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Das Phänomen Nestlé

Firmengründer Henri Nestlé. (Bild: Nestlé)

Der Nahrungsmittel-Gigant Nestlé begann vor über einem Jahrhundert ganz klein als Babynahrungs-Hersteller. Seither hat er die Schweizer Identität geprägt. Die Firma sieht sich auch als globaler Multi immer noch als Schweizer Unternehmen.

Cailler, Frigor, Galak, Smarties, After Eight, Nesquik, Nestea, Perrier, Vittel, San Pellegrino, Maggi, Findus...das sind nur einige der Produkte und Marken, aus dem Hause Nestlé. Um Nestlé kommt fast niemand mehr herum.

Weltweit beschäftigt die Firma 231'000 Angestellte in 509 Fabriken. Damit ist die Firma der weltweit grösste Nahrungsmittelhersteller und die grösste Schweizer Firma überhaupt. In der Schweiz produziert die Firma an neun Standorten, die zu 80% für den Heimmarkt produzieren. "Die Schweiz ist das Land, in dem am meisten Nestlé-Produkte pro Kopf konsumiert werden", stellt denn auch François-Xavier Perroud, Pressesprecher von Nestlé, fest. "Die Schweizer haben sich in über 130 Jahren an unsere Produkte gewöhnt und wollen nicht mehr auf sie verzichten."

Das mag daran liegen, dass der Name für Qualität bürgt. Nescafé wurde gar zum weltweiten Begriff für gefriergetrockneten Kaffee, ebenso wie Maggi stellvertretend für Flüssigwürze steht. Nestlé-Sprecher Perroud: "Wir sind breit akzeptiert und haben eine guten Ruf."

Probleme mit Babynahrung

Der gute Ruf von Nestlé wurde aber auch in Frage gestellt: Der Konzern hatte in den 70er-Jahren in Schwellenländern Werbung für Babynahrung gemacht. Dabei verstiess der Konzern massiv gegen die Richtlinien der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO). In der Folge kauften immer mehr Frauen Babynahrung, die mit schmutzigem Wasser angerührt werden musste.

1974 erschien ein Bericht über Mangelernährung bei Säuglingen und die Werbung für Babynahrung in der deutschen Übersetzung mit dem Titel "Nestlé tötet Babys". 1977 bis 1984 wurden Nestlé-Produkte weltweit boykottiert. Der Boykott ist seither weitgehend abgeflaut.

Gross geworden und schweizerisch geblieben

Dies war die einzige wirklich unschöne Periode in einer Geschichte, die idyllisch begonnen hatte. Den Anfang machte - so will es die offizielle Firmengeschichte - der Apotheker Henri Nestlé im letzten Jahrhundert mit Experimenten mit Kuhmilch, Mehl und Zucker. Ziel war eine neue Art von Babynahrung. Sein erster Kunde soll eine Frühgeburt gewesen sein, die von den Ärzten bereits aufgeben worden war und dank Nestlés Erfindung überlebte.

Trotz internationaler Ausrichtung und internationalem Management, sieht sich die Firma immer noch typisch schweizerisch. Perroud: "Wir sind Schweizer Grundwerten wie Pragmatismus, Realismus und einer gewissen Bescheidenheit verpflichtet." Ausserdem hat die Firma den Hauptsitz in Vevey am Genfersee und die Abschlussrechnung ist - selten für einen Multi - in Schweizerfranken.

Breites Portfolio der Superlativen

Nestlé produziert zwar fast jede erdenkliche Form von Nahrung für Menschen, aber nicht nur. Zwei weitere wichtigen Standbeine des Konzerns sind Mineralwasser und Tierfutter. Die Firma ist der weltgrösste Hersteller von Mineralwasser. Da gibt es die Edelmarken Perrier und San Pellegrino oder Vittel, das mit Gesundheit und Aktivität verbunden wird.

Den wirklichen Umsatz wollen die Nestlé-Manager aber mit Flaschen-Wasser für Schwellenländer machen: "Pure Life" soll als günstiges Tafelwasser in Ländern wie Brasilien, Indien und Pakistan für grossen Umsatz sorgen.

Nestlé-Getränke und Tees werden zusammen mit Coca-Cola vertrieben. Die neugegründete Joint-Venture-Firma "Beverage Partners Worldwide" mit Sitz in Zürich soll das an die Hand nehmen. Die Firma wird jährlich 250 Mio. Getränkekisten absetzen.

Welt-Leader zu werden plant Nestlé auch beim Tierfutter: Wird die angekündigte 10-Mrd.-Akquisition des US-Tierfutter-Produzenten Ralston Purina von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet, wären die Schweizer grösster Hersteller von "Pet-Care-Products". Der Tierfutter-Markt ist in Europa und den USA ein lukrativer Milliardenmarkt.

Weitere Märkte schafft sich Nestlé durch die Entwicklung und Lancierung von gesundheitsbezogenen Nahrungsmitteln, sogenanntem Functional Food. Die Nachfrage dafür wird in den nächsten Jahren besonders in den USA und Europa steigen.

Philippe Kropf


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