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Coronavirus: Alles hat seinen Preis, aber welchen?

Anfang Dezember brannten auf dem Bundesplatz 6000 Kerzen, eine für jedes Opfer der Corona-Pandemie. Ende Monat müssten es weit über 1000 Kerzen mehr sein. Keystone / Anthony Anex

Nimmt die Schweiz den Tod von Pensionären in Kauf, nur um einen harten Lockdown zu verhindern? Ja, aber das ist nur die Hälfte der Geschichte. Eine Analyse zur Debatte am Ende des Krisenjahres 2020.

Dieser Inhalt wurde am 25. Dezember 2020 - 14:00 publiziert

Die Impfdosen sind bestellt oder bereits parat, in der Schweiz wird es genug für alle geben. Wenn es also soweit ist, muss man keine Verteilkämpfe fürchten – nicht in diesem reichen Land, das zu Beginn der Pandemie noch an Maskenknappheit litt und jeden Preis dafür bezahlte.

Konkret kaufte die Schweiz FFP2-Masken zu überrissenen Stückpreise ein, getrieben von der Not. Zwei jugendliche Unternehmer lieferten aus China, wurden damit über Nacht zu Multimillionären und belohnten sich mit Luxusautos. Nach über einem Jahr Kampf mit dem Virus hat aber auch die Schweiz dazugelernt.

Nur: Es gibt eine Debatte um Preise, die so schnell nicht abklingen wird. Sie dreht sich letztlich um den Preis des Lebens, der Gesundheit. Wieviel Milliarden darf es kosten, wenn es um die Gesundheit geht? Beziehungsweise um die Gesundheit der älteren Generation, der fragilen Menschen?

Der Vorwurf kam zur Vorweihnachtszeit, geäussert vom Zürcher Medizinhistoriker Flurin Condrau. Er lautete: In der Schweiz komme ein Denken der Eugenik an die Oberfläche, jener finsteren Lehre, die das Leben in wertes und unwertes scheidet. Denn die Schweiz nehme es in Kauf, "eine höhere Zahl an Menschen der Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren zu verlieren, um einen Lockdown im strengen Sinn landesweit zu verhindern".

Angesichts einer vergleichsweise rekordbrechenden Übersterblichkeit ist der Gedanke nachvollziehbar. Doch er erzählt nur eine Seite der Geschichte. Die andere lautet, dass die Jugend sich einschränkte, Demut und Solidarität zeigte – oft gezwungen und mürrisch, insgesamt aber diszipliniert.

Sie wird auch den Preis bezahlen, den das Virus verursacht hat. So ungefragt wie sie den Preis bezahlt für ein beschädigtes Klima, ohne dass sie zum Schaden wesentlich beigetragen hätte. Ja, es werden teure Zeiten auf uns zukommen, und nichts ist billiger als Vorwürfe. Diese Gefahr besteht, aber auch die Hoffnung, dass Bestand hat, was Corona uns lehrte: Es geht nur zusammen, mit allen, für jeden.

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