunkturellen Taucher kommen", so Stettler weiter. Die Refinanzierung grosser Exportunternehmen dürfte dann schwierig werden. Deshalb sei für ein Worts-Case-Szenario eine Überbrückungslösung unter Mitwirkung des Bundes im Auge zu behalten, forderte Stettler.
Wie auch immer die Entwicklung sei, gefragt sei eine verantwortungsvolle Kreditpolitik, lautet das Fazit des ZKB-Direktors. Konkret heisse dies einerseits, eine ausreichende Kreditversorgung für zukunftsfähige Untenehmen und anderseits aber auch keine Fehlallokation von Kapital durch falsche Anreize.
sig/ps

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