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Das Leben ist ein Risiko

Kann man mit Extremsport Grenzerfahrungen sammeln?

(Keystone)

Das 1. Schweizer Sport-Trainer Forum in Bern wählte das Motto "Faszination von Risikosportarten". Dabei werden Stress- und Risikoverhalten hinterfragt.

Auf einem eingespielten Videointerview äusserte sich der querschnittgelähmte frühere Schweizer Spitzen-Abfahrer Silvano Beltrametti zu Stress und Risiko. "Bei der Abfahrt geht man an eine Aufgabe heran, bei der man nicht hundertprozentig sicher ist, sie lösen zu können." Aber es sei wichtig gewesen, "den Kick zu suchen".

Schwerer tat sich Beltrametti, den Trainern Tipps zu geben, wie weit sie im Coaching gehen sollen. Es sei eine Gratwanderung für den Trainer, "er muss einerseits die Risikofaktoren aus dem Weg räumen, andererseits sollten für den Athleten doch gewisse Stolpersteine bleiben."

In Bezug auf den Stress sagte der Bündner, er habe sich früher wegen des gedrängten Kalenders mehr in ein Schema gepresst gefühlt. "Heute spielt der Faktor Zeit eine andere Rolle, der Rollstuhl lässt einen weniger stressen", antwortete Beltrametti in seinen gewohnt klaren Analysen zur heutigen Situation.

Büchel: Wer nichts riskiert, gewinnt nichts

Auch für ihn seien die Termine eine Art von Stress, sagt der Liechtensteiner Marco Büchel, der Riesenslalom-WM-Zweite von 1999. Ganz klar äusserte er sich zum Risiko: "Wer nichts riskiert, gewinnt nichts." Dabei sei das Verletzungsrisiko bei einem Slalom geringer als bei einer Abfahrt, "aber um Erfolg zu haben, muss man in allen vier alpinen Disziplinen gleich viel riskieren", sagte Büchel, der seit fünf Jahren mit einem Sportpsychologen arbeitet und im Sommer seine Psyche beim Extrem-Fallschirmspringen herausfordert.

Trotzdem, so Büchel, komme es vor, dass man schlechte Tage habe und mit dem Stress nur schwer umgehen könne. So habe er nach dem Beltrametti-Unfall vor der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel bei der Besichtigung statt auf die schnellste Linie auf die Sicherheitsnetze geschaut und sich Gedanken über die stark vereiste Piste gemacht: "Da wäre ich wohl besser gar nicht an den Start gegangen. Ich war dazu nicht bereit."

Über die Funktion des Trainers sagte Büchel, dieser habe eine stressfreie Umgebung zu schaffen. Die Frage, wie weit der Trainer einen Athleten pushen solle, habe seit dem Unfall von Beltrametti eine andere Dimension bekommen.

Kalkuliertes Risiko

Eine andere Erkenntnis zu Stress und Risiko hat der Extrem-Fallschirmspringer Ueli Gegenschatz, der neben vielen anderen wilden Sachen wie dem Fallschirm-Sprung vom Sulzer-Hochhaus in Winterthur mit Büchel zusammen aus der Eigernordwand gesprungen ist.

Mit einer guten Vorbereitung könne Stress vermieden, dafür umso mehr Genuss aufgebaut werden. Beim Sprung aus der Eigernordwand sprach der Appenzeller, der sein eigener Coach ist, von kalkuliertem Risiko, weil er sich ausserordentlich gut - über ein Jahr lang - darauf vorbereitet habe: "Ich bin nur gesprungen, weil ich zu 99% sicher landen konnte."

Der Schweizer Eishockey-Nationalcoach Ralph Krueger unterschied zwischen negativem, nicht kontrollierbarem Stress aus dem Umfeld (Medien usw.) sowie dem positiven Stress, der im Sport anzustreben sei und ihn aufregend mache.

Um diesen zu bewältigen, müsse man auf jede Situation vorbereitet sein. Das sei die Aufgabe des Trainers, die Athleten auf alle Eventualitäten vorzubereiten und einzustellen. Zum Risiko sagte er: "Das müssen wir eingehen, um langfristig Erfolg zu haben." Dabei müsse man Dinge anstreben, die man nicht garantiert erreichen könne, sonst komme man nicht ans Ziel.

Grenzen suchen

Der Sportsoziologe Max Stierlin vertrat die These, dass jeder Mensch Situationen suche, die ihn an seine Grenze bringen. Das Leben an sich sei schon ein Risiko, weil jede und jeder sein eigenes Leben organisieren müsse.

Laut Risiko-Pädagoge Luis Töchterle, der im österreichischen Alpenverein tätig ist, suchen Jugendliche Grenzerfahrungen, um ihre Identität zu finden. Dabei könne ihnen eine Risikosportart wie Klettern helfen.

Alain Kappeler, als Sponsoring-Vertreter der Post, warf die Frage auf, ob das Risiko eines Sportsponsoring für ein Unternehmen ein Kopf- oder ein Bauchentscheid sei. Wie eine Untersuchung im Dezember ergab, hat das Engagement beim Schweizerischen Eishockey-Verband schon positive Zahlen gezeitigt.

swissinfo und Kurt Henauer (Si)

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