Dank UNO-Reisjahr mehr Umsatz in der Schweiz

Indonesische Reisbauern bei der Ernte auf einem Feld in Karawang, West-Java. Keystone

Das UNO-Reisjahr 2004 hat in der Schweiz besonders dem Reis aus fairem Handel ein starkes Umsatzwachstum beschert.

Dieser Inhalt wurde am 29. Dezember 2004 - 14:16 publiziert

Das seco warb für die Reisvielfalt, während Schweizer Nichtregierungs-Organisationen gegen gentechnisch veränderten Reis Stellung bezogen.

Für das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) war der Reis 2004 ein Schwerpunkt-Thema. Vor allem in Vietnam, aber auch in Laos, Kambodscha und Indien hat das seco zusätzliche Anstrengungen unternommen und neue Programme gestartet, um die Herstellung marktgerechter Produkte wie des Lila-Reises zu unterstützen.

In der Schweiz lancierten das seco und die Handelsorganisation claro fair trade AG eine Kampagne mit dem Ziel, weniger bekannte Reissorten, Bio-Reis und Reis aus fairem Handel zu fördern.

"Wir wollten den Reis in seiner ganzen Vielfalt darstellen. Als Nischenprodukte können diese Reissorten für die Menschen im Süden eine Lebensgrundlage sein und Arbeitsplätze schaffen, wenn es gelingt, neue Verkaufskanäle zu öffnen", erklärt Hans-Peter Egler vom seco.

Das seco fördert den Handel zugunsten von Entwicklungsländern, wobei es in der Schweiz mit verschiedenen Akteuren des Detailhandels zusammenarbeitet. "Ohne diese Partner hätten wir uns im UNO-Reisjahr nicht engagiert", sagt Egler.

Erfolgreiche Kampagne

Guido Münzel von claro wertet die Reis-Kampagne als Erfolg. Es sei gelungen, den Reis unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und des fairen Handels zu thematisieren.

claro hat auch eine pyramidenförmige Schachtel mit diversen Reissorten als UNO-Dreieck lanciert. "Die UNO-Welternährungsorganisation (FAO) hat dieses Produkt als Geschenk an ihren Anlässen abgegeben. Auf diese Weise ist es uns gelungen, das Thema Fair Trade bei der FAO zu platzieren", freut sich Münzel.

Zudem hat claro Reisproduzenten in die Schweiz geholt, damit sie über ihre Arbeit berichten. Insgesamt nahmen rund 3000 Personen an diesen Treffen teil. Weiter wurden 10'000 Exemplare eines von seco und claro gestalteten Flyers gedruckt, eine Reisbroschüre des seco wurde rund 5000 Mal verteilt.

Das Hilfswerk Helvetas hat im Herbst das neue Kochbuch "Reis" aufgelegt und bereits einige hundert Exemplare verkauft. Die Fair-Trade-Organisation Max Havelaar beteiligte sich an einer Wanderausstellung.

Umsatz von Havelaar-Reis verdoppelt

Die gemeinsamen Anstrengungen haben sich vor allem beim Reis aus fairem Handel gelohnt: Max Havelaar hat eine Verdoppelung seines Reisumsatzes in der Schweiz verzeichnet. Die claro-Weltläden haben 30% mehr Reis verkauft.

Der Grossverteiler COOP hat neue Reisprodukte eingeführt und mit Aktionen für Reis aus fairem Handel geworben, wodurch sein Marktanteil beim gesamten Reissortiment im Vergleich zum Vorjahr um 3 auf 38% gestiegen ist. Der Reisumsatz nahm insgesamt um 4,5% zu, der von Fair-Trade-Reis hat sich gar verdreifacht.

Dagegen blieb die Migros, mit Ausnahme von zwei Tonnen Reis zuhanden der Fastenaktion von Brot für alle und Fastenopfer, weitgehend untätig. Der Umsatz mit fairem Reis stagnierte.

Kritik trotz Erfolg

Bei allem Erfolg gibt es auch Kritik: Karsten Wolff vom Pestizid Aktions-Netzwerk Asien Pazifik (PAN-AP) bemängelt in der Zeitschrift "Gen-ethischer Informationsdienst", dass es sich beim Reisjahr um einen "top-down"-Ansatz handle: Primäres Ziel sei es gewesen, die Bauern von der Nützlichkeit neuer (Gen-)Technologien zu überzeugen.

Die Nichtregierungs-Organisationen Erklärung von Bern (EvB), Greenpeace und Swissaid haben deshalb eine Reisbroschüre gegen die Gentechnologie verfasst und 70'000 Exemplare davon verteilt.

Umstrittene GVO

Auf die Position des seco zu genveränderten Organismen (GVO) angesprochen, erwidert Egler: "Bei der Handelsförderung setzen wir ein Schwergewicht auf die Nutzung und den Erhalt der Biodiversität durch die Förderung von Nischenprodukten."

Im übrigen sei die Schweiz führend bei der Klärung der internationalen GVO-Problematik durch ihre aktive Rolle bei der Formulierung des Cartagena Protokolls, das am 1. Januar 2005 in Kraft tritt. Dieses habe zum Ziel, eine strenge Bewilligungspflicht für den Handel mit GVO international durchzusetzen, so Egler.

François Meienberg von der EvB gibt zu bedenken, dass durch die Patentierung von GVO Handel und Zucht monopolisiert würden, was einen negativen Einfluss auf die Biodiversität habe: "Daher kann man nicht einfach die Biodiversität schützen und nicht auch zu GVO Stellung nehmen."

Seine Organisation fordert infolge des Reisjahres 2004 eine Agrarforschung, die sich an den Interessen der Bauern in den armen Ländern orientiert, nicht an den Grossbauern, die primär für den Export produzieren.

swisssinfo und André Rothenbühler, InfoSüd

Fakten

Max Havelaar: Verdoppelung des Reisumsatzes
claro-Weltläden: 30% mehr Umsatz
COOP: Marktanteil beim gesamten Reissortiment auf 38% gestiegen (Vorjahr: 35%); Reisumsatz nahm insgesamt um 4,5% zu, beim Fair-Trade-Reis hat er sich verdreifacht

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In Kürze

Der Umsatz von Reis in der Schweiz hat im UNO-Reisjahr 2004 deutlich zugenommen, besonders jener von Reis aus fairem Handel.

Schweizer Nichtregierungs-Organisationen (NGO) werten die Reis-Kampagne nicht nur umsatzmässig als Erfolg. Für sie ist es vor allem gelungen, den Reis unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und des fairen Handels zu thematisieren.

Bemängelt wurde der "top-down"-Ansatz beim Reisjahr: Primäres Ziel sei es gewesen, die Bauern von der Nützlichkeit neuer (Gen-) Technologien zu überzeugen.

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