Diese Länder vertrauten Schweizer Krypto-Technik

Diese Chiffriermaschine war ab 1952 auf dem Markt. Die von der NZZ analysierten Ausfuhrbewilligungen von Schweizer Verschlüsselungstechnologie betreffen einen späteren Zeitraum, nämlich die Jahre 1997-2019. Keystone / Ennio Leanza

Auf jeden neuen Krisenherd folgten Bestellungen der betroffenen Länder für die vermeintlich sichere Schweizer Verschlüsselungstechnologie. Das zeigt eine Analyse der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Sie hat die Ausfuhrbewilligungen des Wirtschaftsdepartements zwischen 1997 und 2019 unter die Lupe genommen.

Dieser Inhalt wurde am 04. März 2020 - 09:00 publiziert
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In diesem Zeitraum bewilligte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) insgesamt 40'000 Ausfuhren zivil und militärisch verwendbarer Güter. 2600 davon betrafen Technologien, die den sicheren Informationsaustausch ermöglichen, wie die NZZ schreibt. Empfänger: 148 Länder. Umfang: 500 Millionen Schweizer Franken. Allerdings wurden nicht alle Bewilligungen tatsächlich ausgeführt.

Die grosse Mehrheit dieser Exporte betrafen Chiffriergeräte, wie das Seco gegenüber der NZZ bestätigte. Unter Berufung auf Branchenkenner schreibt die Zeitung, dass als Exporteure drei Schweizer Firmen in Frage kämen. Dazu gehört auch die Firma Crypto AG in Zug, die seit rund drei Wochen wegen einer weltweiten Spionage-Operation in den Schlagzeilen steht.

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Ein Blick auf den weltweiten Handel mit Schweizer Krypto-Technik zeigt: "Kaum tat sich irgendwo ein neuer Krisenherd auf, folgten die Bestellungen für die vermeintlich abhörsichere Technologie", so die NZZ. Waren die Chiffriergeräte manipuliert, hatte der US-Geheimdienst ein leichtes Spiel: zurücklehnen und mithören.

Die NZZ hat den Zeitraum (1997-2019) in vier Perioden aufgeteilt und stellt fest:

1997-2000: Sechs Monate nach der Wahl von Hugo Chávez zum Präsidenten von Venezuela im Frühling 1999 bewilligte das Seco Krypto-Technologie-Exporte im Wert von 18,9 Millionen Franken in den lateinamerikanischen Staat. Die USA sollen beim erfolglosen Putsch gegen Chávez eine einflussreiche Rolle gespielt haben.

2001-2008: In dieser Periode gehörten die USA (14,4 Millionen Franken) und Libyen (knapp 10 Millionen Franken) zu den grössten Abnehmern von Schweizer Krypto-Technik. In diese Zeit fällt der Terroranschlag von 9/11. Während sich die USA vor dem Anschlag für Lieferungen interessierte, stieg die Nachfrage in Libyen vor allem in den Jahren danach.

2009-2013: In diese Zeit fällt der Arabische Frühling. Staaten Nordafrikas und der Arabischen Halbinsel gehörten während dieser Periode zu den grössten Abnehmern: Nach Ausbruch der Proteste in Bahrain 2011 bewilligte das Seco die Ausfuhr von Chiffriergeräten im Wert von 19,5 Millionen Franken in das Land am Persischen Golf. 2013 folgten Bewilligungen nach Marokko (13,4 Mio.) und Jordanien (16,6 Mio.), zwei Länder, in denen es nicht zu Aufständen kam.

2014-2019: In jüngster Zeit betrafen die umfangreichsten Bewilligungen Länder, die mit dem Krieg in Syrien und dem Aufkommen der Terrororganisation IS in Verbindung standen. Besonders viele Exporte bewilligte das Seco nach Saudi-Arabien. Aufgefallen ist der NZZ auch, dass die Auslieferungen von Krypto-Technik aus der Schweiz seit 2018 eingebrochen sind.

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