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China diskriminiert Schweizer Uhrenbranche

in China wird man in Zukunft etliches mehr für eine Luxusuhr wie diese Corum hinblättern müssen. (Bild: Corum)

Die Schweizer Uhrenindustrie ist beunruhigt über die von China am 1. April eingeführte Steuer auf Luxusprodukte von 20%.

Im Moment stammen 99,6% der von China importierten Uhren des mittleren bis hohen Preissegments aus der Schweiz.

China erhebt seit dem 1. April eine Konsumsteuer von 20% auf Luxusuhren. Davon ist zu einem überwältigenden Ausmass die Schweiz betroffen: Sie liefert 99,6% der in China verkauften Uhren der obersten Preisklasse.

Die Steuer gelte sowohl für Importe als auch für dort hergestellte Produkte, sagte Christophe Hans, Sprecher des Eidgenössischen Volkswirtschafts-Departements (EVD) am Mittwoch.

Fast ausschliesslich die Schweiz betroffen

China produziere aber gar keine eigenen Uhren in diesem Preissegment. Da zudem ausser der Schweiz kaum ein Land Luxusuhren nach China exportiere, sei fast ausschliesslich die Schweizer Exportwirtschaft von der Konsumsteuer betroffen.

"Das EVD hat bereits verschiedene Massnahmen ergriffen", sagte Hans. Er wollte diese aber nicht präzisieren; die Schweiz werde zuerst die chinesischen Behörden kontaktieren.

An die Welthandelsorganisation (WTO) werde das EVD nicht gelangen, sagte der Sprecher weiter. "Es gibt keinen Präzedenzfall für eine solche Steuer." Daher wäre der Erfolg einer Intervention bei der WTO fraglich.

Einbruch der Verkäufe befürchtet

"Wir wurden erst wenige Tage vor der Einführung informiert", sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie FH. Pasche spricht von Diskriminierung.

"So eine hohe Steuer unterminiert die Anstrengungen und Investments welche Schweizer Uhrenfirmen in China gemacht haben. Wir zählen jetzt auf die Hilfe der Schweizer Behörden", so Pasche.

Der Verband der schweizerischen Uhrenindustrie (FH) rechnet mit einer klaren Bremswirkung auf die Uhrenverkäufe in China. "20% Besteuerung, das ist nicht wenig", sagt Maurice Altermatt von der FH. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Konsumenten zögerlicher oder nach Hongkong ausweichen würden.

Es gebe aber noch viele offenen Fragen, etwa, welche Produkte und Preissegmente genau betroffen seien. Der Verband habe deswegen mit den chinesischen Behörden Kontakt aufgenommen.

Der Swatch-Konzern, der grösste Uhrenhersteller, hat aber mit Mittelklasse-Marken wie Tissot, Rado oder Longines auch Uhren im Programm, die nicht ganz so teuer und von der Steuer nicht betroffen sind.

Wenn in diesem Segment der China-Umsatz zunimmt, kann Swatch einen Teil des Umsatzausfalls in China selbst kompensieren. An der Börse jedenfalls zog die Swatch-Aktie am Mittwoch stärker als der Markt an.

Steuer als sozialpolitische Massnahme

Die chinesische Regierung will nach eigenen Angaben mit der Steuer die Unterschiede zwischen Arm und Reich verringern. Besteuert werden auf Anfang April nicht nur Uhren, sondern auch andere Luxusartikel: Neu gilt auf Jachten, Golfbällen und Golfschlägern eine Konsumsteuer von 10%.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Mit einer Produktion von 884 Mio. Exemplaren 2005 stellt weltweit die meisten Uhren her.

Der mittlere Wert einer chinesischen Uhr liegt bei 1 bis 2 Franken.

Die Schweizer Uhrenindustrie steht umsatzmässig weltweit an erster Stelle. 2005 wurde ein Umsatz von 12 Mrd. Franken erzielt.

Der Durchschnittspreis einer Schweizer Uhr beträgt rund 500 Franken.

China befindet sich auf Rang 10 der Länder, die Schweizer Uhren importieren (351 Mio. Franken 2005).

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In Kürze

Die Schweiz war 1950 eines der ersten westlichen Länder, das mit der Volksrepublik China Beziehungen aufnahm.

Der erste Wirtschafts-Vertrag zwischen Bern und Peking kam 1974 zu Stande.

1980 schloss der Schweizer Lifthersteller Schindler das erste "Joint venture" zwischen einer chinesischen Firma und einer ausländischen Gesellschaft.

Heute ist China der fünftgrösste Markt für Schweizer Produkte (3,075 Mrd. Franken im Jahr 2004).

Das asiatische Land ist der viertgrösste Warenlieferant für die Schweizer Wirtschaft (2,827 Mrd. Franken 2004).

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