Das Alphorn – ein urschweizerisches Symbol

Keystone

Ein Multimedia-Special und eine Doppel-CD von swissinfo/SRI stellen traditionelle und zeitgenössische Volksmusik in den Mittelpunkt und verstehen sich als Einladung zu einer Entdeckungsreise.

Dieser Inhalt wurde am 13. Oktober 2006 - 13:23 publiziert

Alphorn und Jodel – das sind in der Schweiz und im Ausland populäre Grössen der schweizerischen Volkskultur.

Wer immer schon eine Melodie auf einem Alphorn spielen wollte, seiner Lunge die Überwindung der Schwerkraft jedoch nicht zutraute, der kann jetzt online seine eigene Alphorn-Melodie zusammenstellen.

Der Alphorn Tune Composer ist ein spielerischer Bestandteil von www.swissalpinemusic.ch, einem Multimedia-Special über Traditionen und zeitgenössische Formen des Alphornspiels und des Jodelns in der Schweiz.

Der Special erscheint in den Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch sowie in Englisch, Japanisch und Chinesisch.

"Mit dem Composer können die Userinnen und User ihre eigenen Melodien komponieren, abspeichern und an Freunde und Bekannte verschicken", erklärt Christian Strickler, Musikredaktor von swissmusic, der Musiksite von swissinfo.

Das interaktive Element enthält 17 Töne, welche in beliebiger Reihenfolge und in verschiedenen Längen programmiert werden können. André Scheurer, Musikredaktor bei Radio Swiss Classic, hat die Töne einzeln auf dem Alphorn für den Composer eingespielt.

Regionale Unterschiede

"Die Kunst beim Alphorn spielen besteht nicht in erster Linie darin, möglichst viel Luft in das Horn zu pressen", erklärt der ausgebildete Trompeter gegenüber swissinfo. "Alphörner haben keine Ventile. Die Höhe der Töne variiert je nach Spannung der Lippen und je nach Luftdruck."

Für den "Alphorn Tune Composer" hat Scheurer "alle Töne gespielt, die man auf einem Alphorn herausholen kann. Mit etwas Übung könnte man noch höher gehen, aber der höchste Ton, der im Composer abrufbar ist, ist bereits schwierig zu spielen und entsprechend selten."

Weitere Elemente des Specials sind Alphorn-Videos und eine Schweizer Karte, anhand derer die regionalen Unterschiede der Volksmusiken zu entdecken sind. "Wir wollten möglichst alle Regionen des Landes berücksichtigen", so Strickler. "Natürlich ist die deutsche Schweiz stärker vertreten, aber wir haben praktisch aus allen Kantonen Beispiele gefunden."

Höhen und Tiefen

Die Musikstücke sind online abrufbar und ergänzend dazu ist eine Doppel-CD erschienen. Das musikalische Spektrum reicht von der Tradition des Jodelns und Alphornspielens über Pop & Rock bis hin zu Jazz und der zeitgenössischen E-Musik. "Wir wollten das ganze Spektrum und den grossen Reichtum der Formen aufzeigen", erläutert Strickler.

Die ausführlichen Texte befassen sich mit der Geschichte des Alphorns in der Schweiz. Sie zeigen, wie das traditionelle Instrument der Kuhhirten zeitweise in Vergessenheit geriet

"Das Alphorn starb beinahe aus, weil es seine Bedeutung als Kommunikations-Werkzeug der Hirten um 1800 verlor. Die traditionelle Käseherstellung auf der Alp verlagerte sich immer mehr in genossenschaftliche Molkereien in den Dörfern im Tal. Auf vielen Alpen ersetzten Rinder die Milchkühe", schreibt die Autorin Brigitte Bachmann-Geiser.

Elektronische Postkartengrüsse

Die Musik-Ethnologin zeigt auf, wie die Tradition des Alphornspielens wiederbelebt wurde und wie sich in den vergangenen 30 Jahren die heutige, vielseitige Szene entwickelte und wie sich das Alphorn als Instrument in der Klassik, im Pop und auch im Jazz seinen Platz eroberte.

Elektronische Postkarten zeigen typische Stillleben aus den Schweizer Alpen: Kühe, Alphornbläser, eine Alphütte, ein Bergbach und ein Bergsee, alles vor Kulissen mit ewigem Schnee. Die Karten erinnern mit ihren farblichen Verfremdungen an die Tourismusplakate aus den 1920er-Jahren und können elektronisch an Freunde und Bekannte verschickt werden.

swissinfo, Andreas Keiser

Das Alphorn

Das Signal, der Ruf von Berg zu Berg, die Kommunikation von Alp zu Alp bilden den Ursprung des Jodelns und des Alphornspiels.

Die Liebe zur Natur und zur Heimat sind bis heute zentrale Themen dieser bereits nach den ersten Tönen erkennbaren Alpenmusik.

1827 bezeichnete der Musikwissenschaftler Joseph Fétis das Alphorn als "schweizerisches Nationalinstrument". Gleichzeitig war es mehr oder weniger aus den Alpen verschwunden, wurde aber zunehmend zu einer Touristenattraktion.

Unabhängig von der Förderung des Alphorns durch den Jodlerverband wurde das Instrument seit den 1970er -Jahren in der neuen Musik als Soloinstrument wiederbelebt.

Im Gegensatz zu den wenigen Kompositionen für Alphorn im 19. Jahrhundert begann 1972 mit Jean Daetwylers "Concerto pour cor des alpes et orchestre" eine neue Entwicklung.

Das Stück wurde erstmals im Pariser Opernhaus Palais Garnier zur Eröffnung des Schweizer Fremdenverkehrsbüros in Paris aufgeführt.

Diese Wiederentdeckung des Alphorns führte in der Schweiz zu mehr als 50 Kompositionen für Alphorn in Begleitung mit Orchester, Bläser-Ensemble, Orgel und Klavier und Harfe.

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