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CVP-Politprofi Durrer tritt ab

Nach seinem Rücktritt scharten sich die Medienleute um Adalbert Durrer.

(Keystone)

CVP-Präsident Adalbert Durrer tritt völlig überraschend im kommenden Mai zurück. Im Herbst gibt er auch sein Nationalrats-Mandat ab. Durrer wird ab 2002 bei der Grossbank UBS eine Funktion im Konzernstab übernehmen.

Der 50-jährige Durrer verkündete seinen Entscheid am Donnerstag (15.03.) am Rande der Frühlingssession in Lugano. Der Entscheid zum Ausstieg aus der Politik sei schon länger gereift und keine Reaktion auf die jüngsten parteiinternen Querelen.

Als Parteipräsident nimmt der Obwaldner Rechtsanwalt an der Delegierten-Versammlung vom 12. Mai den Hut. Im Herbst folgt dann der Rücktritt aus dem Nationalrat. Durrer wird ab 2002 bei der UBS im Range eines Direktors eine Funktion im Konzernstab übernehmen.

Die UBS sah sich zu einer Präzisierung veranlasst, nachdem Durrer in seiner schriftlichen Rücktrittserklärung geschrieben hatte, er werde als "Direktor bei der Konzernleitung der UBS AG" tätig sein. Laut UBS wird Durrer eine neu geschaffene Position Public Affairs in der UBS-Abteilung Group Policy and Research übernehmen. Diese Abteilung untersteht dem UBS-Chefökonomen und CVP-Mitglied Peter Buomberger.

Abnützungs-Erscheinungen

Der Abschied aus der Politik nach 23 Jahren falle ihm nicht leicht, sagte Durrer. Denn er sei mit Haut und Haar Politiker gewesen. Durrer räumte aber ein, dass es Abnützungs-Erscheinungen gebe und dass man sich als Parteipräsident manchmal sehr einsam fühle.

Trotz des stetigen Wählerschwunds seiner Partei zog Durrer eine positive Bilanz seiner Präsidentschaft, die er Anfang 1997 von Anton Cottier übernommen hatte. Die Partei habe ihre beiden Bundesratssitze behauptet und mit Ruth Metzler eine zweite Frau in die Regierung gebracht. Der Rücktritt im Mai soll es der CVP ermöglichen, rechtzeitig mit einem neuen Präsidenten oder einer Präsidentin die nächsten eidgenössischen Wahlen vom Herbst 2003 vorzubereiten.

Auch Partei überrascht

Auch die Partei wurde von der Demission völlig überrascht. Laut Generalsekretär Hilmar Gernet wird für die Nachfolgeregelung wahrscheinlich ein parteiinterner Ausschuss gebildet. Bereits am Freitag wollen das Parteipräsidium und der Parteivorstand das weitere Vorgehen festlegen.

Kandidatenkarussell dreht

Als aussichtsreicher Kandidat gilt der Thurgauer Ständerat Philippe Stähelin. Mit ihm würde sich die CVP für den konservativen Kurs entscheiden. Doris Leuthard (AG) werden ebenfalls sehr gute Chancen eingeräumt. Die 38 jährige Anwältin wäre eine charismatische, unverbrauchte Figur auf der angestaubten CVP-Politbühne.

Aus dem linken Flügel werden Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz (SG) und Ständerat Eugen David (SG) genannt. David hat allerdings in der Europa-Frage sehr klar anders als die Basis politisiert. Für ihn dürfte es somit schwierig werden, als Brückenbauer zwischen den Flügeln zu agieren.

Weder Vizepräsident François Lachat (JU) noch Vizepräsidentin Rosmarie Zapfl (ZH) und Fraktionschef Jean-Philppe Maitre (GE) zeigen Interesse am Präsidium.

swissinfo und Agenturen


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