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Das Klappenbaby

Die Babyklappe beim Regionalspital Eindsiedeln.

(Keystone)

Am 5. September lag plötzlich ein Neugeborenes in der Babyklappe von Einsiedeln. Damit hat eigentlich niemand mehr gerechnet.

Babyklappen und die anonyme Geburt sollen verhindern, dass verzweifelte Mütter ihr Kind töten, sagen Abtreibungs-Gegner.

Noch im Mai schrieb die "Neue Luzerner Zeitung", das umstrittene Babyfenster in Einsiedeln, das Mitte 2001 eingerichtet wurde, sei unbenutzt geblieben. Die Zeitung schrieb weiter, dass es nun um die Einrichtung - nach anfänglich grossem Medienecho - still geworden sei.

Mit der Stille ist nun urplötzlich vorbei. Am Donnerstag, dem 5. September, lag tatsächlich ein Neugeborenes in der Babyklappe, dem Babyfenster. Mutter und Vater sind vorläufig unbekannt.

Mutter handelte illegal

Die Einrichtung wurde von Abtreibungsgegner geschaffen, auch im Hinblick auf die Abstimmung über die Fristenlösung in der Schweiz. Eine Abstimmung, welche die Gegner verloren haben.

"Nun jubeln sie", schreibt das Wochenmagazin "Facts". Damit sei der Nutzen der Babyklappe bewiesen, sagen die Initianten rund um die "Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind", welche seinerzeit gegen die geplante Gesetzgebung zur Fristenlösung das Referendum ergriffen haben. Trotzdem, die unbekannte Mutter hat sich vermutlich illegal verhalten.

Betreiber können kaum belangt werden

Die Rechtlage der Betreiber der Klappe, von Mutter und auch Kind sind eben verworren. Das zeigt ein Gutachten, das Heinz Hausheer, Professor für Privatrecht an der Uni Bern im Auftrag des Bundesamtes für Justiz verfasst hat.

Die Urheber der Babyklappe hätten die Rechtslage immer falsch dargestellt, heisst es im Gutachten. Sie können, so Hausheer, aber kaum belangt werden. Anders sehe das für die Mutter aus.

Eine Mutter, die ihr Kind anonym in das Fenster lege, handle nicht legal, sagt das Gutachten Hausheer. Das Recht des Kindes, seine Abstammung zu kennen, werde verletzt.

Ausserdem habe der Vater keine Möglichkeit, sein Kind anzuerkennen. Das Gutachten sieht das Babyfenster als schlechtere Alternative zu einer Freigabe zur Adoption.

Im Aargau geboren

Und so wird denn intensiv nach der Mutter gesucht. Vom Vater wird nicht gesprochen. Das Neugeborene, das im Einsiedler Babyfenster abgegeben wurde, ist in Baden, im Kanton Aargau, auf einer Parkbank geboren worden.

Alle untersuchten Merkmale zwischen dem auf dem Friedhofareal in Baden sichergestellten Stück Nabelschnur und dem Baby stimmten überein. Das teilte die Kantonspolizei Aargau diesen Freitag mit.

Kind gesund

Die Vormundschafts-Behörde des Bezirks Einsiedeln ruft die Mutter auf, sich zu melden. Gegen Aussen werde ihre Anonymität gewahrt. Weiter Angaben wurden am Freitag nicht gemacht.

Bei der Aargauer Kantonspolizei sei man erleichtert darüber, das Kind gesund und in sicherer Obhut zu wissen, sagte Werner Schälkli, Sprecher der Aargauer Polizei. Die Ergebnisse des DNA-Tests habe die Vermutung der Polizei bestätigt.

Urs Maurer und Agenturen

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