Crossair-Saab bei Zürich abgestürzt - alle zehn Insassen tot

Ein Passagierflugzeug der Crossair mit zehn Personen an Bord ist am Montagabend kurz nach 18.00 Uhr nach dem Abflug vom Zürcher Flughafen abgestürzt. Alle zehn Insassen kamen ums Leben.

Dieser Inhalt wurde am 10. Januar 2000 - 21:03 publiziert

Ein Passagierflugzeug der Crossair mit zehn Personen an Bord ist am Montagabend kurz nach 18.00 Uhr nach dem Abflug vom Zürcher Flughafen abgestürzt. Gemäss dem Infodienst des Flughafens Zürich handelt es sich um eine Propellermaschine vom Typ Saab 340.

Ein Vertreter der Kantonspolizei Zürich ergänzte später, dass leider keine Überlebenden geborgen worden seien. Das Trümmerfeld habe eine Ausdehnung von 200 auf 300 Meter. Die Rettungskräfte und die Feuerwehr hätten zuerst das brennende Flugzeug löschen müssen. "Nachher mussten wir leider feststellen, dass keine Überlebenden zu bergen waren."

Die Maschine war nach Dresden unterwegs. Die Absturzursache ist noch unbekannt. An Bord befanden sich sieben Passagiere und drei Besatzungsmitglieder. Es handelt sich um den Kurs Crossair LX498 nach Dresden. Der Krisenstab des Flughafens Zürch wurde unmittelbar nach dem Absturz einberufen. Das Care-Team zur psychologischen Betreuung der Angehörigen wurde aufgeboten.

Der Flughafen Zürich wurde nach dem Absturz für kurze Zeit geschlossen. Diana Müller vom Pressedienst der Crossair sagte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, ein Team der Crossair sei zum Absturzort aufgebrochen

Die zweimotorige, City-Liner genannte Crossair-Maschine war in Zürich zu einem Flug nach Dresden (D) gestartet. Das Absturzgebiet liegt auf Gemeindegebiet von Niederhasli im Ortsteil Nassenwil.

Wie der Informationsdienst des Flughafens Zürich mitteilte, liegen Wrackteile im Umkreis von 500 Metern um die Absturzstelle herum verstreut. Bergungsmannschaften von Sanität und Flughafenfeuerwehr waren vor Ort. Die Unglücksstelle wurde weiträumig abgesperrt. Die Gegend ist dünnbesiedelt.

Die Maschine verschwand kurz vor 18.00 Uhr von den Bildschirmen des Flughafens Kloten, bestätigte die Kantonspolizei Zürich.

SAir-Chef Bruggisser bezeichnete das Flugzeug als sehr sicher. Die Maschine der Crossair war 1991 gebaut worden und wies 24'000 Flugstunden auf. Von den 400 seit 1984 gebauten Maschinen dieses Typs stürzten bisher vier ab. Maschine hob ganz normal um 17.55 von der Piste ab. Das Wetter sei normal gewesen und es habe keinerlei Anzeichen gegeben, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte. Kurz nach dem Start habe die Flugsicherung den Funk- und Radarkontakt verloren und sofort Alarm ausgelöst. Beim Saab 340 handelt es sich nach den Worten von Fritz Grotz, Chef Technik bei der Crossair, um ein sehr sicheres Flugzeug.

Crossair-Chef Moritz Suter Befand sich zur Absturzeit auf einem Dienstflug nach Asien, wird aber unverzüglich in die Schweiz zurückkehren, wie SAir-Chef Bruggiser erklärte.

Augenzeuge: "Es gab einen Riesenknall"

"Einen Riesenknall" habe es gegeben, sagte ein Augenzeuge des Crossair-Absturzes im Weiler Nassenwil. Er habe einen Feuerball gesehen, dann sei das Flugzeug abgestürzt, erklärte Heinz Brändli, der etwa 250 Meter vom Absturzort entfernt wohnt. Als das Flugzeug auf den Boden prallte, sei es noch etwa 400 Meter brennend über den Boden gerutscht, ehe es zum Stillstand gekommen sei, sagte er der Nachrichtenagentur sda. Gemäss Heinz Brändli habe es stark nach Flugbenzin gestunken.

Die Feuerwehr und die Hilfsdienste war etwa zehn Minuten nach dem Absturz vor Ort. Das Gelände sei sofort weiträumig abgesperrt worden.

Die SAir Group hat eine Hot-Line für Angehörige eingerichtet. Die Nummer lautet
Vorwahl Schweiz (0)1 543 67 67

Erster Verlust einer Crossair-Maschine

"Das Schlimmste, was passieren kann, ist eingetreten", sagte Crossair-Geschäftsleitungsmitglied Andre Dose der AP. Er sei sehr betroffen und sehr besorgt über das Schicksal der Passagiere und ihrer Angehörigen. Über die Zahl der Opfer konnte er vorerst keine Angaben machen. Laut Dose ist es das erste Mal in der 25-jährigen Geschichte der Crossair, dass eine Maschine verloren gegangen ist.

Unglücksmaschine Saab 340 wird ausgemustert

Die zweimotorige Turboprob-Maschine Saab 340 bietet 33 Passagieren Platz. Mit diesem Flugzeugtyp ist die Gesellschaft Crossair gross geworden. Die Crossair mustert zurzeit ihre rund ein Dutzend Saab 340 nach und nach aus; sie sind alle bereits verkauft. Ersetzt werden sie durch brasilianische Embraer-Flugzeuge.

Die Crossair "Führende Regionalfluggesellschaft Europas"

Die Luftfahrtgesellschaft Crossair, eine Tochtergesellschaft der Swissair, ist nach eigenen Angaben "die führende Regionalflug-Gesellschaft Europas". 1979 aus einem kleinen Lufttaxibetrieb entstanden, setzte sie anfänglich drei kleine
Propellerflugzeuge mit je 18 Passagierplätzen ein und flog damit von Zürich nach Nürnberg, Klagenfurt und Innsbruck. Die Gesellschaft regte den Bau neuer Flugzeugtypen an, so vor allem des Saab 340 Cityliner und des Saab 2000 Concordino. Heute fliegt die Crossair von mehreren Schweizer Flughafen über 100 Ziele in mehr als 20 europäischen, nordafrikanischen und Staaten des Nahen Ostens an.

Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2'700 Mitarbeiter und verfügt über eine Flotte von 77 Flugzeugen. Zielpublikum der Crossair sind in erster Linie Kunden, die abseits der grossen Verkehrsströme reisen. Von mehreren Fachzeitschriften wurde das Unternehmen nach eigenen Angaben zur besten Regional-Fluggesellschaft gewählt. Seit 1989 bildet Crossair auch Piloten für andere Fluggesellschaften aus. Zum praktischen Training stehen neben Flugzeugen Flugsimulatoren für die Typen Saab 340 Cityliner und Saab 2000 Concordino zur Verfügung. Im November 1996 gab es eine spezielle Notfallübung für den Typ Saab 340 auf dem Flughafen Bern-Belpmoos.

SRI und Agenturen

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