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"China fragt unsere Werkzeuge stärker nach als vor der Pandemie"

Nach der Ausbildung zur Lehrerin studierte Eva Jaisli Psychologie an der Universität Bern. Ausserdem hat sie einen MBA in internationalem Marketing. Im Jahr 2015 verlieh ihr die Universität Bern die Ehrendoktorwürde. Keystone / Christian Merz

Im Jahr 1878 wurde im Emmental die PB Swiss Tools gegründet, ein auf hochpräzise Werkzeuge und Instrumente spezialisiertes Unternehmen. Es wird von einer Frau geleitet – eine Seltenheit in der Branche. Wir haben mit Eva Jaisli gesprochen.

Dieser Inhalt wurde am 06. April 2021 - 09:00 publiziert
Philippe Monnier

Eva Jaisli leitet PB Swiss Tools seit über 25 Jahren. Das Familienunternehmen beschäftigt 180 Mitarbeitende in dem kleinen Dorf Wasen im Emmental und exportiert mehr als zwei Drittel seiner Produktion in rund 80 Länder.

Jaisli setzt sich auch für die Verteidigung des Wirtschaftsstandorts Schweiz ein. Sie ist Vizepräsidentin der staatlichen Exportförderungsagentur Switzerland Global Enterprise, Vizepräsidentin von Swissmem, dem Dachverband der Maschinenindustrie, und Mitglied des Vorstands von Economiesuisse, der wichtigsten Interessenvertretung der Schweizer Wirtschaft.

Während die Schweizer Industrie im letzten Jahr von der Coronavirus-Krise hart getroffen wurde, ist PB Swiss Tools laut Jaisli gut aufgestellt und werde seinen Marktanteil in Europa und Asien erhöhen.

Serie: Frauen am Steuer

Frauen sind in den oberen Etagen der Wirtschaft immer noch stark untervertreten. So sind beispielsweise nur 13% der 20 Unternehmen im Leitindex SMI der Schweizer Börse mit Frauen in Führungspositionen besetzt. In dieser Hinsicht schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich schlecht ab.

swissinfo.ch lässt im Rahmen einer Serie in diesem Jahr Geschäftsführerinnen von weltweit tätigen Schweizer Unternehmen zu Wort kommen. Als Vertreterinnen der Schweizer Wirtschaft sprechen sie über die dringlichsten Herausforderungen, von der Coronavirus-Krise bis zum Platz der Schweiz und ihrer Unternehmen in der Weltwirtschaft.

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swissinfo.ch: Wie stark ist Ihr Unternehmen von der Pandemie betroffen? Haben Sie staatliche Unterstützung erhalten?

Eva Jaisli: Im Jahr 2020 waren wir mehrere Monate lang wegen des Rückgangs unserer Märkte in Kurzarbeit. Aber jetzt geht es aufwärts. Fast alle unsere Märkte haben sich erholt, und die Nachfrage ist in einigen europäischen Ländern und China sogar stärker als vor der Pandemie.

Darüber hinaus ist die leichte Abwertung des Schweizer Frankens ein willkommener Impuls. Wir hoffen, dass wir bald wieder reisen können, um unsere Kundinnen und Kunden zu besuchen und an Messen teilzunehmen.

"Wir investieren lieber in Innovationen als in Patente."

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Sie exportieren den Grossteil Ihrer Produktion. In welchen Ländern sehen Sie Ihre Hauptwachstumschancen?

Die Europäische Union ist unser wichtigster Wachstumshebel. Obwohl dieser Markt gesättigt ist, haben wir die Möglichkeit, unseren Marktanteil weiter zu erhöhen, indem wir innovative Lösungen anbieten.

Da der freie Zugang zu diesem Markt für ein Unternehmen wie unseres absolut notwendig ist, setze ich mich aktiv für das Rahmenabkommen mit der Europäischen Union ein. Weitere grosse Expansionschancen liegen in den Schwellenländern, zum Beispiel in China, Indien und Indonesien.

Unterscheidet sich die Rentabilität von Land zu Land erheblich?

Ja, wenn wir in einen neuen Markt eintreten, müssen wir viel Geld investieren und deshalb mehrere Jahre lang mit Verlust arbeiten. Diese Vorphase ist notwendig, um unsere Marke vor Ort zu etablieren und die Akzeptanz der Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Die Rentabilität kommt erst später.

Sie verkaufen hauptsächlich über zahlreiche externe Distributoren. Planen Sie, in Zukunft mehr von Ihrer Produktion über eigene Tochtergesellschaften zu verkaufen?

Unser Katalog umfasst etwa 3000 Produkte, aber unsere typischen Kundinnen und Kunden brauchen viel mehr Werkzeuge oder Instrumente. Daher ist es für uns interessant, unsere Produkte weiterhin über den Fachhandel zu vertreiben, da dieser zwischen 80'000 und 300'000 Produkte vermarktet.

Aber in China haben Sie eine eigene Tochtergesellschaft.

In der Tat ist die chinesische Firma unsere einzige Tochtergesellschaft. Ihre Aufgabe ist nicht der direkte Verkauf an Endkunden, sondern das Sammeln von Informationen über den grossen chinesischen Markt. Diese Tochtergesellschaft ist auch für die Beziehungen zu unseren chinesischen Distributoren zuständig.

Swiss Tools Ag

Im Jahr 2006 haben Sie Ihren Firmennamen von "PB Baumann" in "PB Swiss Tools" geändert. Warum haben Sie das getan?

Bevor wir diesen Schritt machten, haben wir unsere Kundinnen und Kunden gefragt, was sie an unserem Unternehmen am meisten schätzen. Ihre Antwort war: Unsere Schweizer Qualität und dass auch in der Schweiz produziert wird. Deshalb wollten wir unseren Namen ändern. Erfreulicherweise hat das Handelsregister diesen neuen Namen akzeptiert.

"Unser Trumpf sind unsere Marke und die Schweizer Herkunftsbezeichnung, die nur schwer zu imitieren sind."

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Um die Qualität zu sichern, produzieren Sie hauptsächlich intern und in der Schweiz. Aber Unternehmen wie Porsche, die Qualitätsfahrzeuge herstellen, haben mittlerweile 80% der Produktion ausgelagert, vor allem ins Ausland...

Grundsätzlich werden wir unsere Produkte weiterhin in der Schweiz herstellen, solange wir wettbewerbsfähig bleiben, vor allem in Bezug auf die Kosten. Aber wir produzieren nicht alles selbst. Wir kaufen bestimmte Komponenten dazu, zum Beispiel die Bordelektronik.

Wir haben auch einige ausländische Lieferanten. Wir arbeiten zum Beispiel mit einem deutschen Unternehmen zusammen, das sich auf Stahl spezialisiert hat und mit dem wir exklusive Fertigungsprozesse entwickelt haben.

Wie schützen Sie Ihre Innovationen?

In der Regel verwenden wir keine Patente. Diese sind nicht sehr effektiv beim Schutz des geistigen Eigentums. Wir investieren daher lieber direkt in Innovationen als in Patente, zum Beispiel in Projekte mit Universitäten oder Fachhochschulen.

Unser Hauptmehrwert ist die Beherrschung vieler komplexer Prozesse, die nur schwer zu imitieren sind. Wenn immer möglich versuchen wir unsere Innovationen zu schützen, indem wir Standards setzen und als das Original und nicht als die Kopie gesehen werden.

Werden mittelfristig andere Unternehmen – beispielsweise aus Asien – in der Lage sein, Werkzeuge in vergleichbarer Qualität wie Ihre Produkte herzustellen?

Ein japanisches Unternehmen ist schon fast auf unserem Niveau. Wir tauschen regelmässig Erfahrungen mit diesem Unternehmen aus.

Gilt das Gleiche für chinesische Unternehmen?

Wenn chinesische Unternehmen unbedingt unser Qualitätsniveau erreichen wollen und alle Mittel dafür einsetzen, dann ja, warum nicht? Doch der chinesische Staat priorisiert laut dem letzten Fünfjahresplan Sektoren wie künstliche Intelligenz, Robotik oder Ökologie.

Dazu kommt: Unser Trumpf sind unsere Marke und die Schweizer Herkunftsbezeichnung, die von Kundinnen und Kunden sehr geschätzt werden und nur schwer zu imitieren sind.

Wo sehen Sie PB Swiss Tools in zwanzig Jahren?

Das Wichtigste ist, dass unser Unternehmen weiterhin Produkte anbietet, welche die Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden übertreffen. Bei den professionellen Werkzeugen gibt es mehrere mögliche Entwicklungsrichtungen: Kraftschrauber ebenso wie Schrauber mit Steuergeräten, Roboterfähigkeiten oder Sensoren.

Im Jahr 2013 sind wir in den Bereich der medizinischen Geräte eingestiegen, weil sie die gleichen technischen Fähigkeiten erfordern wie professionelle Werkzeuge. Wir werden uns in diesem Bereich weiter entwickeln. Schliesslich planen wir, unsere Kalibrierdienste sowie unsere Beratungstätigkeit bei der Auswahl von Werkzeugen oder der Erneuerung eines Werkzeugparks zu verstärken.

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